Matisyahu - live

Kurz-URL: http://mkzä.de/441
Matisyahu
Foto: Stephen Solon

Wer sagt eigentlich, dass das Album des Monats ein Album sein müsse? Eigentlich können es doch auch mehrere Alben sein. Oder auch eine Sammlung von Live-Mitschnitten. Oder?
Matthew Miller hatte eigentlich eine ganz normale, amerikanische Kindheit. Doch in seiner Hippie-Phase machte er einen Camping-Ausflug in Colorado und war von der wunderbaren Landschaft so beeindruckt, dass er anfing seine jüdischen Wurzeln wiederzuentdecken und sogar nach Jerusalem reiste. Anschließend tourte er mit der Rockband Phish durch die USA, bis seine Eltern dachten, dass ein etwas anderer Lebenswandel angebracht wäre und ihn in die Wildnis auf eine Schule schickten.

Dort übte er in seinem Schlafzimmer Rappen und Beatboxen und dachte weiter über seinen neu erwachten Glauben nach. Wieder in New York entdeckte er den Chassidismus und wurde schließlich endgültig zu Matisyahu. Während er die Thora studierte, schrieb er sein erstes Album Shake "Off the Dust... Arise". Den Einfluss des Chassidismus, dessen Lehre besagt, dass Musik "Der Antrieb der Seele" sei, und die Einflüsse von Bob Marley, Phish und Shlomo Carlebach, einem jüdischen Folkrocker und Rabbi, hört man auch noch in seinen neueren Werken.

Diese sind einmal geprägt von tief spirituellen Texten unterlegt von Hip-Hop und Reggaeklängen, durchzogen von Gitarrenriffs und anderen für diese Gattung eher ungewöhlichen Klängen. Mit dieser außergewöhnlichen Mischung prägte er den Begriff "Chadissic-Reggae".

Man merkt seiner Musik wirklich an, dass er etwas mitteilen und den Hörer zum Nachdenken anregen will. Er selbst sagt dazu:

I want my music to
have meaning, to be able to touch people and make them think (ich möchte,
dass meine Musik eine Bedeutung hat, dass sie Leute berührt, und sie zum
Nachdenken bringt)

Bei den meisten seiner Lieder gelingt dies ihm auch und die Lyrics bleiben
dann auch einfach im Kopf:

All my life I been waiting for
I been prayin for
For the people to say
That we don't want to fight no more
They'll be no more wars
And our children will play

Singt er so eindringlich, dass man spätestens nach dem zweiten Hören laut mitsingt, und auch -denkt. Solche eindringlichen Texte sind ein gern gehörter Gegensatz zu dem Eminem/50¢/Bushido-Gebrülle und machen Mut, dass man nicht zwingendermaßen Aggressionen abbauen will, um erfolgreicher Hip-Hop-Musiker zu werden. Und erfolgreich ist Matisyahu - ausverkaufte Konzerte, hohe Chartplatzierungen in den USA und zulet durfte er zusammen mit Akon den Song für die Olympischen Winterspiele (One Day) aufnehmen. Praktischerweise kann man sich Aufnahmen seiner Live-Aufnahmen bei Archive.org in hoher Qualität kostenfrei herunterladen und anhören. Und ein beatboxender, jüdischer Reggae-Künstler mit seinen Gebetslocken - das sollte man gehört haben. Schließlich hat er nicht umsonst den Preis als "liebenswürdigster komischer Kauz" bei den Esky-Awards gewonnen...

Die versprochenen Live-Mitschnitte gibt es übrigens bei archive.org: http://www.archive.org/details/Matisyahu

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