The Reluctant Graveyard
Irgendwo zwischen den Beatles, Simon und Garfunkel und der Musik des 21. Jahrhundert findet sich Jeremy Messersmith. Der Musiker aus Minneapolis hat im März sein neues Album „The Reluctant Graveyard” auf Pay-What-You-Want-Basis auf Bandcamp veröffentlicht.
Schon der erste Titel Lazy Bones zaubert einem ein Lächeln auf die Lippen. Er lädt direkt dazu ein mitzusingen und mit dem Fuß zu wippen.
Der zweite Track „Dillinger Eyes” erzählt dann die Geschichte eines Bankräubers, der mit den Augen des berühmten Amerikanischen Gangster John Dillinger geboren wurde, und deshalb letztendlich ermordet wird. Hier wird die Musik etwas rockiger bleibt aber dem Lächeln treu.
Eine weitere Lebensgeschichte erzählt Titel Nr. 3 „Organ Donor”. Hier verliert ein im Leichenhaus geborener Mensch über sein ganzes Leben Organe. Sein Herz verliert er zum Beispiel an das „Mädchen aus der Bücherei”, sein Gehirn verschickte er an die Unis und sein Rückgrat lässt er in der Hochzeitskappelle zurück. Vorgetragen wird dieser metaphorische Organspendemarathon mit Streicherbegleitung und tieftrauriger Stimme.
Toussaint, Grey, First in Life and Death ist ebenfalls ein ruhigerer, aber auch ernsthafterer Track, dessen eher melancholische Stimmung beispielsweise durch eine Mundharmonika gefördert wird.
Eine wunderbare Mischung aus Melancholie und fröhlicher Melodie bietet „Violet!”. Abwechselnd hört man darin ruhige passagen und erfrischende Aufrufe gerichtet an „Violet”. Doch dieses „Get Up” darf man sicherlich auch auf sich selbst beziehen...
Genau so schön ist das folgende Stück, „Knots”, dass besonders durch schöne Streicher Arrangements hervorsticht.
Mit Streichern geht es auch weiter im Stück „John the Determinist”. Die auf eine tragische Art und Weise schöne Musik passt wunderbar zum Blick aus dem Fenster ins graue, regnerische Herbstwetter.
Ebenso traurig ist „A Girl, a Boy, and a Graveyard”. Die Geschichte vom Verlust eines geliebten Menschen ist so einfühlsam vorgetragen, dass man fast selbst denkt, was das Mädchen aus dem Lied sagt: „life's a game we're meant to lose”.
Diese Stimmung hält auch „Repo Man” aufrecht, in dem ein repo man, also jemand der Autos, deren Eigentümer die Raten nicht bezahlt haben, aufbricht und zum Händler zurückbringt, einer Weide sein Leid klagt.
Dass auch „Deathbed Salesman” nicht viel heiterer wird, kann man sich wohl anhand des Titels denken. Und wenn dieser Verkäufer, nachdem er einen charmant umworben hat, singt:
All your friends are there already
Once you're gone
You'll never want to live again
könnnte man fast auf ihn hereinfallen, so authentisch trägt Jeremy Messersmith seine Werbung vor.
Zum Glück endet das Album mit dem optimistischen „Tomorrow”. Denn das Morgen ein neuer Tag beginnt, ist nach all den traurigen Geschichten, doch eine gute Nachricht.
So findet man auf dem Album alles von Mitwipp-Songs bis zu Friedhofsstimmung. Mir persönlich gefallen besonders die Stücke, die von Streichern begleitet werden. Ein weiterer hervorhebenswerter Punkt sind die intelligenten und oftmals humorvollen Texte.
Das Jeremy Messersmith Humor hat, kann man übrigens auch im Video Organ Donor oder im Video „Tattooine” erkennen. Im letzteren spielt er die Star-Wars Reihe mit Papier nach.
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