Künstler in Deutschland: Einkommen seit 1995 um 30% gestiegen

Abgelegt unter:
Kurz-URL: http://mkzä.de/1536
Wachstum des Gesamteinkommens der Künstler in Deutschland

In der Debatte um das Urheberrecht wird im Allgemeinen sehr polarisierend diskutiert. Auf der einen Seite zeichnen die Rechteverwerter das Bild des am Elend darbenden Künstlers, dem das Internet seine Lebensgrundlage entzogen hat. Kritiker hingegen verweisen auf die glamouröse Welt der Popstars, der Platin-Schallplatten und der Millionendeals. Beide Seiten können ihre Position durch Studien belegen: Die eine hat als Ergebnis, dass Downloader von Videos besonders oft ins Kino gehen; die nächste belegt, dass Personen, die Musik herunterladen, weniger Musik kaufen. Auch die Zahlen der einzelnen Verbände fallen sehr unterschiedlich aus. Während der Film-Markt (Video und Kino) seit 2000 um 48 Prozent gewachsen ist, ist der Verkauf von durch mediocontrol erfasster Musik um 37 Prozent eingebrochen. Dies sagt aber alles wenig darüber aus, wie die Situation der Künstler selbst ist.

[Update: Es kam, wie erwartet. Bei Golem und irights.info wird diese Kurzstudie in einem identischen Artikel ziemlich verrissen unter dem Vorwurf, sie habe methodische Schwächen. Ebenso kommt vom VUT herbe Kritik. Auf diese wird am Ende dieses Textes kurz eingegangen.]

[2. Update: Der Composers Club, der Berufsverband der Auftragskomponisten in Deutschland hat sich zu Wort gemeldet. In einer E-Mail an den Vorstand der Piratenpartei spricht er verschiedene Punkte an. Ihm ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Einkommen in der Spart Musik unter der staatlichen definierten Armutsgrenze liegt und dass das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Deutschland beim
Dreifachen dessen liegt, was ein "Musiker" zur Verfügung hat.

Weiter heisst es:

Am Ende stellt sich für uns die Frage, was Herr Hufgard mit seiner Darstellung bezweckt.
Einnahmen aus dem Internet sind ein Thema, das erst ganz am Anfang steht. Erst jetzt beginnen die Nutzer und Anbieter langsam, den Urhebern Vergütungen zu zahlen. Ob sie jemals das kompensieren werden, was den Urhebern durch die kostenlose Verbreitung von Musik entgeht, lässt sich schwer vorhersagen - der Trend zeigt. dass dies eher nicht passieren wird.

Was das Argument der Werbewirksamkeit des Internets betrifft, so müssen wir auch hier wieder auf den Unterschied zwischen Musiker / Künstler und Urheber hinweisen.

Der Urheber hat nichts von kostenlosen Nutzungen im Netz. Er partizipiert auch nicht an den Gagen der Künstler oder deren Werbeverträge. Er schreibt die Musik und ist auf die Tantieme angewiesen.
Um diesen feinen aber in seiner Wirkung dramatischen Unterschied geht es hier. Diskussionen über das Urheberrecht sollten also auf dem richtigen Spielfeld mit den richtigen Mannschaften stattfinden.

Auf Wunsch von gulli.com gibt es eine neue Grafik.
]

Um die Einkommenssituation der Kreativen in Deutschland zu beleuchten, wurde als Indikator für die Entwicklung des Marktes auf Daten der Künstlersozialkasse (KSK) und der GEMA zurückgegriffen. Die Künstlersozialkasse ist eine Einrichtung zur Absicherung nicht angestellter Künstler, die ein Mindesteinkommen aus ihrer kreativen Arbeit erzielen. Seit 2004 liegt diese Grenze bei 3.900 Euro jährlich, dies entspricht 325 Euro pro Monat. Künstler, die mehr als dieses Einkommen erzielen, sind versicherungspflichtig; wer nur nebenberuflich Künstler ist, kann kein Mitglied werden. Ebenso sind Kunsthandwerker wie Goldschmiede, Instrumentenbauer oder Tätowierer von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Genauso wenig kann Mitglied werden, wer mehr als einen Angestellten beschäftigt, es sei denn, die Beschäftigung erfolgt zur Berufsausbildung oder ist nur geringfügig.

Die KSK unterteilt Künstler in verschiedene Gruppen: Wort, bildende Kunst, darstellende Kunst und Musik. Eine weitere Untergruppe sind die Berufsanfänger. Dies sind Künstler, die ihr Gewerbe erstmalig seit weniger als drei Jahren ausüben. Für diese gelten verminderte Beitragssätze.

Von der KSK wird jährlich die aktuelle statistische Entwicklung der Mitgliederzahlen und der Einkommen veröffentlicht. Die Einkommen werden von den Künstlern für das laufende Jahr geschätzt, rückwirkend wird anhand von Stichproben überprüft, dass die Künstler nicht zu niedrige Einnahmen angeben, um ihren Versicherungsbeitrag zu verringern. Über die Webseite der KSK sind nur die Daten des jeweils letzten Jahres abrufbar, auf Nachfragen wurden die Werte seit 1995 an den Autor übermittelt. Für 1997 liegen nur die akkumulierten Jahreswerte vor, für die anderen Jahre sind die Durchschnittseinkommen der Versicherten aufgeschlüsselt nach Berufsgruppen, Geschlecht und Alter.

In der schwächsten Sparte, der bildenden Kunst, stieg das Gesamteinkommen um 151 Prozent. Der Spitzenreiter ist die Sparte Wort mit einem Anstieg um 237 Prozent. Über alle Sparten betrachtet haben sich die Einkommen verdreifacht.

Eine beeindruckende Grafik. Leider lässt sie außer Betracht, dass sich auch die Zahl der Mitglieder stark erhöht hat. Von 73.352 Mitgliedern im Jahr 1995 wuchs sie bis 2011 um den Faktor 2,3 auf 169.662. Betrachtet man das durchschnittliche Einkommen, ist die Entwicklung ebenfalls positiv. Je nach Sparte liegt der Einkommenszuwachs immer noch zwischen 25 und 35 Prozent.

Allerdings wird auch hier wieder ein Punkt vernachlässigt, der sich auf die tatsächliche Situation der Künstler auswirkt: die Inflation. Diese lag seit 1995 zwischen 0,4 und 2,6 Prozent. Ausgehend vom Einkommen des Jahres 1995 ergeben sich folgende Darstellungen:

Nach einem Abflachen der Einkommen bis 2007 stiegen sie wieder stark an. Bis auf den Bereich Wort, der im Vergleich zu 1995 1,3 Prozent weniger verdient, steht den Künstlern im Durchschnitt mehr Geld zur Verfügung. Am besten steht sogar die Sparte da, deren Rechteverwerter in der Öffentlichkeit am meisten klagen: Musik. Um 5,6 Prozent stieg das Einkommen inflationsbereinigt an. Betrachtet man die Zahlen der GEMA, so zeichnet sich ein negativeres Bild ab:

Durch Sondereffekte und aufgelöste Rückstellungen lagen die Einnahmen teilweise deutlich über dem, was benötigt worden wäre, um die Inflation auszugleichen; seit 2008 liegen die Einnahmen aber deutlich unter dem „Soll“. Auffällig ist auch hier, dass gestiegene Einnahmen bei der GEMA nicht zu steigenden Einnahmenerwartungen der Musiker geführt haben. Ebenso ist der Einnahmenrückgang der GEMA nicht bei den Einnahmen der Musiker erkennbar.

Im betrachteten Zeitraum sind die Einnahmen der GEMA relativ gleichmäßig gewachsen. In Jahren besonders hoher Inflation von über zwei Prozent sanken die Einnahmen allerdings sogar im Vergleich zum Vorjahr. 2008 und 2009 lag die Inflation bei 2,3 bzw. 2,6 Prozent, die Einnahmen der GEMA sanken um drei Prozent. Genau der gegenteilige Effekt zeigt sich in den Folgejahren niedriger Inflation, hier ist das Wachstum besonders stark.

Der GEMA macht vor allem der Rückgang beim Tonträgerverkauf schwer zu schaffen. Auf der anderen Seite wächst der Download- und Musik-Abo-Markt seit Jahren enorm an. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Ausfälle durch den Rückgang beim Tonträgerverkauf vollständig kompensiert werden können. Hierbei wird sicherlich hilfreich sein, dass nun nach Jahren endlich auf verschiedene Streaming-Typen zugeschnittene Tarife angeboten werden.

Das Verhalten der GEMA passt zu dem Bild der trägen Rechteverwerter. Die Musikindustrie benötigte sechs Jahre, um auf das Erscheinen von Napster mit ersten eigenen Angeboten zu reagieren. In den folgenden sechs Jahren hat sich dann aber der Absatz an digitalen Inhalten verzehnfacht. Sofern die Inflation wieder sinkt, ist davon auszugehen, dass auch die GEMA ihre Einnahmen deutlich steigern wird, die hierfür nötigen Tarife stehen endlich zur Verfügung.

Zusammenfassung

Das Internet ist ganz eindeutig nicht der Untergang der Kreativen. Es gab zwar Anpassungsschwierigkeiten, diese haben aber vor allem Rechteverwerter getroffen, die sehr träge auf den sich ändernden Markt reagiert haben. Die Auswirkungen auf die Situation der Künstler waren im Gegenteil dazu mehrheitlich positiv.

Studie als PDF herunterladen

Kritik an dieser Kurzstudie

Drei Punkte werden vom VUT und den Autoren von irights.info/golem kritisiert:
1. Der Einkommenszuwachs sei kein Trend und über die Jahre gerechnet liegt das Einkommen unter dem Schnitt
2. Es wird nicht auf die Ursachen für die Entwicklung der Zahlen eingegangen
3. Der große Sprung von 2007 auf 2008 wird nicht erklärt

Alle drei Punkte laufen aber auf das gleiche Ergebnis heraus: Die Daten der KSK spiegeln nur wieder, was die Künstler als erwartetes Einkommen angegeben haben. Dies ist aber auch so klar im einleitenden Teil der Studie kommuniziert worden. Es besteht beim Autor auch kein Zweifel darüber, dass ein Einkommen von 11.781 Euro bis 16.983 Euro im Jahr alles andere als ausreichend ist, um bequem davon zu leben.

Aus dem Kommentar des VUT:

Der Kommentar zur behaupteten Steigerung der geschätzten durchschnittlichen Jahres(!)einkommen von ca. EUR 8.800 auf EUR 9.200 über einen Zeitraum von 16 (!) Jahren – ist angesichts der weltweit entstandenen, zahllosen neuen Radio- und TV Sender, Milliarden zusätzlicher Mobil- und Internetnutzungen von Musik zynisch und menschenverachtend

Hier wird absichtlich nicht erwähnt, dass es sich bei der Steigerung um eine inflationsbereinigte Steigerung handelt. Die Brutto-Steigerung liegt bei den im Titel erwähnten 30 Prozent.

Weiter behauptet der VUT

An keiner Stelle werden die tatsächlichen Einkünfte der Künstler ermittelt. Auswirkungen „des Internets“ werden in der Studie nicht analysiert.

Dies wurde allerdings auch niemals in der Studie behauptet. Ihr Ziel war prüfen, ob sich nachhaltige Einkommenseinbussen seit 1995 zeigen lassen.

Als sehr wahrscheinlichen Grund für den Anstieg der Einkommen ab 2007 wird von VUT und irights.info eine Änderung beim Betrieb der KSK gesehen: Seit Mitte 2007 ist auch die Deutsche Rentenversicherung für die Prüfung der rechtzeitigen und vollständigen Entrichtung der Künstlersozialabgabe zuständig. Beide gehen also Der VUT geht davon aus, dass in den Jahren davor die Künstler regelmäßig die KSK und somit den Sozialstaat und die Allgemeinheit betrogen haben.

[Update
Aus dem mittlerweile veröffentlichten Kommentar des VUT:

Diese Schätzungen sind Grundlage der zu entrichtenden Krankenkassenbeiträge. Ein Schelm wer denkt, diese Schätzungen könnten dadurch beeinflusst werden, dass von ihrer Höhe der zu zahlende Sozialversicherungsbeitrag abhängen wird.

]

Der Vollständigkeit halber wurde das Wachstum von 13,72 Prozent in 2008 das durchschnittliche Wachstum ohne 2008 in Höhe von 0,93 Prozent ersetzt. Das sich daraus ergebende Bild ist deutlich negativer: Inflationsbereinigt hätten Künstler 2011 ein um fast neun Prozent geringeres Einkommen als 1995 gehabt. Ihr reales Einkommen wäre im Gegenzug im Schnitt um fast 1.400 Euro höher gewesen.

Dennoch zeigt sich auch hier, dass die Einkommen seit 2006 stärker steigen als für den Inflationausgleich nötig wäre. Bis zum Stand von 1995 ist der Weg noch weit. Dies gilt aber nur unter der von VUT und irights.info in Spiel gebrachten Hypothese, Künstler hätten die KSK über Jahre hinweg betrogen.

Die größte Sorge des VUTs ist

Basierend auf Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit, muss leider trotzdem davon ausgegangen werden, dass sie nicht nur online tausendfach geteilt und „geliked“ wird, sondern dass auch schlecht recherchierende klassische Medien, vor allem die vollkommen unhaltbare Behauptung „Einkommen seit 1995 um 30% gestiegen“ wiedergeben werden.

Erstens ist eine Steigerung des gemeldeten Einkommens um 30 Prozent vorhanden.
Zweitens steht diese Ergänzung am Ende des eigentlichen Artikels und wer ihn bis zum Ende liest, wird sie auch finden.

Mehr Kritik

Auf Wunsch von gulli.com hier noch eine Grafik mit den inflationsbereinigten Einnahmen der GEMA und dem inflationsbereinigten Gesamteinkommen der KSK-Mitglieder:

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Kommentare (25)

der kunde ist könig.
und wenn der kunde die musik runterladen will dann ist das sein gutes recht,es liegt nur an uns künstlern ihn diesen preis zu sagen und dann wird der könig entscheiden ob er diesen preis bezahlen will.
es ist doch gar keine cd mehr nötig und keine gema,warum halten die sich nicht aus den internet raus,wenn die nur versuchen wollen ein kommunistisches system mit zwangsabgaben und drakonischen strafen unsere marktwirtschaft kaputt zu machen.
es ist nur der kunde,und die künstler spielen im internet direkt für ihn.keine gema mehr nötig.
der könig hat entschieden.
achja,viele könige wurden zuerst piraten genannt,das ist geschichtlich belegt.
und die einkommen der künstler sind natürlich nicht gestiegen,sondern nur das derer in der ks,aber das die reichen reicher werden und die armen ärmer wissen wir

Hm, ich lese da aber auch: "Bis auf den Bereich Wort, der im Vergleich zu 1995 1,3 Prozent weniger verdient, steht den Künstlern (2011) im Durchschnitt mehr Geld zur Verfügung. Am besten steht sogar die Sparte da, deren Rechteverwerter in der Öffentlichkeit am meisten klagen: Musik. Um 5,6 Prozent stieg das Einkommen inflationsbereinigt an."
Vereinfacht gerechnet betrug also die Brutto-Einkommenssteigerung über 16 Jahre im Schnitt 4,3 %, also nur 0,27 % im Jahr.

Das wäre eine korrekte Schlagzeile gewesen.

Es gibt da eine interessante Harward Studie dazu wie sich Filesharing in den letzten Jahren auf die Einnahmen von Musikern ausgewirkt hat:
http://www.hbs.edu/research/pdf/09-132.pdf

Ahoi,
erst einmal ein Dank für die Mühe, die du/ihr dir/euch gemacht habt diese Statistik zu erstellen.
Meine Meinung zum Urheberrecht habe ich schon öfters zum Besten gegeben. Unabhängig meiner Meinung ringt mir ganz grossen Respekt ab, ist die Tatsache, dass sich jeder Kritik gestellt. Diese sogar zitieret wird. Da könnten viele, besonders Journalisten von lernen. Ein Demokratisches Lehrbeispiel!

Ob Pro oder Contra, bitte denkt daran, das wir uns nicht zerfleischen. Das werden die anderen Parteien noch häufig genug mit uns von der PP versuchen. Denkt bitte daran, es dies kein Thema ist, von der weitere Existenz der Demokratie abhängt. Da gibt es genug andere, die wir noch nicht einmal angeschnitten haben.
So, dass war jetzt schön Oberlehrerhaft ;-) soll es für heute auch gewesen sein.

Gruß
Don

"Wie genau zeigt "ein Patt" / die Studie / die Diskussion,
| "dass das Internet nicht der Untergang der Künstler ist"?
Wäre das Internet der Untergang der Künstler, wären die Einkommen in den letzten Jahren nicht gestiegen."

Vielleicht wären die Einkommen der KSK-Versicherten ohne Internet stärker gestiegen. Wo wird in der „Kurzstudie“ der Einfluss des Internets auf die Einkommensentwicklung untersucht? Welche Hypothesen liegen der „Kurzstudie“ zugrunde? Wie werden diese überpüft?

"| Die Studie und die anschließende Kritik / Diskussion zeigt
| doch nur, dass sich das Einkommen der KSK-Versicherten
| seit 1995 verändert hat.
Korrekt. Mal nach unten, dann wieder nach oben."

Wo wird in der „Kurzstudie“ untersucht, worauf diese Einkommensschwankungen beruhen? Ob es einen Zusammenhang mit dem Internet gibt, und falls ja, um was für einen Zusammenhang es sich handelt: was ist die abhängige, was die unabhängige Variable?

"Welchen Sinn macht es, die Einkommen der bei der KSK
| versicherten Musiker mit den Einnahmen der GEMA zu
| vergleichen? Sind alle bei der KSK versicherte Musiker
| Mitglieder der GEMA? Sind alle GEMA-Mitglieder und
| sonstigen Bezugsberechtigten bei der KSK versichert?
Nein. Die GEMA ist aber einer der lautesten Rufer nach mehr Schutzrechten. Also ist es doch legitim zu betrachten, wie sich die Einnahmensituation bei ihr darstellt."

Legitim ja, aber was haben die GEMA-Einnahmen mit den bei der KSK versicherten Künstlern zu tun?
Genauso gut könnte man die Entwicklung von Umsatz und Gewinn der Phonokonzerne (die sehr viel lauter als die GEMA rufen) seit 1995 betrachten und behaupten: das Internet ist an den Rückgängen schuld.
Wo wird in der Studie der Einfluss des Internets auf die GEMA-Einnahmen untersucht. Vielleicht wären die Einnahmen ohne Internet stärker gestiegen. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Entwicklung der GEMA-Einnahmen und der Entwicklung der Einnahmen der KSK-Versicherten? Beruhen beide Phänomen auf den selben Ursachen? Welche sind dies? Und was hat das alles mit dem Internet zu tun?
Sind die GEMA-Einnahmen gestiegen, weil das Internet einen positiven (oder zumindest keinen negativen) Einfluss hat, oder weil die GEMA (noch immer) eine vergleichsweise starke Position hat und die Interessen der Songschreiber effektiv vertritt?

„Für die GEMA war das Internet eine Herausforderung. Und zwar eine sehr große. Die GEMA ist die größte Bremse bei der Einführung neuer Online-Vertriebsmodelle für Musik.“

Das „Piraten“ die Propoganda des Phono-Oligopols (offenbar ungeprüft) übernehmen, ist ein Phänomen, das untersuchenswert ist. Wann hat die GEMA die Einführung welcher Online-Vertriebsmodelle für Musik verzögert oder verhindert?

"Wie kann diese Veränderung ohne Angaben zur Entwicklung
| der Einkommen anderer Bevölkerungsgruppen auch nur
| eingeordnet werden? Ganz zu schweigen von einer Erklärung.
Genau aus dem Grund wurde die Inflation als Vergleichswert herangezogen"

Beim einem Vergleich zwischen verschiedenen Einkommensgruppen hat die Inflationsrate nur einen minimalen Einfluss. Die Frage ist doch: Was bedeutet der Einkommensanstieg der KSK-Versicherten im Vergleich zu anderen Einkommensbeziehern: Wenn sich die Einkommen von Abgeordneten, Konzernmanagern, Beamten, Rentnern, Arbeitern usw. im Vergleichszeitraum stärker erhöht haben, dann hat sich die Situation der KSK-Versicherten objektiv verschlechtert. Dazu wird in der Studie nichts gesagt.

vielleicht bin ich ja naiv.
aber:
wenn ich als "ideenarbeiter" künstler, ingenieur, architekt... auf die kommerzielle verwertung meines urheberrechts verzichten möchte, steht mir frei das zu tun. korrekt?
zumindest habe ich bisher nicht davon gehört, daß die böse gema (oder andere verwertungsgesellschaften wie gvl, vg wort , das patentamt oder andere) jemand zwingt, mitglied zu werden und patente, markenschutzrechte und titel anzumelden.
entsprechend findet sich im netz auch jede menge legal umsonst erhältliche kunst: musik, filme, comics, literatur etcpp
( warum schreit eigentlich niemand danach, daß das patentamt all seine unterlagen ins netz stellen soll? wahrscheinlich weil baupläne oder chemische formeln nicht so einfach zu konsumieren sind...)
sprich, alle die nach "freiem zugang zu ideen" rufen-könnten doch die entscheidung, ob ein Ideenarbeiter geld verdienen möchte oder nicht, einfach demjenigen überlassen, der die Idee hatte?
dafür ist keinerlei änderung des urheberrechts nötig - die entsprechenden inhalte sind sicher auch nicht schwieriger zu finden als nach heutigem recht illegale inhalte
wenn hier also irgendjemand argumentiert, das urheberrecht würde den Urheber dabei behindern, seine idee zu veröffentlichen, ist das grundfalsch
sollte irgendein Urheber das anders sehen und sich durch das aktuelle recht blockiert fühlen, bitte ich um meldung.
ERGO: Ihr Urheberrechts- und Gema Hasser. Hört auf, so zu tun, als würden euch die Urheber auch nur ansatzweise interessieren, hört auf von Freiheit zu faseln und steht wenigstens ehrlich dazu was ihr wollt und worum es eigentlich geht:

Kostenlosen Konsum.

Ich tue jetzt mal so, als wäre ich angesprochen worden. Gestern habe ich auf einem Konzert zwei CDs gekauft. Und? Bricht dein Weltbild jetzt zusammen?

"Ein Patt ist imho sogar ein gutes Ergebnis, denn es zeigt, dass das Internet nicht der Untergang der Künstler ist."

Wie genau zeigt "ein Patt" / die Studie / die Diskussion, "dass das Internet nicht der Untergang der Künstler ist"?

Die Studie und die anschließende Kritik / Diskussion zeigt doch nur, dass sich das Einkommen der KSK-Versicherten seit 1995 verändert hat.

Wie kann diese Veränderung ohne Angaben zur Entwicklung der Einkommen anderer Bevölkerungsgruppen auch nur eingeordnet werden? Ganz zu schweigen von einer Erklärung.

Welchen Sinn macht es, die Einkommen der bei der KSK versicherten Musiker mit den Einnahmen der GEMA zu vergleichen? Sind alle bei der KSK versicherte Musiker Mitglieder der GEMA? Sind alle GEMA-Mitglieder und sonstigen Bezugsberechtigten bei der KSK versichert?

Wo ist der Zusammenhang zwischen der Einkommensentwicklung der bei der KSK versicherten Künstler / der GEMA und dem Internet? Sind alle bei der KSK versicherten Künstler vom Internet gleichermaßen betroffen? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Internet und den GEMA-Einnahmen?

Was hat es zu bedeuten, dass die Anzahl der bei der KSK versicherten Künstler in den letzten Jahren so stark angestiegen ist? Ist dies ein gutes (Kunstboom!) oder ein schlechtes (künstlerische Tätigkeit = Leben an der Armutsgrenze) Zeichen?

Wenn die Piratenpartei auf Basis solcher "Kurzstudien", die keine "methodischen Schwächen", sondern gar keine Methode hat, Politik macht, dann: Gute Nacht, Deutschland!

| Wie genau zeigt "ein Patt" / die Studie / die Diskussion,
| "dass das Internet nicht der Untergang der Künstler ist"?

Wäre das Internet der Untergang der Künstler, wären die Einkommen in den letzten Jahren nicht gestiegen.

| Die Studie und die anschließende Kritik / Diskussion zeigt
| doch nur, dass sich das Einkommen der KSK-Versicherten
| seit 1995 verändert hat.

Korrekt. Mal nach unten, dann wieder nach oben.

| Wie kann diese Veränderung ohne Angaben zur Entwicklung
| der Einkommen anderer Bevölkerungsgruppen auch nur
| eingeordnet werden? Ganz zu schweigen von einer Erklärung.

Genau aus dem Grund wurde die Inflation als Vergleichswert herangezogen.

| Welchen Sinn macht es, die Einkommen der bei der KSK
| versicherten Musiker mit den Einnahmen der GEMA zu
| vergleichen? Sind alle bei der KSK versicherte Musiker
| Mitglieder der GEMA? Sind alle GEMA-Mitglieder und
| sonstigen Bezugsberechtigten bei der KSK versichert?

Nein. Die GEMA ist aber einer der lautesten Rufer nach mehr Schutzrechten. Also ist es doch legitim zu betrachten, wie sich die Einnahmensituation bei ihr darstellt.

| Wo ist der Zusammenhang zwischen der Einkommensentwicklung
| der bei der KSK versicherten Künstler / der GEMA und dem
| Internet? Sind alle bei der KSK versicherten Künstler vom Internet
| gleichermaßen betroffen? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen
| dem Internet und den GEMA-Einnahmen?

Natürlich sind nicht alle Künstler gleich betroffen. Die einen kämpfen gegen das Internet, die anderen nutzen es für ihren Kampf. Für die GEMA war das Internet eine Herausforderung. Und zwar eine sehr große. Die GEMA ist die größte Bremse bei der Einführung neuer Online-Vertriebsmodelle für Musik.

| Was hat es zu bedeuten, dass die Anzahl der bei der KSK
| versicherten Künstler in den letzten Jahren so stark angestiegen
| ist? Ist dies ein gutes (Kunstboom!) oder ein schlechtes
| (künstlerische Tätigkeit = Leben an der Armutsgrenze) Zeichen?

In den letzten Jahren ist der Anstieg bei den Berufsanfängern stark abgeflacht. Auf jeden Fall ist es ein Zeichen, dass sehr viele Menschen mit kreative Arbeit Geld verdienen. Sehr, sehr wenig, aber sie verdienen Geld.

Hab dazu auch neulich was mit Bezug auf die Techno-Szene geschrieben: Prekarisierung durch Digitalisierung: http://www.berlin-mitte-institut.de/prekarisierung-durch-digitalisierung...

Danke, dass du nicht dem Internet die Schuld an dem veränderten Markt gibst. :)

Das interessante bei solchen Diskussionen ist ja, dass häufig argumentiert wird, dass das UrhG dem Großteil der Urheber ein gutes Einkommen verschaffen würde und man deshalb keine Hand anlegen soll, weil sonst die Lebensgrundlage zerstört wird. Aber andererseits wird dann, wenn man dieses Argument umdreht, also sagt, den Urhebern geht es doch gut, warum soll man da das UrhG verschärfen, auf einmal alle schreien, nein den Urhebern geht es ganz doll schlecht.

Wenn ihr weiterhin in beide Richtungen gleichzeitig argumentiert, dann werden am Ende nur noch mehr Leute sagen, dass das UrhG komplett weg soll, weil eine differenzierte Betrachtung zu einem Ding der Unmöglichkeit wird.

Und danke Christian, für die Arbeit, mal wirklich mit Fakten statt reiner Idelogie zu arbeiten. Selbst wenn man keine Verbesserung durch das Internetzeitalter festellt (bzw. feststellen möchte) ist ja zumindest deutlich erkennbar, dass es keine Verschlechterung gab, wie es ja gern von diversen Leuten ohne jeglichen Beleg behauptet wird. In der Regel beschweren sich halt auch immer mehr Leute, dass sie zu wenig hätten, als sich Leute äußern denen es jetzt besser geht, diese "weinerliche Grundhaltung" ist ja gerade in Deutschland leider sehr verbreitet.

Viele Grüße
René

Wir haben nicht behauptet, der Anstieg sei auf die Ankündigung verstärkter Prüfungen zurückzuführen, oder dass Künstler die KSK betrögen. Wir haben lediglich darauf hingewiesen, dass verstärkte Prüfungen ein Faktor sein kann, der in Betracht gezogen werden muss, aber verschwiegen wurde.

Zur Stellungnahme des VUT hier unser Blogbeitrag:
http://irights.info/blog/arbeit2.0/2012/03/21/spas-mit-zahlen-die-musikp...

Ach weil es so schön ist, habe ich auch Spielkamps Blog "korrigiert". Wird aber noch vom Moderator "überprüft".

@Christian - nothing personal - aber die Studie ist einfach faktisch Murks. Na klar ärgern wir und viele Künstler die ums Überleben kämpfen sich, wenn sie dann mit so einer Überschrift verbreitet wird.

Wir könnten alle belastbare Zahlen über die Situation von Künstlern brauchen. Wir haben leider schlicht nicht das Geld jemanden da ranzusetzen - aber deshalb kann man doch nicht so einen Unfug verbreiten.

Zieh sie doch einfach zurück, dann reden wir gern noch mal wenn wir wirkliche Zahlen haben.

Peace

Vielleicht rücken ja ein paar VUT-Mitglieder belastbare Zahlen raus. Die Unterlagen der letzten 10 Jahren sollten ja mindestens vorliegen.

Ansonsten freue ich mich auf die Diskussion am Freitag, auch wenn ich da nur im Publikum sitzen werde. :)

Hi Matthias,

Ok, eure Formulierung ist in der Tat deutlich weniger unterstellend als vom VUT. Habe den Artikel entsprechend geändert.

Liegt euch auch schon die Stellungnahme vom Composers Club vor? Ich leite sie dir einfach mal weiter.

Anbei der Link zur Stellungsnahme des VUT zur Studie:

http://www.vut-online.de/cms/2012/03/21/stellungnahme-des-vut-zur-%E2%80...

Schade, dass hier jemand, der offensichtlich über keinerlei Hintergrundwissen verfügt, versucht, diese Statistiken einzuordnen.
Es kommt dann natürlich das "Fazit" raus, das er sich wünscht. Dieser Beitrag ist ein Armutszeugnis für die Piraten. Von mir aus kann man ja fordern, dass Inhalte kostenlos und legal im Internet verteilt werden sollten. Aber dann noch denjenigen, die nahezu nichts mehr zum Leben haben auch noch vorzurechnen, dass sie ja eigentlich jetzt ganz dolle reich sind ist schon erbärmlich.

Wo genau behaupte ich in dem Artikel, mit einem Einkommen in der Höhe der Durchschnittseinkommen wäre man "dolle reich"? Abgesehen davon fordern wir Musikpiraten nicht, alles soll legal kostenlos im Internet verteilt werden dürfen. Wir _fördern_ diejenigen, die ihre Werke legal kostenlos im Internet anbieten. Auf diesen Unterschied legen wir viel Wert.

und hier eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen von Herrn Hufgard.

http://irights.info/index.php?q=node%2F2176

Zuerst eine Frage: Gibt es für den Sprung bei den Künstlereinkommen von 2007 zu 2008 eine Erklärung? Er fällt so völlig aus der Reihe. Dass in diesem Jahr plötzlich außerhalb der wirtschaftlichen Entwicklung die Einkommen im zweistelligen Prozentbereich zulegen, scheint mir etwas seltsam. Könnten Änderungen bei der Erfassung/Berechnung der Grund sein?

Dann eine Anmerkung: Die Überschrift zieht natürlich Augäpfel an, aber für meinen Geschmack ist sie etwas boulevardesque, denn wachsende Nominaleinkommen haben wenig Aussagekraft. Real ist nicht viel passiert und die tatsächliche "Höhe" des Einkommens von Künstlern ist immer noch ziemlich armselig. Die Kassenbeiträge müssen da schließlich auch noch runter, oder?

Hi Hape,

für VUT und irights.info ist der Anstieg auf die Ankündigung verstärkter Prüfungen zurückzuführen. Wenn man dieser Argumentation folgt und den Anstieg auf der "normale" Maß runterrechnet, sieht es ziemlich düster aus...

Die Überschrift ist in der Tat reisserisch. Aber die ersten Zahlen waren der Aufhänger für meine weitere Beschäftigung mit dem Thema und werden ja sehr schnell relativiert.

Klingt im Ergebnis wie eine argumentative Pattsituation. Entweder alles war rechtens seitens der Künstler, dann sind die Zahlen gut. Oder es wurde ein bisschen geflunkert, dann sind die Zahlen schlecht (wenn auch nicht katastrophal).
Sehr gut! Ich bin für Schwamm-drüber-vertragen-wir-uns-wieder!

Falls gemeckert werden soll: ja, ich habe die Gegenseite auch gelesen, ja ein bisschen wackelig ist es in den Details, aber darüber kann man sich auch nicht in das Märthyrertum retten. Selbst wenn die Künstler durch Individualkompositionen jetzt ihre Brötchen verdienen: es hat niemand behauptet, das Internet würde nichts ändern. Wäre auch schade.

Fakt ist: wir brauchen Künstler und wir brauchen das Internet. [edit: jetzt bitte nicht im Mund umdrehen! "brauchen" ist hier schwierig, ich weiß.] Auf beide müssen wir Rücksicht nehmen und beide müssen miteinander auskommen.

Und Fakt ist auch (mit einem leichten Schmunzeln): es braucht auch die Polarisierung durch marktschreierische Buh- und Judas-Rufe damit überhaupt jemand die Situation der Parteien wahrnimmt.
Was ich nur nicht ganz verstehe: wieso nimmt _das_ dann jemand für bare Münze?!?

Ein Patt ist imho sogar ein gutes Ergebnis, denn es zeigt, dass das Internet nicht der Untergang der Künstler ist. Es hat sicherlich das Geschäftsmodell des Verkaufs physischer Datenträger in Richtung Nichts gestampft. Aber nehmen wir mal Videos:
VHS->DVD->Bluray

Wie sieht da die Kette bei Musik aus?
Kassette -> CD -> ?

Nicht das Internet an sich ist der "Untergang der Künstler", das hat niemand behauptet, sondern es sind die zunehmenden Urheberrechtsverletzungen, sei es durch privaten Konsum oder durch gewerbliche Verletzer.

Die Situation von Künstlern dadurch verbessern zu wollen, dass Urheberrechtsverletzungen legalisiert werden sollen, ist wie "fucking for virginity".

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