Deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2014 - Finale von USFD

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Am 13. März 2014 wird es soweit sein, 8 Acts mit jeweils 2 Musikstücken werden um das Ticket nach Kopenhagen konkurrieren. Obwohl ich das Konzept bereits als unausgewogen kritisiert habe, und obwohl manche den bekannteren Stars einen Vorteil einräumen, ist für mich das Rennen dennoch offen, denn die Acts sind gleich gut.

Neu ist, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker selber mitbestimmen. Je nachdem, welchem ihrer zwei Songs sie den Vorzug geben, sollten sie diesen möglichst in der ersten Runde vortragen. Sollte dieses Lied jedoch beim Publikum durchfallen, scheiden sie in der ersten Runde aus und können ihr zweites Lied nicht mehr vorstellen. Auch das Gegenteil ist möglich, in der Endausscheidung kann ein Musiker auch mit zwei Liedern um den Sieg kämpfen.

Ich habe es mir einfacher gemacht, indem ich Musiker und Lieblingslieder in eine Rangordnung bringe, gebe aber zu, dass ich mich dabei von meinem subjektiven Geschmack habe leiten lassen. Eine objektive Bewertung wird ohnehin dadurch erschwert, dass beim Contest mit Ausnahme der Gesangsstimme alles play-back eingespielt wird.

Lt. ESC-Regelwerk sind die Juroren seit 2013 übrigens dazu angehalten, ALLE ca. 40 Musikstücke in eine Rangordnung zu bringen. Ich bin schon gespannt, wie sie rechtfertigen wollen, warum ihr Platz 32 nicht 29 - oder umgekehrt - geworden ist. Kurz: Mittels eines Selbsttestes kann man bei 8 Teilnehmern schon festellen, dass diese Regelung unseriös ist.

And here are my votes
3 Punkte The Baseballs mit dem Song „Mo Hotta Mo Betta“: Musiker und Song sind gut, aber indem sie ihre Rock'n'Roll-Vorbilder nicht nur musikalisch, sondern auch optisch nachahmen, wirken sie wie aus Zeit und Raum gefallen. Sie erinnern mich in ihrer Wirkung an die Country-Band Texas Lightning (ESC 2006). Beide Bands erzeugen einen komischen Effekt, als würden sie ihre Teilnahme am Wettbewerb nicht wirklich ernst nehmen.

4 Punkte Das Gezeichnete Ich mit dem Song „Echo“: Obwohl ausgezeichnet, ist dieser Musiker so zurückhaltend und bescheiden, dass ich ihn fast vergessen hätte. Vielleicht macht er sich nichts aus Wettbewerben...? In diesem Zusammenhang hätte ich generell gerne gewusst, ob die Musiker von sich aus auf die Idee einer ESC-Teilnahme gekommen sind, oder ob ihnen ihr Label diesen Vorschlag gemacht hat.

5 Punkte Oceana mit „All Night“: Die mondänste Teilnehmerin. Sie lebt in Los Angeles und hat dort auch ihre ESC-Beiträge eingespielt. International bekannt wurde sie durch den offiziellen Titelsong „Endless Summer“ während der Fußball-Europameisterschaft 2012. Stilistisch steht sie für einen Mix aus Soul, Pop, Hip-Hop und House. Ich wage zu behaupten, dass sie von den 8 Acts die beste Sängerin ist. Nur sind für mich ihre Songs austauschbar und mit ihrem anglo-amerikanischen Erfolgsprofil könnte sie auch für jedes andere Land starten.

6 Punkte Madeline Juno, die 2 Songs "Error" und "Like Lovers Do" finde gleich gut. Für sich gesehen eine gute Sängerin, nur hat sie mit einem erschöpft wirkenden, stoßhaften Ein- und Ausatmen den gleichen Gesangsstil wie die Vorjahressiegerin Emmelie de Forest. Mit einem Auftritt beim ESC 1 Jahr nach Emmelie würde sie Gefahr laufen, als eine Kopie wahrgenommen zu werden. Nicht schon wieder... Bei ihr, die durch selbstgeschriebene Lieder und den Soundtrack zum Film „Fack ju Göhte“ populär geworden ist, halte ich die zusätzliche Vermarktung über den ESC für einen „Error“.

7 Punkte Unheilig mit dem Song „Als wär's das erste Mal“, den zweiten Song "Wir sind alle wie eins" habe ich nicht gefunden. Die meisten männlichen Interpreten beim ESC sind jung, durchtrainiert, halbnackt, eingeölt, zucken und springen auf der Bühne herum und singen relativ hoch. Ein älterer Gentleman mit tiefer, männlicher Stimme und solider Musik ist schon mal ein angenehmer Kontrast. Der Graf knüpft mit seinem ESC-Song an seine letzten Erfolge an und erfüllt damit genau die Erwartungen seiner Fans. Für viele ist er schon jetzt der ausgemachte Sieger der Vorentscheidung. Meinetwegen.

8 Punkte ELAIZA mit dem Song „Fight Against Myself“: Das Ukrainisch-Deutsch-Ostfriesische Frauentrio Elaiza ist als Sieger des Internetcastings ins Finale gekommen. Beim Clubkonzert haben sie mit ihrem Song „Is It Right“ einen perfekten Auftritt hingelegt, was ich beachtlich finde, denn sie spielen erst seit 2013 zusammen. Der Mix aus osteuropäischem Folk und Pop spricht mich sehr an. Die Kontrabassistin kommt zudem aus meiner Heimat Ostfriesland, da stellt sich natürlich auch ein wenig Lokalpatriotismus ein. Das Manko an dem Song, der mir am besten gefällt, sind die verfremdeten Background-Stimmen und Instrumente wie Harfe oder Tuba. Sie könnten dem Live-Auftritt eine unfreiwillige Komik geben, weil sie zum einen das Stück dominieren, man sie aber andererseits voraussichtlich nicht sehen wird. (Berühmtes ESC-Beispiel sind singende Pianisten, die während des Klavierspiels aufstehen und eine Tanzeinlage geben, während das Klavier weiterspielt.)

10 Punkte Santiano mit dem Song „Fiddler On The Deck“: Bezüglich Alter und Musik gibt es kaum was Repräsentativeres für Deutschland als diese Band. Ihre Songs kommen unverstellt rüber und sorgen für gute Stimmung. Zudem passen Trink- und Seemannslieder gut zu Kopenhagen. Einziges Manko ist für die Santiano-Fans lt. Facebook der englische Text und für mich die Frage, ob man uns diesen „Irish Folk Song“ abkaufen wird. Andrerseits haben sie mit einer tollen PR-Kampagne alle Zweifel weggefegt. Ihr Motto: "Wir entern den ESC". Auf ihrer Kampagnenseite lernt man durch hochgeladene Clips jede Menge Santiano-Fans kennen. Wenn ESC-Fans eher Fans eines TV-Formates sind, sind hier ehrliche Musikfans am Wirken, die voll hinter ihren Stars stehen. Das finde ich mitreißend.

12 Punkte MarieMarie mit dem Song „Cotton Candy Hurricane“: Bei „Pumuckel mit Harfe“ geht mir das Herz auf. Eine singende Frau an der Harfe mit einem Musikstil, den sie selber als FolktronicPop bezeichnet, hat es in der Geschichte des ESC noch nicht gegeben. Die Harfe bleibt im Gedächtnis und würde mit diesem Debüt in die ESC-Geschichte eingehen. Hinzu kommt, dass MarieMarie und ihre Band ihre Sache verdammt gut machen.

Es gibt nur einen kleinen Haken: Dieser Song ist regelwidrig, weil er vor der Deadline 01.09.2013 veröffentlicht wurde. Darauf weisen mehrere Internetseiten hin. Legt man das Kriterium der kommerziellen Veröffentlichung an (was auch immer das bedeutet), ist er immer noch 1 Monat zu früh veröffentlicht.

Damit rücken Santiano auf Platz 1

http://www.youtube.com/watch?v=kBL2MfqQ2Rw

Break The Rules
Ich finde es nicht schlimm, wenn ein Song etwas älter ist, oder wenn dem NDR ein kleiner Fehler unterlaufen sein sollte. Letztes Jahr gab es in der deutschen Vorentscheidung viele zu alte Lieder, so dass das Regelwerk angepasst werden musste. Schlimm finde ich jedoch, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird.

Es ist nicht zuletzt Thomas Schreiber vom NDR, der als Mitglied der EBU-Reference-Group seit Jahren mit einer ständigen VERSCHÄRFUNG der Regeln Vorurteile befestigt. Anlass ist stets ein behaupteter Betrug, der auffälligerweise immer nur von osteuropäischen Ländern begangen wird. Der Betrug lässt sich nicht nachweisen und weder Untersuchungsergebnisse noch Atimmungsergebnisse werden veröffentlicht. Dieses Jahr wurden die Regeln schon wieder verschärft, nun kann die EBU sogar zur BESTRAFUNG eine eurovisionelle Sippenhaft über ganze Länder verhängen.

Ich finde es unredlich, wenn eigene Regelbrüche und Korruptionen (gekaufter Startplatz im Finale) als Kavaliersdelikte behandelt werden und bei anderen das Haar in der Suppe gesucht wird.

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Ein Kommentar

[...] mitzuverfolgen, dass hier bewusst Musiker verbrannt werden. Man ließ beispielsweise MarieMarie mit nachweislich regelwidrigem Song an den Start gehen – seien wir ehrlich - weil man wusste, dass sie sowieso nicht gewinnen würde. [...]

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