Europa-Parlamentarier entdecken den Eurovision Song Contest – How Low Will They Go?

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Am 08.10.2014 hatte Eurovisionssieger Conchita Wurst seinen Auftritt im Europa-Parlament. Zynisch betrachtet begrüße ich diesen Auftritt, denn er stellt eine Aufwertung meines Hobbys ESC dar, für das ich bislang nur belächelt werde. Vor allem von Politikern. Jetzt muss ich über die Politiker lachen. Denn die Grundlage ihrer Selbstbeweihräucherung und ihrer einseitigen Parteinahme sind ungeprüfte Abstimmungsergebnisse einer Unterhaltungsshow. Wenn man uns schon mit Märchenstunden behelligt, stelle ich folgende Forderung:


Die durch das deutsche Unternehmen Digame Mobile GmbH gesammelten Daten der Telefonabfrage beim Eurovision Song Contest MÜSSEN rückwirkend bis 2004 veröffentlicht werden. Das europäische Publikum hat ein Recht auf Transparenz, immerhin zahlt es für seine Telefonanrufe und für die Show. Zudem ist durch die Politisierung die „internationale“ Telefon- und Juryabfrage nur noch bedingt eine musikalische Geschmacksabfrage, sie wird nun auch Messung politischen Verhaltens. Durch die laute und einseitige Parteinahme rückt sie sogar in den Verdacht von politischer Manipulation und Zensur.

Grüne Verwirrspiele
Die Grünen bekämpfen beispielsweise TTIP, wenn sie aber auf Twitter und im Europa-Parlament mit dem Conchita-Auftritt werben, werben sie zugleich für dieses amerikanische Geschäfts-Prinzip. Denn egal welches Land, egal welcher Künstler und welches Label: Die Einnahmen aus den Eurovisionsliedern gehen alle auf ein einziges Konto in die USA zu Universal Music. Der europäische Anteil besteht darin, mit Steuern und Rundfunkgebühren den Amerikanern die größte Promo-Show der Welt zu finanzieren – und in der Folge werbewirksame Auftritte vor dem Europa-Parlament. Die Bezeichnung „Eurovision Song Contest“ ist Etikettenschwindel, denn mit Wettbewerb und Europa hat dies immer weniger zu tun. Es wäre Aufgabe der europäischen Politiker, der EBU Einhalt zu gebieten und sich für europäische Märkte und Musikschaffende einzusetzen.

How Low Will They Go?
In Bezug auf die verdeckten Nutznießer wirkt das „offene“ politische Interesse der Europa-Parlamentarier irritierend. Unangenehm berührt ist bislang nur Beatrix von Storch von der AfD, wofür sie von der Presse pflichtgetreu diskreditiert wird. Warum? Ich stimme den Zweifeln dieser Politikerin zu, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Die einseitige Parteinahme für einen Homosexuellen in Frauenkleidern zeugt von einer eng gefassten Vorstellung von Toleranz, dem Rest der Welt werden damit eigene moralische Standards abgesprochen. Sollen Menschen und Länder mit anderen Traditionen, Sitten, Gebräuchen, Geschmäckern, sexuellen Vorlieben oder Religionen provoziert werden?

2. Die Zurschaustellung eines inhaltslosen Schlagersängers ist eine Trivialisierung der Arbeit des Europa-Parlamentes, die weder Konservativen und erst recht nicht den Liberalen gefallen dürfte. Kunstfigur Wurst hat nichts Besonderes geleistet, nicht mal bei seinem Auftritt am 08.10.2014 im Europa-Parlament. Warum soll Kitsch als die Krönung unserer westlichen Zivilisation gefeiert werden? Waren Homosexuelle mit Wowereit und Westerwelle nicht schon erfolgreich in der politischen Normalität angekommen? Einige Homosexuelle befürchten sogar, dass mit Conchita Wurst alte Vorurteile gegenüber Homosexuelle als Lachnummern wieder salonfähig gemacht werden.

3. Den Sieg beim Eurovision Song Contest als eine besondere Leistung darzustellen ist der Gipfel der Naivität. Es setzt die Annahme voraus, dass Rankings und Abstimmungsergebnisse im Showbusiness Wahrheit und Gerechtigkeit wiederspiegeln. Ist die Frage, ob sich im Informationskrieg vermeintlich „intolerante Gegner“ davon beeindruckt fühlen. Meiner Beobachtung nach nehmen sie zumindest beim ESC beruhigt zur Kenntnis, wie sich unsere Gesellschaft mit politischen (und musikalischen) Dilettanten moralisch und intellektuell verrennt.

Kollegen aus Aserbaidschan und Russland waren schneller
Sie haben 2013 festgestellt, dass bei der kultigen Punktevergabe nicht vorgelesen wird, wie tatsächlich gewählt wurde. Außenminister(!) beider Länder haben daraufhin die Veröffentlichung der Daten gefordert, dies wurde hilflos ins Lächerliche gezogen und von der EBU unbegründet zurückgewiesen.

Russia outrage at Eurovision snub - 2014

Seitdem ist bewiesen, dass Rankings manipuliert und die Beliebtheit der Sieger vorgetäuscht werden. Solange dies im Rahmen der Unterhaltung geschieht, mag man es als unwichtig abtun. Wenn sich aber Politiker weiterhin darauf beziehen wollen, sollten die Zahlen stimmig und überprüfbar sein.

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