16 Fragen zur Kulturflatrate

Kurz-URL: http://mkzä.de/193

Die deutschen Schriftsteller, Übersetzer und Verleger haben der SPD und Bündnis 90 / Die Grünen einen Fragenkatalog zur Kulturflatrate vorgelegt.

Christian Hufgard, 1. Vorsitzende des Vereins Musikpiraten, hat hier die gestellten Fragen stellvertretend beantwortet - auch wenn er bei keiner der oben genannten Parteien Mitglied ist.

"Wir Urheber möchten gerne wissen, was eine Kulturflatrate für uns bedeuten würde", so Imre Török, Vorsitzender des Schriftstellerverbands in der Gewerkschaft Verdi. "Die Wahlprogramme und auch das von den Grünen in Auftrag gegebene Rechtsgutachten lassen konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung vermissen", ergänzt Hinrich Schmidt-Henkel, Vorsitzender des Übersetzerverbandes. "Wir suchen daher den Dialog und fordern SPD und Grüne auf, unsere Fragen zu beantworten", sagt Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins. Die 16 Fragen sollen verdeutlichen, welche Sachverhalte nach Ansicht der Kreativen geprüft werden müssen. Ziel: eine nachhaltige Lösung für den Umgang mit dem Urheberrecht im Internet.

Fragenkatalog zur Kulturflatrate

Wenn mit den Einnahmen aus der Kulturflatrate eine angemessene Vergütung der Urheber sichergestellt werden soll, wie hoch muss dann die monatliche Pauschalabgabe sein? Sind die von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ins Spiel gebrachten 50 Euro überhöht / ausreichend / nicht ausreichend?

Die Kulturflaterate ist kein Vergütungsmodell sondern ein Entschädigungsmodell. Analog wie die Pauschalabgaben auf Leermedien, Drucker, Kopierer, CD-Brenner und sonstige soll sie Urheber für nicht-verhinderbare Privatkopien entschädigen. Als solche muss sie sich angemessen zu den Reproduktionskosten verhalten. Als offenes Glied in der Entschädigungskette ist hier der Internetzugang zu nennen.
Auf eine Internetflaterate von 30€/Monat 50€ zu erheben wäre vollkommen unangemessen. Ein Betrag von 3€ wäre schon eher im Bereich des akzeptablen und würde den Urhebern bei zur Zeit über 20 Millionen Breitbandzugängen 60 Millionen Euro pro Monat zufliessen.

Sollen bedürftige Internetnutzer ein Nutzungsrecht zum Nulltarif haben? Wenn ja: Geht dies zu Lasten der Urheber oder soll der Staat die Zahlung der Kulturflatrate für sie übernehmen?

Die Kosten der Pauschale werden auf jeden Zugang erhoben. Die entstehenden Kosten für Bedürftige werden also nach wie vor von der Sozialgemeinschaft getragen.

Sollen auch diejenigen Internetnutzer zur Zahlung der Kulturflatrate herangezogen werden, die ausschließlich kostenpflichtige legale Angebote für (Hör-)Bücher, Musik und Filme nutzen?

Ja, dies kennzeichnet das Wesen der Pauschale. So wie auch heute die Pauschale auf jeden CD-Rohling erhoben wird, unabhängig von den darauf gespeicherten Daten, muss eine Pauschale auf Internetzugänge auf jeden Zugang erhoben werden.

Soll es eine einzige, branchenübergreifende Kulturflatrate geben oder sind stattdessen Sparten-Flatrates geplant, bei denen Nutzer über gewollte Arten der Nutzung und deren Bezahlung entscheiden können? Falls ja, wie soll die Art der Nutzung zugänglich gemacht oder kontrolliert werden?

Auch heute wird nicht vom Gesetzgeber zwischen den Arten der Daten unterschieden, die kopiert werden. Die Verteilung der erhobenen Gelder ist nicht Aufgabe des Staates. Die Art der Nutzung wird, wie auch heute, durch repräsentative Umfragen sowie Datenerhebungen an geeigneter Stelle ermittelt.

Sollen Kulturflatrate und Rundfunkgebühren nebeneinander bestehen oder soll es eine einheitliche Abgabe geben, die beides einschließt? Wenn es nur eine Abgabe geben soll: Ist geplant, die GEZ auch mit dem Einzug der Zahlungen für die Kulturflatrate zu beauftragen? Wenn die Abgaben nebeneinander bestehen: Welche Stelle soll dann die Gelder für eine Kulturflatrate einziehen?

Die Rundfunkgebühren sind auch heute vollkommen unabhängig von den Pauschalabgaben. Die "Kulturflatrate" hier anders zu behandeln als die z.B. Leermedienabgabe wäre nicht zweckmässig.

Sollen sich kostenpflichtige Angebote parallel zu einer Kulturflatrate am Markt etablieren bzw. weiter entwickeln können? Wenn ja: Wie lassen sich Kannibalisierungseffekte durch zulässige Nutzungen illegaler Angebote verhindern? Wenn nein: Sollen auf andere Weise Anreize für die Schaffung attraktiver, nutzerorientierter Plattformen geschaffen werden?

Die Anreize zur Schaffung attraktiver, nutzerorientierter Plattformen sind bereits heute gegeben und sind primär monetärer Natur. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, hat weder die Erfindung des Radios die Live-Musik vernichtet, das Fernsehen nicht das Theater und weder Audio-Kassette noch CD-RW den Hörfunk.
Es gibt auch heute im Zeitalter der Privatkopien im Internet sehr viele äusserst erfolgreiche kommerzielle Angebote, exemplarisch sei hier iTunes genannt.

Dürfen urheberrechtlich geschützte Werke nach Einführung einer Kulturflatrate im Internet von jedermann öffentlich zugänglich gemacht werden? Wenn ja: Wie lässt sich das mit dem Veröffentlichungsrecht des Urhebers und dem Eigentumsschutz seiner Werke vereinbaren? Wenn nein: Wie sollen Anbieter sanktioniert werden, die ohne Genehmigung des Urhebers dessen Werke im Internet verwenden, z.B. Uploader in Tauschbörsen?

Der Rechteinhaber behält das Recht an jeglicher kommerzieller Veröffentlichung. Das private, nicht-kommerzielle Zugänglichmachen von Inhalten ist wie die bisherige Privatkopie zu werten.
Die nicht genehmigte kommerzielle Verwertung ist weiterhin als Straftat zu verfolgen.

Sollen bei der Verteilung der Einnahmen nur Werke berücksichtigt werden, deren kostenfreie Nutzung im Internet von ihren Urhebern ermöglicht worden ist, oder alle Werke, die überhaupt – auch ungenehmigt bzw. illegal – online kostenlos verfügbar sind? Wenn nur vom Urheber kostenlos angebotene Werke zur Teilhabe an der Kulturflatrate berechtigen: Werden auf diese Weise die attraktivsten Inhalte tatsächlich kostenlos im Internet zugänglich und entsteht aus Sicht der Nutzer ein realer Gegenwert für die gezahlte Kulturflatrate? Wenn alle Werke berücksichtigt werden: Wie sollen Urheber Verwertungspartner finden, die online-Nutzungen ihrer Werke stimulieren?

Hier ist eine Regelung analog zu bisherigen Pauschalabgaben anzustreben. Wenn ein Urheber die kostenlose Weitergabe seiner Werke erlaubt, sollte er hierfür keinerlei Erträge aus den Pauschalabgaben erhalten, dies würde seiner Intention widersprechen.
Auch im Zeitalter des Internets gibt es genug Möglichkeiten, auch kostenlos verfügbare Inhalte komemrziell zu vertreiben. iTunes wurde hier bereits genannt. Auch die Möglichkeit, praktisch jeden Kinofilm bereits vor offiziellen Start zu sehen hat sich keinesfalls negativ auf die Zahl der Kinobesuche oder die Zahl der Filmproduktionen in Europa ausgewirkt.

Wer soll von den Einnahmen aus der Kulturflatrate profitieren? Nur Urheber oder auch ausübende Künstler, Leistungsschutzberechtigte und Verwerter (Verlage, Produzenten, Agenturen etc.)?

Es gibt auch hier keine Notwendigkeit, vond en existierenden Regelungen abzuweichen. Sollten Urheber der Meinung sein, stärker als sonstige Leistungsschutzberechtige und Rechteverweiter vergütet zu werden, so müssen sie dies innerhalb der Gesellschaften durchsetzen, die die Verteilung regeln - natürlich gegebenenfalls auch mit staatlicher Unterstützung.

Nach welchen Kriterien soll das eingenommene Geld auf die verschiedenen Mediengenres (Text, Film, Musik, Foto, Games, Software etc.) unter Kreativen und Verwertern und innerhalb dieser unter den verschiedenen Werkberechtigten verteilt werden? Wer erarbeitet diese Kriterien? Sollen vertraglich vereinbarte Abweichungen zugelassen werden?

Dies sollen genau die Gesellschaften regeln, die auch die aktuelle Verteilung der Pauschalabgaben kontrollieren.

Wie soll verhindert werden, dass es zu Verteilungsungerechtigkeiten kommt, z.B. solche Urheber und Verwerter benachteiligt werden, die mit hohem Zeit- und Kostenaufwand qualitativ besonders hochwertige Werke schaffen? Sollen diese – so, wie sie in der physischen Welt einen höheren Verkaufspreis verlangen können – mehr Geld aus den Einnahmen erhalten als Urheber von Werken, die mit geringerem Aufwand / mit geringerem Anspruch erstellt werden? Wenn ja: Wer definiert, was qualitativ hochwertig und was „Mainstream“ ist? Wenn nein: Welche alternativen Anreize soll es für die Schaffung hochwertiger Werke geben und wer soll deren Finanzierung sicherstellen?

Eine durchaus knifflige Frage. Zur Zeit werden z.B. im Verteilungsschlüssel der GEMA von Künstlern gravierende Fehlentwicklungen festgestellt. Es ist aber nicht Aufgabe des Staates, die privat geschlossenen Verträge zu regulieren. Eine Unterscheidung nach der Wertigkeit der Inhalte darf nicht vom Staat aus getroffen werden.
Sofern einzelne Kulturbereiche für besondern Förderungswert erachtet werden, bilden sich üblicherweise Stiftungen heraus, die hier Gelder zuschiessen. Erhobene Pauschalabgaben sollten aber in Relation zur Nutzung der Inhalte ausgeschüttet werden. Dies wird natürlich dazu führen, dass "Mainstream" stärker vergütet wird, als Nischeninhalte.

Sollen Korrekturen erfolgen, wenn eine Verteilung der Kulturflatrate anhand der Anzahl der Downloads dazu führen würde, dass ein Großteil der eingenommenen Gelder in gesellschaftlich weniger erwünschte Medienbereiche (z.B. Pornoprodukte) fließt? Wenn ja: Wer würde über Ob und Wie einer Umverteilung entscheiden?

Sollten die Erhebebung der Nutzung zeigen, dass Pornoprodukte von der Gesellschaft stärker konsumiert werden als z.B. Aufnahmen von Opern, wären diese natürlich entsprechend höher zu vergüten. Diese im Detail zu regeln obliegt aber nicht dem Staat sondern den Verteilungsgesellschaften. Pauschal zu postulieren, dass manche Medienbereiche weniger erwünscht seien, ist stark tendenziös und versucht zu suggerieren, dass es etwas wie eine wünschenswerte Leitkultur gäbe. Dies ist wenig zielführend, da Kultur vor allem das ist, was von der Bevölkerung gelebt wird und nicht das, was Gremien als Kultur definieren.

Wie soll bei der Messung der Werknutzungen zur Schaffung einer Verteilungsgrundlage Missbrauch, z.B. durch den Einsatz von Software, die Downloads generiert, verhindert werden?

Da keine allumfassende Protokollierung jeglichen Datenaustauschs angestrebt wird, ist dies nicht nötig.

Wer soll für die Verteilung der Gelder zuständig sein? Soll hierfür eine neue, alle Urheber, ausübenden Künstler, Leistungsschutzberechtigte und Verwerter (u. a. Musiker, Komponisten, Interpreten, Autoren, Fotografen, Schauspieler, Produzenten, Verleger, Medienunternehmen, Designer, Journalisten, Softwareentwickler, Illustratoren, Übersetzer) unter sich vereinende Verwertungsgesellschaft geschaffen werden?

Nein. Es gibt bereits für die einzelnen Gruppen Verwertungsgesellschaften, die auch untereinander Abkommen getroffen haben. Eine neue Meta-Verwertungsgesellschaft würde nur den Verwaltungsaufwand unnötig erhöhen. Dieser ist bereits z.B. bei der GEMA mit 12-13% deutlich höher als bei vergleichbaren Institutionen im europäischen Ausland.

Wer soll bei Streit um die Verteilung der Gelder entscheiden und anhand welcher Kriterien?

Die Verwertungsgesellschaften anhand der von ihnen geschaffenen Kritierien. Natürlich steht weiterhin allen Vertragspartner auch der Gerichtsweg offen.

Ist die Einführung einer Kulturflatrate mit den Vorgaben des internationalen Urheberrechts vereinbar?

Der Begriff "Kulturflatrate" ist massiv irreführend und suggeriert mehr, als darin enthalten sein soll. Die Erhebung von Pauschalabgaben zur Entschädigung privater Kopien ist in vielen Ländern der Welt akzeptiert und fördert auch das schaffen kommerzieller kultureller Inhalte. Es gibt keinerlei Gründe, warum eine Pauschalabgabe auf Internetzugänge nicht erlaubt sein sollte, eine auf Leermedien dagegen schon.

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Kommentare (26)

hallo.. schreibe eine diplomarbeit zum thema kulturflatrate...
habt ihr euch genauere gedanken gemacht, wie die technische umsetzung dieser flatrate aussehen könnte..
zB. wie sollen die verwertungsgesellschaften feststellen, wem wieviel aus dem topf zusteht... beobachtung der downloads? und wie soll man hier missbrauch vermeiden...
letzters kommt zwar bei den 16 Fragen vor.. aber die antwort scheint mir doch ein bischen unbefriedigend...

Hiho,

Die Verwertungsgesellschaften verteilen auch heute schon nicht gerecht. Zwar werden manche Bereiche der Werknutzung akkribisch genau erfasst, in Diskotheken, Kneipen und sonst überall wird aber nur mit Referenzläden gearbeiten. Analog dazu könnte man von einer Referenztauschbörse Daten erheben, von einem Referenz-Streaming-Portal und so weiter.

Es wäre technisch möglich, anonyme Tauschbörsennutzung zu erlauben und dennoch eine gewisse Sicherheit gegen Fälschungen von Zahlen zu erreichen, aber wozu? Die Pauschalabgaben auf Internetzugänge sind ein Notnagel, um Downloads zu legalisieren. Sie ist nicht als Einkommensquelle für Rechteverwalter gedacht.

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter. Ansonsten können wir gerne per Mail weitermachen, das ist einfacher. :)

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[...] im Gespräch. Christian Hufgard, Vorsitzender der Piratenpartei in Hessen, postuliert, dass der Begriff „Kulturflatrate“ irreführend sei, [...]

3€ ??? Interessant ist hier nur, dass in diesem Zusammenhang immer wieder Zahlen auftauchen die fern jeder Grundlage sind! Wie will man 3€ begründen wenn schon der Download von drei Musiktiteln in etwa diesem Preis entspricht? Ich bitte mal um drei Gramm gesunden Menschenverstand was das angeht.
Nur zur Info... WIr haben allein in Deutschland über 2500 Independentlabel mit einem bis 300 Mitarbeitern. Da sehen dann nach der ersten Gehaltsabrechnung plötzlich die 60 Millionen arg mager aus. Ach und die Künstler hat man dann auch noch nicht bezahlt.

Und was steht hier noch?

Ein Konzept kann ich hier nicht erkennen. Man kann nicht als Pressesprecher der Piratenpartei (welche ja nicht müde wird die Verteilungsschlüssel der GEMA zu kritisieren) hergehen und behaupten, dass man mal eben eine nicht nennenswerte Pauschalabgabe einführt und es dann der ach so kritikwürdigen GEMA überlässt den Tropfen auf den heißen Stein der Musikschaffenden zu versprühen. Von Film und closed source software möchte ich garnicht anfangen.

Ich rechne mich ja an sich zu dem netzaffinen Lager innerhalb der Musikbranche aber bei so viel offensichtlich zur Schau gestelltem Unwillen Kultur zu erhalten oder gar zu fördern wird mir übel.
Da würde wahrscheinlich auch ein Lawrence Lessig mit der Augen rollen.

Nur um Missverständnisse zu vermeiden... Ich bin Künstler also weder Labelmacher noch GEMA-Mitglied...

Diese drei Euro sind relativ leicht begründbar. Ich habe mal einen vollkommen überhöhten Preis von 30€ für eine DSL-Flaterate angenommen und dann angesetzt, dass maximal 10% eines Monates (das wären immerhin drei volle Tage) dafür genutzt werden, um urheberrechtlich geschütztes Material zu kopieren.

Dass es Online-Shops gibt, die eine Euro für eine digitale Kopie eines Stücks haben wollen, steht auf einem ganz anderen Blatt. (Hast du dir mal angeschaut, wieviel davon beim Künstler ankommt?)

Ich habe den Text hier _nicht_ in meiner Position als Pressesprecher der Piratenpartei Hessen geschrieben, sondern als 1. Vorsitzender der Musikpiraten. Für die Partei hätte ich ihn auch gar nicht schreiben können, da es von ihr keine klare Position zur Pauschalabgabe auf Internetzugänge gibt.

Du machst dann noch eine klassischen Fehler. Du rechnest mit der Pauschalabgabe so, als sollte mit ihr irgendjemand für irgendwas bezahlt werden. Dem ist aber nicht so. Oder werden deine 2500 Labels von den aktuell erhobenen Pauschalabgaben bezahlt? Oder müssen sie jeden Tag aus neue dafür sorgen, dass Kunden ihre Dienstleistung bezahlen wollen? Künstler haben kein Recht darauf, von der Gesellschaft bezahlt zu werden, nur weil sie der Meinung sind, sie würden etwas wichtiges machen. Sie müssen wie jeder andere auch dafür sorgen, dass sie Kunden finden, die für ihre Ware Geld zahlen wollen.

Übrigens hat man sich jetzt auf eine Abgabe auf Speichermedien geeinigt (ausser Festplatten, afaik). Die Höhe liegt bei 10 Cent pro Medium. Also selbst für einen 32 GB USB-Stick zahle ich 10 Cent. Da passen ungefähr 1.000 Musikstücke drauf. Und jedes würde einen Euro kosten...

Nochmal zur Erinnerung: Pauschalabgaben dienen dazu, Kreative für nicht kontrollierbare Kopien zu entschädigen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie sind keine Bezahlung. Um die müssen sich die Kreativen schon selber bemühen.

0. 10% des Monats in Zeit gerechnet... Das sollte der geneigte Geek in etwa so sinnvoll finden wie das Tarifmodell der TelCos mobiles Internet nach Minuten ab zu rechnen... Wenn man diese Sache nach Traffic bewertet und im Hinterkopf behält, das allein Torrents einen erheblichen Anteil am gesamten Traffic im Netz erzeugen und darüber hinaus nur ein sehr geringer Teil des Torrent-traffics (ich habe da mal was von 3%-5% gelesen) legalen Inhalten geschuldet ist sieht die Welt schon eher nach 50%-70% der Netznutzung durch illegales kopieren aus.

1. Je nachdem ob ich Musik in eigener Sache oder zusammen mit meinem Label veröffentliche wandern ganz real von den Erlösen meiner aktuellen Digitalverkäufe zwischen 63% und 33% in meine Tasche.

2. Welchen Sinn macht eine Pauschalabgabe wenn niemand für nichts bezahlt werden soll?

3. Man kann nicht nach dem Gesetz des Marktes schreien wenn man es de facto mit einem Marktversagen zu tun hat. Nur um da mal Fleisch daran zu kriegen:
Im Falle von Musik bzw. Information im allgemeinen haben wir es mit einem immateriallen Gut zu tun. Das es heißt es besteht keine Rivalität im Konsum, da Informationen kopierbar sind. Also kann ein Wert nur durch Exklusivität (Ausschließbarkeit) entstehen, das regelt dankenswerterweise das Urheberrecht für uns. Da es zur Zeit aber leider viel zu viele Leute ethisch richtig finden sich Dinge widerrechtlich und kostenlos an zu eignen fällt der preisbildende Mechanismus weg und es kann eigentlich kein Markt entstehen. WO sollen wir uns dann unseren Markt suchen... Rein volkswirtschaftlich betrachtet ist deine Forderung unhaltbar.

Und ich fürchte was IHR wollt ist, dass alles geschenkt wird und IHR gebt einen Dreck auf diejenigen die für euch im Studios hocken und Unterhaltung produzieren. Was ich schade finde.

Dass dein Artikel von dir nicht als Parteipirat sondern nur als Pirat verfasst wurde habe ich jetzt in dieser Differenziertheit nicht gesehen. Aber trotzdem habe ich eine Frage an der Parteipiraten Hufgard:

Warum zu Hölle macht sich eine Partei für jeden der auch nur gelegentlich mit Information (oder Content..) handelt vollkommen unwählbar, anstatt mal mit uns netzaffinen Contentproduzenten einen Dialog bzw. einen HACK für das Problem zu suchen, dass auch Musiker von ihrer Arbeit die Miete bezahlen können müssen.
Solange die sogn. Internetausdrucker noch am Drücker sind sehe ich die Gefahr, dass die tatsächliche Lösung auf Kosten der Freiheit durchgeboxt wird. Dass es eine Lösung geben muss und geben wird steht außer Frage! Also lasst uns doch mal gemeinsam ein Konzept entwickeln... Auch wenn es vielleicht 15 oder 50 Euro im Monat kostet ;-)

Ich merke mal wieder, dass die Kommentarfunktion nicht wirklich für Diskussionen gedacht ist. :)

zu 0. P2P-Traffic verliert in letzter Zeit immer mehr an Boden. Zugunsten von Streaming-Angeboten. Denn immer mehr Nutzer gehen dazu über, Musik und Filme nicht mehr runterzuladen, sondern online zu sehen.

zu 1. Wieviel landet beim Verkauf einer CD bei dir? Das dürfte doch deutlich weniger sein. Wieso werden dann bei Verkäufen im Internet die gleichen Preise angesetzt, wie beim Verkauf auf physischen Datenträgern? Wobei hier auch endlich ein Trend in Richtung angemessener Preise erkennbar ist. Mit dem Ergebnis, dass immer mehr Musik online gekauft wird.

zu 2. Die Pauschalabgaben, die ja auch heute schon erhoben werden, sind lediglich Entschädigungen. Sie sind keine Bezahlung. Wären sie dies, könnten sie nicht Pauschal erhoben werden. :)

zu 3. Wenn wir also einen Markt haben, der nicht funktioniert, wieso soll der Staat eingreifen, um ihm vorm Versagen zu retten? Wenn Konserven-Musik keinen Preis mehr, dann müssen sich Musiker etwas neues überlegen. Hier jetzt potentiellen Kunden vorzuwerfen, dass sie Diebe seien, hilft keiner Seite. Du kannst Kunden nicht zum Kauf zwingen. Ich denke auch nicht, dass jetzt die Volkswirtschaft zusammenbrechen würde, wenn es keine professionellen Musiker mehr gäbe. Denn das Geld, dass sie eingenommen hätten, würde dann für andere Güter ausgegeben.

| Und ich fürchte was IHR wollt ist, dass alles geschenkt
| wird und IHR gebt einen Dreck auf diejenigen die für euch
| im Studios hocken und Unterhaltung produzieren. Was ich
| schade finde.

Ich sehe das ganz pragmatisch. Wenn es keine Studioaufnahmen mehr geben würde, dann könnte sie auch niemand mehr illegal runterladen. Musiker würden jetzt entweder mehr live auftreten, oder auch nicht. "Oder auch nicht" wäre schade. Zumindest für die Freunde kommerzieller Musik. Alle anderen finden im Netz mehr Musik, als sie in einem dutzend Leben hören können.

Kommen wir zu deiner Frage an mich als Parteipirat:
Wir haben durchaus Parteimitglieder, die profesionelle Künstler sind. Dabei sind keine Superstars. Aber es sind Künstler, die vom Verkauf ihrer Werke leben, oder sich zumindest gut etwas dazuverdienen.
Wir als Partei sehen es nicht als unsere Aufgabe an, neue Geschäftsmodelle zu erfinden. Wir möchten keine Planwirtschaft einführen in der bestimmt wird, wieviel Geld die Arbeit eines Künstlers wert ist.
Wir wollen aber auch nicht, dass Existenzen ruiniert werden, weil jemand Daten aus dem Internet runterlädt, ohne dafür Geld bezahlt zu haben. Wir sehen nicht, dass hierbei irgendein Schaden entsteht, ganz im Gegenteil. Die Verbreitung digitaler Kunst fördert den Bekanntheitsgrad der Künstler, die sich jetzt etwas einfallen lassen müssen, daraus wieder Geld zu machen.
Dass dies klappt, wird immer wieder bewiesen, Beispiele dazu findest du z.B. auf dieser Webseite hier. :)

[...] 16 Fragen zur Kulturflatrate | musik.klarmachen-zum-aendern.de Tags: antworten, brgerrechte, bundestagswahl, cologne-commons, downloads, landtagswahl, music, ueberwachung [...]

[...] 16 Fragen zur Kulturflatrate | musik.klarmachen-zum-aendern.de Tags: antworten, drm, informationen, landtagswahl, music, ueberwachung, urheberrecht, werke [...]

[...] [...]

@ Fr, 07/24/2009 - 16:39 — musikpirat
> Software wird normalerweise nicht urheberrechtlich geschützt

Natürlich ist Software durch das Urheberrecht geschützt, als Textwerk. Du hast aber recht, daß dort (aus mir unverständlichen Gründen) Privatkopien ausgeschlossen sind. Zeit das zu ändern ;-)

Ja, das Urheberrecht schützen Lizenzen wie GPL und co, aber das bezieht sich eigentlich nur auf den Quelltext. Ich weiss nicht, ob auch das Kompilat voll geschützt ist. Denn dieses wird ja normalerweise unter Zuhilfenahme eines Compilers erzeugt und von diesem optimiert.

Definitiv ein interessanter Aspekt, über den ich mir mal noch ein paar Gedanken machen werde. :)

Können wir uns bis dahin darauf einigen, dass Software urheberrchtlich geschützt ist, aber nicht von Verwertungsgesellschaften vergütet werden?

[...] 16 Fragen zur Kulturflatrate | musik.klarmachen-zum-aendern.de Klarmachen zum Aendern! Das Informationsportal der Musikpiraten. (tags: Urheberrecht Kulturflatrate Erklärung pauschalvergütung 07/2009 2009 posting) [...]

Gute und berechtigte Fragen leider schlecht, viel zu unzureichend und mit arrogantem Unterton beantwortet. Ich freu mich schon auf seriöse Antworten basierend auf einem realistischem Modell. Schön, dass es mit der Kulturflatrate vorran geht. :)

Hi Mathik,

wie kommst du darauf, dass ich einen arroganten Unterton verwenden würde? Ich habe zumindest versucht, die Fragen so sachlich wie möglich zu beantworten. :)
Was genau stellst du dir unter einem "realistischen Modell" vor?

[...] Diskussion bei musik.klarmachen-zum-aendern.de (Hier gibts auch in den Kommentaren weiterführende Links) [...]

[...] RD: @maha: 16 Fragen zur #kulturflatrate-: lesenswert! http://musik.klarmachen-zum-aendern.de/content/16_fragen_zur_kulturflatrate [...]

Der Spruch mit der "unerwünschten Kultur" ist traurig, diese Kulturform ist wohl noch nicht genug kommerzialisiert, um sie für gut zu befinden.

Gehen nicht bisherige Abgaben ausschließlich an die GEMA und die VG Wort, womit sämtliche Bild-Medien (Foto, Film, Computerspiele, Anwendungssoftware) gar nichts davon bekommen?

Software wird normalerweise nicht urheberrechtlich geschützt und es gibt dort auch keine über die Sicherungskopie herausgehende Privatkopie. Ich wüsste nicht, dass hier Pauschalvergütungen fliessen.

Foto und Film werden vergütet, dafür gibt es die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst.

Interessant... ich möchte hier nochmal auf meinen Modellvorschlag zur Kulturflatrate hinweisen:

http://tinyurl.com/mbbaq6

Auf den ersten Blick hört sich eine Kulturflatrate oder wie man es auch immer bezeichen mag sehr reizvoll an. Wenn man genauer hinsieht, gibt es gerade bei der Verteilung des Geldes große Schwierigkeiten.

Ich kann jedem, der sich für eine Kulturflatrat einsetzen möchte nur diese beiden Artikel von Marcel Weiss empfehlen:

Kulturflatrate eine schlechte Idee, die sich hartnäckig hält
Kulturflatrate Pro und Contra

Natürlich gibt es bei der Verteilung des Geldes Probleme. Aber keine, die es nicht auch jetzt schon gäbe. Aber ich würde gerne ein paar Euro mehr zahlen, wenn dafür die Abmahnwellen gestoppt würden und der Internet-Kontrollwahn ein Ende fände.

> Aber ich würde gerne ein paar Euro mehr zahlen, wenn
> dafür die Abmahnwellen gestoppt würden und der
> Internet-Kontrollwahn ein Ende fände.

Sehe ich ähnlich, aber leider ist das nicht (!) sichergestellt, auch wenn es das Ziel der Kulturflatrate ist.
Mehre Ansätze, die z.T. auf Gerichtsurteilen beruhen, um Uploader trotzdem zu verfolgen:
- Screener / im Kino abgefilmte Sachen bleiben wohl illegal, ebenso Alben, die (noch) nicht im Handel sind
- es gab mal bei Kopien für Freunde / Familie die Zahl sieben, die nie festgelegt war, aber so als Anhaltspunkt diente, wieviele Kopien (analog/digital) als legal anzunehmen sind - wenn es mehr werden, wurde es schwer mit dem Geringfügig-Argument zu kommen. Unterschiedliche Gerichte kamen dabei auch zu folgendem Ergebnis:
damit etwas als kommerzieller Missbrauch anzusehen ist, muss nicht notwendigerweise dafür Geld gezahlt werden, alleine über die Anzahl kann etwas als kommerzielle Vervielfältigung angesehen werden. Urteile sind z.T. auch von Gericht zu Gericht sehr unterschiedlich, aber das ist so der Tenor. Dabei ging es immer um physikalische Kopien (Cassette, CD-Rom).

Es wird ja im Moment nur der Upload verfolgt. Wenn ich einen Torrent anbiete, oder beim Laden automatisch gleichzeitig mit anbiete, ist die Anzahl der p2p-Partner nur durch die Technik (Einstellung der Software und Upstream der Leitung) begrenzt.
Und damit ist, wenn das nicht ausdrücklich festgelegt wird, dass es, da kostenlos, p2p straffrei zu stellen ist, nach wie vor verfolgbar und damit sehe ich so in der Kulturflatrate keine Lösung.

Wobei ich halt auch noch zwei andere Gefahren sehe:
- das Geld muss an die Künstler gehen, nicht an RIAA/MPAA
die sind eigentlich seit ein paar Jahren überflüssig,
ich will auf keinen Fall mit einer Kulturflatrate ein
überflüssiges Geschäftsmodell finanzieren und erhalten
- GEMA / GEZ oder eine andere, neu zu schaffende
Institution um das Geld zu verteilen, wird eine
unwahrscheinlich aufwändige Bürokratie, die auch mit-
finanziert werden muss.

Solange diese Probleme nicht eindeutig festgelegt und gelöst werden, bin ich erst mal gegen eine Kulturflatrate, so gut sie sich erst mal anhört.

[...] 16 Fragen zur #kulturflatrate-: lesenswert! http://musik.klarmachen-zum-aendern.de/content/16_fragen_zur_kulturflatrate [...]

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