Jamendo: Kampfansage an die GEMA

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Jamendo LogoJamendo hat jetzt das neueste Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt, sie bezeichnen es selber als "Alternative zur GEMA".

Kern des Programms ist, dass neben den (auch kostenlosen) Downloadmöglichkeiten für private Nutzer auch eine automatisierte kommerzielle Lizenzierung möglich ist.

Unter pro.jamendo.com können ab sofort Restaurants, Hotels und der Einzelhandel, aber auch andere Gewerbe wie Fitnessstudios, Arztpraxen und sogar Kreuzfahrtschiffe auf Musik von Jamendo zurückgreifen.

Technisch wird dies durch einen mehrere Kanäle umfassenden Musikstream umgesetzt, der wie ein werbefreier Radiosender funktioniert und diverse Genres abdeckt (Lounge, Klassik, Pop, Instrumental, etc...). Jamendo wagt sich somit in einen Bereich vor, der bis jetzt fast gänzlich von der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA kontrolliert wird und setzt damit ein Geschäftsmodell um, das ihn ähnlicher Form auch von Magnatune angeboten wird.

Darauf angesprochen antwortete Moritz Brumsack vom Jamendo damit, dass Jamendo neben einem deutlich größeren Katalog an Musik auch über den Vorteil, einer aktive Community verfüge. Die Zahlen sind da auch recht eindeutig: Über 180.000 Musikstücke sind bei Jamendo verfügbar, während Magnatune "nur" 8.624 Stücke anbietet. Was aber auch darin begründet liegt, dass Magnatune sich als Label versteht und Jamendo den Community-Ansatz verfolgt. Hinzu kommt, dass Magnatune lediglich die Lizenzierung einzelner Alben möglich ist, während Jamendo einen kompletten Stream anbietet.

Jamendo ProDadurch, dass die Künstler auf Jamendo keiner Verwertungsgesellschaft angehören, müssen auch bei diesem Lizenz-Modell keine Gebühren an die GEMA entrichtet werden. Die Preise für die gewerbliche Nutzung sind dementsprechend niedrig. Auch den Vergleich mit Magnatune muss Jamendo nicht scheuen: Die Lizenzierung eines einzelnes Albums für die Benutzung in einem Restaurant für ein Jahr schlägt dort mit ~50€ zu Buche, bei Jamendo kostet die Lizenz bei einem Raum kleiner 100m² 114€ pro Jahr. Ist der Raum über 500m² aber kleiner als 2.000m² groß, werden 342€ fällig. Das ist natürlich fast das siebenfache, dafür erhält der Käufer aber auch ein abwechslungsreiches Programm - statt nur einer CD.

Auch bei diesem neuen Angebot werden die Musiker anteilsmäßig entlohnt - und erhalten hoffentlich mehr Bekanntheit. Weiterhin besteht natürlich auch die Möglichkeit, für die musikalische Untermalung von Werbespots, TV- und Filmbeiträgen, Websites oder Videos Musik zu lizenzieren.

Um die Kunden gegenüber Forderungen der GEMA abzusichern, stellt Jamendo ihnen ein Zertifikat aus, welches bestätigt, dass keine Gebühren an Verwertungsgesellschaften wie die GEMA entrichtet werden müssen. Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass das Zertifikat bereits in einigen Ländern anerkannt wurde. Sollte sich ein Künstler entschliessen, doch Mitglied der GEMA zu werden, wird seine Musik sofort aus dem Katalog von Jamendo entfernt.

Jamendo hofft, mit dem neuen Programm die Verbreitung von CC-Musik weiter zu fördern - natürlich auch um die eigene geschäftliche Position zu verbessern. In der Vergangenheit wurden bereits z.B. erfolgreich Abschlüsse mit Skoda Spanien getätigt ("Réalité" von Silence wird als Hintergrundmusik auf ihrer Website benutzt), Ducati hat eine Lizenz für Dream ED's Stück "Electric Sensations" erworben und für ein firmeninternes Video verwendet und Arte verwendet fünf Songs von Cesare Marilungo für eine Dokumentation.

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Kommentare (4)

Das hört sich ja alles ganz interessant an. Ich frage mich nur, woher hat Jamendo jetzt die Rechte an den Liedern, um kommerzielle Lizenzen vergeben zu können? Wurden die Musiker etwa alle einzeln gefragt?

Die CC-Lizenzen enthalten ja schon die Erlaubnis zu "öffentlicher Wiedergabe". Man bräuchte also keine zusätzliche Lizenz dafür, solange es keine Lizenz mit "nc"-Klausel ist. Für Lieder ohne die Klausel könnte Jamendo natürlich ein Zertifikat verkaufen, das wäre dann am Ende nur ein Stück Papier, da die Lizensierung über die CC-Lizenz erfolgt.

Bei Liedern mit der Klausel hätte auch Jamendo nicht das Recht, damit Geld zu verdienen und es könnte auch keine weitergehenden Lizenzen vergeben, es sei denn, es existiert ein separates Abkommen mit den Musikern. Außerdem interessant wäre, ob eine solche kommerzielle Lizenz jetzt plötzlich von der CC-Lizenz befreit, ob also die Pflicht zur Namensnennung und Hinweis auf die Lizenz wegfallen.

Hast du da mehr Informationen in der Richtung? Wie gesagt, für mich hört sich das sehr gut an, aber eben schon fast zu gut, um wahr zu sein.

Hi Hoshpak,

die Jamendo-FAQ sagen dazu:

| Du hast eine Creative Commons Lizenz ausgewählt: über Jamendo kannst du in diesem
| Rahmen für deine musikalischen Werke entlohnt werden. Dabei gibt es verschiedene
| Möglichkeiten, Geld zu verdienen: über Spenden, Werbeeinnahmen oder die kommerzielle
| Nutzung deiner Musik.
| Die Teilnahme an den verschiedenen kommerziellen Programmen ist ganz einfach! Du
| kannst deine Musik ganz bequem über deinen Administrationsbereich zu den
| kommerziellen Programmen deiner Wahl hinzufügen. Jamendo teilt die Einnahmen
| gerecht: mindestens 50% gehen direkt an dich.

Sprich, die Künstler räumen Jamendo das Recht ein, die Musik kommerziell zu nutzen. Genau das ist ja eines der Kernelement der CC, dass die Künstler die Kontrolle über ihr Werk behalten. Sprich es kann auch durchaus sein, dass ein Musikstück auf Jamendo unter cc-by-nc veröffentlich ist, auf einer anderen Webseite dagegen unter cc-by.

Ok, dann ist das also in Ordnung. Ich hatte den Artikel so verstanden, dass Jamendo auf einmal seinen gesamten Katalog kommerziell lizensiert, ohne über die CC-Lizenz hinausgehende Rechte zu haben. Wenn man das als Musiker explizit freischalten muss, ist das ja absolut in Ordnung. Die Anzahl der insgesamt kommerziell lizensierbaren Lieder dürfte damit aber deutlich niedriger sein.

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