Künstlerin verklagte GEMA - und verlor

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Sie verklagte die GEMA – und verlor. Ob die Musikerin Barbara Clear in Berufung gehen kann, ist noch unklar, denn trotz ihrer erfolgreichen Selbstvermarktungsstrategien fehlen ihr zum jetzigen Zeitpunkt dazu die Mittel.

Die unglaubliche Vorgeschichte: In den Jahren 2004 bis 2007 erbrachten Barbara Clears Konzerte der GEMA Einnahmen von über 65 000 Euro. Unter Annahme der von der GEMA selbst angegebenen Bearbeitungsgebühr von 17 Prozent erwartete sie eine Ausschüttung von mindestens 27 000 Euro. Erhalten hat sie 5000 Euro.

Wie sich zeigte, sind die Ausschüttungsrichtlinien und Verteilungsschlüssel der GEMA denkbar undurchsichtig - und nur ordentliche Mitglieder können sie ändern. Da nur diejenigen Urheber "ordentliche Mitglieder" werden können, die über Jahre hinweg bestimmte Umsätze erzielt und ein bürokratisches Zulassungsverfahren durchlaufen haben, bleibt die Einflußnahme für die Mehrheit der von der GEMA "vertretenen" Urheber verschlossen. Es gibt insgesamt ca. 3000 GEMA-Mitglieder, auf die das zutrifft. Diese erhalten höhere Ausschüttungen. Der Rest, allesamt "außerordentliche" und "angeschlossene Mitglieder", kommt also zu weitaus ungünstigeren Konditionen für das auf, was die "oberen 3000" abschöpfen. Eine große Zahl aktiv künstlerisch tätiger Mitglieder erhält sogar überhaupt kein Geld, sondern zahlt nur drauf.

Barbara Clears Klage wurde mit der Begründung abgewiesen, "ein etwaiger Zahlungsanspruch" ergäbe "sich nicht aus den zwischen den Parteien geschlossenen Berechtigungsvertrag". Im Klartext: Es ist einzig Sache der GEMA, ob, wie, wann und in welcher Höhe sie Ausschüttungen an ihre Mitglieder zuteilt . Doch jeder Veranstalter, jeder Radiosender und auch Barbara Clear selbst, als Veranstalterin ihrer eigenen Konzerte und Produzentin ihrer eigenen Musik, muß die von der GEMA geforderten entsprechenden Pauschalen bezahlen.

Wer Barbara Clear in ihrer durch den verlorenen Prozeß verschärften Situation unterstützen und ihr vielleicht sogar ein Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht ermöglichen möchte, kann ihr einfach und unbürokratisch per Geldschein im Briefumschlag eine kleine Spende zukommen lassen:

Barbara Clear
Hofer Strasse 3b
94113 Tiefenbach

Die noch bis zum 17. Juli laufende Petition, die beim deutschen Bundestag eine Untersuchung der GEMA hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit. mit dem Grundgesetz, Vereinsgesetz und Urheberrecht anstoßen soll, hat mittlerweile mehr als 76 000 Mitzeichner; es werden stündlich mehr.

Eine längst überfällige gesellschaftliche und politische Debatte zu einer fairen und transparenten Gestaltung und Umsetzung der Urheber- und Verwertungsrechte, die sowohl die Interessen der Kunstschaffenden als auch jene der Konsumenten von Kunst berücksichtigt, scheint endlich angestoßen worden zu sein.

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Kommentare (2)

Was für ne Begründung!
Kapier ich das Urteil richtig: Die GEMA hat mit den "Mitgliedern" (irgendwas jenseits der 90% der Künstler sind ja nicht vollwertige Mitglieder) halt einen _Knebelvertrag_ gemacht, wo se nach Gutdünken Geld ausschütten und nach Vertragsrecht ist alles soweit korrekt?

Über irgendwelche Klingelton-Abzock-Abos wird groß in jeder Tageszeitung berichtet, wenn tausende von Künstlern (die ja immer als "die armen Künstler, die mit den illegalen Downloads alle zugrunde gehen, weil sie kein Geld bekommen" gezeigt werden) über den Tisch gezogen werden, ist das nichtmal ne Nachricht wert? Sehr genial...

Weg mit der GEMA: Diese geldgierige Organisation schadet der Kultur Deutschlands.

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