Norwegen: Minister schlägt vor, privates Filesharing zu legalisieren

Die erste Woche des Prozesses gegen "The Pirate Bay" endete in einer fulminanten Party mit über 200 Besuchern, ein Musikstück zum Prozess wurde veröffentlicht (Düsseldorf versus Bochum) und selbst die Stockholmer Polizei stellt sich auf die Seite der Piraten. Aber es kommt noch besser: Der Prozess hat so viel Aufmerksamkeit erregt, das im Nachbarland Norwegen darüber nachgedacht wird, den privaten Tausch urheberrechtlich geschützten Materials über P2P-Netzwerke zu legalisieren.

"Mittwoch Nachts hatten wir Probleme mit der Polizei, da es Beschwerden wegen des Generators vorm Bus gegeben hat, er sei zu laut. Die Situation war in zwei Sekunden aufgeklärt und die Polizisten haben uns erklärt, dass sie uns unterstützen. Selbst die Leute, die das Gesetz vertreten, lieben "The Pirate Bay", sagt das nicht alles über die Absurdität des Prozesses?", äussert sich Johan Allgoth vom Piratbyrån gegenüber TorrentFreak.com.

In Norwegen dagegen droht die IFPI den ISPs damit, sie vor Gericht zu zerren, falls sie den Zugriff auf "The Pirate Bay" nicht blockieren würden. Dies hat Norwegens Bildungsminister Bård Vegar Solhjell dazu gebracht, sich in seinem Blog zur aktuellen Situation zu äussern. Der Minister der linken Partei (SV) schreibt, dass File-Sharing genial und ein großartiger Weg sei, um Musik zu entdecken und zu nutzen. "Du ich ich können die gesamte Musik der ganzen Welt nutzen, wann immer wir wollen. Fantastisch!"

Was hier auch schon in einem Artikel thematisiert wurde, hat nun auch der Minister erkannt: "So wie das Fernsehen das Radio nicht getötet hat, das Web das Buch nicht getötet hat, so wird auch der Download Musik nicht töten." Die Anspielung an "Hometaping kills music", ein Kampfslogan aus der Anfangszeit der Audiokassette, ist unverkennbar. Statt File-Sharing und das Internet zu bekämpfen, sollte die Industrie anfangen, es konstruktiv im Interesse von Künstlern, aber auch vor allem der Konsumenten, zu nutzen.

Ein Beispiel das er bringt, wie eine konstruktive Zusammenarbeit aussehen könnte, ist das Projekt Spotify. Hier wird in Zusammenarbeit mit Universal, EMI, Warner Music und Sony BMG versucht, P2P-Techniken zum beiderseitigen Nutzen einzusetzen: Konsumenten kommen schnell und preisgünstig an ein enormes Repertoire an Musik, die Rechteinhaber verdienen an den Downloads und können Merchandise-Artikel, Konzertkarten und was ihnen sonst noch einfällt verkaufen. Zusätzlich bekommen sie detaillierte Statistiken zur Verfügung gestellt. Zur Zeit ist der Dienst leider nur in Schweden, Norwegen, Finnland, Großbritannien, Frankreich und Spanien nutzbar.

Instead of fighting file-sharing and the Internet, the industry should be looking for a system that works for consumers and artists. Spotify is one example according to the minister, who has put ‘legal file-sharing’ on the agenda of his party.

Dies ist so auch ins Parteiprogramm der SV eingeflossen. "Die SV untersucht die Möglichkeiten, nicht kommerzielles File-Sharing von Musik durch Privatpersonen zu legalisieren, in Kombination mit einem Lizenzmodell. Langfristig soll geprüft werden, ob dieses Modell auch auf andere Medientypen angewendet werden kann." Solhjell geht davon aus, dass sowohl Künstler als auch Konsumenten davon profitieren werden. Das klingt sehr stark danach, als würde man sich in Norwegen nun ernsthaft Gedanken über das Modell der Kulturflatrate Gedanken machen.

Auch wenn hier noch primär über eine Musikflatrate nachgedacht wird, wäre dies ein erster Schritt in die Richtung, jeglichen digitalen Datentausch pauschal zu vergüten. Eine Situation, von der sowohl Künstler als auch Nutzer profitieren würden. Die einen würden nicht mehr komplett leer ausgehen, wenn ihre Werke im Netz kopiert werden, die anderen würde nicht mehr mit dem Damoklesschwert der Strafverfolgung über ihren Köpfen leben müssen. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis hier ein ausgewogener Kompromiss entwickelt worden ist, aber es sieht so aus, als würde nun endlich ein erster Schritt getan werden.

Quellen: TorrentFreak, Blog von Bård Vegar Solhjell

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