Musikpiraten unterliegen der GEMA - Berufung geplant

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GEMA vs. Musikpiraten

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) verklagte vor einigen Monaten den gemeinnützigen Musikpiraten e.V. wegen der Produktion einer CD mit unter Creative Commons-Lizenzen veröffentlichter Musik. Bei einem der Titel, Dragonfly von texasradiofish, verweigerte die GEMA die Bestätigung, dass der Song GEMA-frei ist, und verklagte den Verein vor dem Amtsgericht Frankfurt auf Lizenzgebühren. Das Gericht hat heute in erster Instanz der Klage der GEMA stattgegeben, aber eine Berufung an das Landgericht zugelassen.

»Die GEMA betont immer wieder, dass Creative Commons-Lizenzen nicht mit ihrem Vertragsmodell vereinbar sind. Trotzdem will sie von uns jetzt Geld für die Produktion einer CD haben, die ausschließlich CC-Material enthält. Die heutige Niederlage vor dem Amtsgericht Frankfurt ist ein harter Schlag in das Gesicht der Creative Commons-Szene. Es erklärt, dass die Creative Commons-Lizenzen nur gelten, wenn die Urheber auf ihr Recht auf eine anonyme oder pseudonyme Veröffentlichung verzichten«, kommentiert Christian Hufgard, Vorsitzender der Musikpiraten, die Klage.

In der Klageschrift behauptet die GEMA, sie vertrete das gesamte Weltrepertoire an geschützter Unterhaltungs- und Tanzmusik. Nach Ansicht der Musikpiraten ist dies nachweislich falsch, denn die GEMA hat mit weniger als 70 Verwertungsgesellschaften weltweit Wahrnehmungsverträge abgeschlossen. Auch gibt es zahlreiche Portale im Internet, die explizit Musik von Urhebern anbieten, die keine Verwertungsrechte an die GEMA abgetreten haben. Beispiele hierfür sind jamendo.com (über 350.000 Titel), magnatune.com (über 15.000 Titel) und ccmixter.org (über 25.000 Titel). Auf ccmixter.org wurde am 28. Dezember 2010 der Song »Dragonfly« veröffentlicht, über den jetzt verhandelt wurde.

Der Frankfurter Verein wartet nun auf die Zustellung der schriftlichen Begründung des Urteils, um die weitere Verteidigung zu planen - eine Berufung wird aber auf jeden Fall eingereicht werden, da die Musikpiraten eine grundsätzliche Klarstellung anstreben.

Hintergrund

»Dragonfly« wurde unter dem Pseudonym »Texas Radio« zum 2011 zum Free! Music! Contest eingereicht. Dieses Pseudonym wird von den Musikern Electronico und ElRon XChile genutzt, die beide nicht wünschen, dass ihre bürgerliche Identität mit ihrer Tätigkeit als Musiker in der Band texasradiofish verknüpft werden kann. Das deutsche Urheberrechtsgesetz sieht explizit die Möglichkeit der pseudonymen und anonymen Veröffentlichung vor und gewährt so veröffentlichten Werken eine 70-jährige Schutzfrist. Innerhalb dieser sind auch die Lizenzbedingungen der Creative Commons-Lizenzen nach Ansicht der Musikpiraten voll gültig – was eine Lizenzforderung der GEMA kategorisch ausschließt.

»Die Begründung der GEMA, sie könne aufgrund der Nutzung eines Pseudonyms keine Überprüfung vornehmen, ist auch nachweislich falsch. Bereits bei der Anmeldung können Urheber ein Pseudonym angeben, das für die so genannten Einzeichnungen verwendet wird. Wenn ein Pseudonym nicht in Datenbank der GEMA gefunden werden kann, dann darf sie dafür auch kein Geld verlangen«, erläutert Hufgard. »Auch erfolgt die Abrechnung der GEMA-Gebühren aus sogenannten Titellisten ausschließlich aufgrund von Bandnamen und Liedernamen. Wenn hier eine Zuordnung möglich ist, muss auch eine Prüfung für eine CD-Produktion entsprechend möglich sein.«

Free! Music! Sampler 2012 - mit texasradiofish

Ungeachtet der juristischen Niederlage haben die Musikpiraten einen weiteren Free! Music! Sampler veröffentlicht. Unter den 36 Gewinnern ist erneut texasradiofish.

http://musikpiraten.bandcamp.com/album/free-music-sampler-freedom-free-beer

»Wir werden uns nicht von diesem Fehlurteil verbieten lassen, Musiker zu fördern, die ihre Werke unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlichen«, gibt sich Hufgard kämpferisch. Der Download der 36 Songs ist bei bandcamp kostenfrei möglich.

Kommentare (15)

Wie jetzt........Die GEMA will Geld für Musik die unter CC-Lizenz steht? Booaa echt mal. Was für ein Verein.

Wie sieht es denn mit der Berufung aus?

Wird vermutlich noch ein halbes Jahr dauern, bis es da weitergeht.

Das mit den Musikern, die die Gema hassen, ist so eine Sache. Die meisten sind nämlich trotzdem Mitglied, "weil sie ja keine andere Wahl haben", jammern aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Das kanns ja auch nicht sein, oder?

Zu den Zahlen, wieviele Musikstücke die Gema vertritt: Die Gema vertritt über ihre internationalen Verträge Rechteinhaber aus der ganzen Welt, ein guter Richtwert ist hier iTunes (ca. 20mio Songs http://tcrn.ch/rkgRDq). Die Größenordnung dessen, was die Gema vertritt, ist wahrscheinlich deutlcih darüber, weil iTunes fast nur nur Mainstream hat (auch wenn mir Hipster unter Euch mir dieses Statement nicht verzeihen werden)

Creative Commons hat um die 400mio Werke (http://bit.ly/5utkC), wieviel davon Musik ist, konnte ich nicht auf die Schnelle herausfinden.

Die Gema macht man am Besten darüber kaputt, dass man sie irrelevant macht, d.h. keine Musik kaufen, die von der Gema vertreten wird, Radiosender boykottieren, etc. Und als Künstler: bitte mit einem offenen Brief an Vorstand und Zeitung austreten. Am Besten in gemeinschaftlichen Aktionen in großer Zahl.

Es gibt genausoviel oder mehr gute Musik, die unter CC lizensiert wird, kostenlose und kostenpflichtige Netlabels etc. Gerne auch mal Geld für Musik ausgeben, die nicht gemapflichtig ist, damit der Künstler seine Miete zahlen kann, bis das Grundeinkommen da ist ;-)

Aber wer sich halt immer von der Werbung die Charts aufschwatzen lässt, oder als Musiker von diesen träumt, hilft bei der Abschaffung der Gema nicht weiter.

wohin kann man die Spenden fuer weitere Verteidigungskosten ueberweisen?

Ist unter "Mitmachen" versteckt. :)

Wo finden sich Rechtsschriften und Urteil zum Nachlesen?

Neuerdings gibt es viele Berichte über die GEMA. Bei jeder neuen Nachricht denke ich: Diese Organisation wird es nicht mehr lange geben! Die Idee der GEMA fand ich mal gut. In der Realität ist die gesamte Denk- und Handlungsweise der GEMA ungerecht, weltfremd und absurd.

Wo kann man für die weiteren juristischen Kosten spenden?

Spendenmöglichkeiten sind unter "Mitmachen" versteckt. Oder du bestellst einfach ein paar Free! Music! Sampler extra und verteilst sie. Damit hilfst du uns und den Musikern. :o)

Man will schon aus diesem Land wegziehen nur wegen GEMA ... die machen alles Kaputt, jeder Musiker den ich kenne HASST die GEMA auch ... also was wollen die hier noch ? Wegjagen muss man die !

Bitte was geht ab? Keine Ahnung ob ich dafür zuständig bin - also bin ichs einfach mal?

Und wenn es jetzt kein Lied unter den Creative-Commons wäre, könnte der Rechteinhaber dann die GEMA klagen weil die für sein Lied Kohle kassiert hat?

Dabei ist in der heutigen Zeit ein Vergleich mit der Datenbank kein Problem - Da sollten die schnell feststellen, dass die das Lied nicht besitzen. Was ist das denn bitte für ein Gericht, dass keine Ahnung davon hat, dass man digitale Dinge ohne viel aufheben vergleichen kann?

oh man, diese gema soll sich lieber verpissen, braucht kein Mensch diesen Verein. Jeder hasst Gema. :(

Gibt es denn Zahlen, wieviele Musikstücke die GEMA vertritt?

Mehr große Seiten:

http://www.myownmusic.de/ sagt 348.024

http://be.electrobel.org/muzik.ebel hat 1014 seiten a 20 Songs = ~20000

https://8bc.org/ konnte ich leider keine Zahlen finden.

Demoscene Kram ist auch eine Menge. So ziemlich jede Demo hat ja einen Soundtrack.

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