Während in Deutschland die GEMA sich strikt weigert, über Creative Commons-Lizenzen auch nur nachzudenken und sie als "Entrechtung der Urheber" ansieht, ist man im nahen Norden etwas freigeistiger. In Schweden, Dänemark und Holland laufen Experimente, ob und wie Künstler Rechteverwertung und CC kombinieren können und wollen.
Am Montag hat sich der Petitionsausschuss des Bundestags für mehr Transparenz und ein faireres Abrechnungsmodell der GEMA ausgesprochen. Grundlage der Sitzung waren insgesamt drei Petitionen. Die erfolgreichste davon war die Petition von Monika Bestle. Sie erreichte über 106.000 Mitzeichner. Der GEMA wird von vielen Mitgliedern und Kunden ein ungerechtes Vergütungs- und Abrechnungsmodell vorgeworfen, das insbesondere die "kleinen Mitglieder" benachteiligen und die Existenz von kleinen Spielstätten gefährden würde.
Nach Informationen der Neuen Musikzeitung wird eine der erfolgreichsten Online-Petitionen aller Zeiten am 17. Mai vom Petitonsausschuß behandelt werden: Die Petition zur Erhöhung der Abrechnungstransparenz bei der GEMA.
Kurze Zeit nachdem die holländische BUMA/Stemra ihre Erkenntnisse zu ihrer CC-Feldstudie veröffentlicht hat, hat die GEMA sich zum einem großen Schritt entschlossen: Sie erlaubt die Nutzung von NC-Lizenzen! Leider steht als Lizenz nur CC-BY-NC-ND zur Auswahl.
Update: Das ganze war natürlich nur der obligatorische Aprilscherz. Leider.
Im Gegensatz zur GEMA erlaubt die schwedische STIM seit kurzem, dass bei ihre angemeldete Künstler ihre Werke auch unter CC veröffentlichen. Diese Möglichkeit hat jetzt die Band Emerald Park genutzt, um vor dem Release ihres neuen Albums nochmal ordentlich die Werbetrommel zu rühren.
Um den Jahreswechsel zum Jahr 2009 hin war ihr Album "For Tomorrow" der Top-Seller bei afmusic. Nicht nur als Download, auch auf CD bescherte es ihnen gutes Geld. Zur Zeit arbeiten sie an einem neuen Album und wollten sich rechtzeitig vorher wieder ins Gespräch bringen. Der Plan geht auch. Es gibt bereits zwei bestätigte Gigs in Liverpool.
Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe, wie Barbara Clear vergangene Woche abermals erfahren musste. Die bayerische Folk-Rock-Musikerin versucht seit letztem Jahr, von der GEMA mehr Geld zu bekommen. Als Veranstalterin von Konzerten hatte sie innerhalb von vier Jahren 65.000 Euro abgeführt. 50% der von ihr dann aufgeführten Stücke waren selbst komponiert. Sie zog also großzügig eine Pauschale für die GEMA ab und rechnete mit 27.000 Euro. Die GEMA gab sich großzügig und bot 5.000 Euro an. Barbara klagte dagegen und verlor.
Sollte stimmen, was die Ruhrnachrichten schreibt, so wäre das weiteres Wasser auf die Mühlen derjenigen, die GEMA stetig kritisieren. Für die Lieder "Oh Tannenbaum", "Kling Glöckchen" und "Jingle Bells" sind 23,01€ zu zahlen.
Am 18. Dezember hatten Kinder der Eintracht-Grundschule und des AWO-Kindergartens auf dem Weihnachtsmarkt die drei Lieder gesungen und vorher bei der GEMA angemeldet, dafür kam nun eine Rechnung über 23,01€. Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber: Die Musiktitel wurden jetzt bei der GEMA eingereicht. Die drei genannten Stücke sind definitiv gemeinfrei und somit nicht abgabenpflichtig.
Während in Deutschland die GEMA sich strikt weigert, über Creative Commons-Lizenzen auch nur nachzudenken und sie als "Entrechtung der Urheber" ansieht, ist man im nahen Norden etwas freigeistiger. In Schweden, Dänemark und Holland laufen Experimente, ob und wie Künstler Rechteverwertung und CC kombinieren können und wollen. Letzten Samstag haben jetzt Matthijs Bobeldijk (Buma/Stemra) und der CC-Aktivist Paul Keller auf dem Noorderslag-Festival in Groningen erste Ergebnisse einer Studie über den dortigen CC-Pilotversuch vorgestellt.
Schon vor Wochen hatten wir hier eine Ankündigung zu einer Aktion von Kain Schwarz und bruder data gebracht. Kurze Zeit später dann auch ein Interview mit Kain geführt, aber blöderweise nie veröffentlicht. Mittlerweile hat bruder die gewünschten Unterstützer zusammen und erste Treffen gab es auch. Hier wäre es dann also. Das verlorene Interview. :)
Das zweitgrößte Problem der GEMA, nach der für die meinsten Künstler (und auch Nicht-Künstler) vollkommen undurchschaubaren Verteilung der eingenommenen Gelder ist der exklusive Vertretungsanspruch. GEMA-Mitglieder ist es unmöglich, ihre Werke z.B. auf ihrer Webseite zum kostenlosen Download anzubieten, oder sie unter einer Creative Commons-Lizenz zu veröffentlichen.
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