Am kommenden Freitag dem 26.02.2010 organisiert die Partei Die Grünen eine Veranstaltung zum Themenkomplex Urheberrechte/Netzpolitik im Düsseldorfer Landtag. Auf dem Podium wird unter anderem der Düsseldorfer Künstler und Netzaktivist Florian Kuhlmann vertreten sein.
Langsam aber sicher scheint dem Bundesverband Musikindustrie die Diskussion um die Entschärfung des Urheberrechts ernsthaft unangenehm zu werden. Vor allem die immer wieder aufkommende Diskussion um eine sogenannte Kulturflatrate übt offensichtlich Druck aus. Nun wurde vom BVMI ein Positionspapier mit zehn Argumenten gegen die "Kulturflatrate" veröffentlicht.
In seiner Reihe Netzbürger hat der Contumax-Verlag das Buch "Urheberrechtsfibel – nicht nur für Piraten" von Klaus Graf veröffentlicht. Der 1958 in Schwäbisch Gmünd geborene Geschäftsführer des Hochschularchivs der RWTH Aachen ist aktiver Netzbürger und unter anderem bei Wikipedia, Wikisource und Wikiquote aktiv. Seit 2003 bloggt der promovierte Historiker im Gemeinschaftsweblog Archivalia und setzt sich dort kompromisslos für das wissenschaftspolitische Ziel des “Open Access” ein.
Mit der aus drei Bücher bestehenden Reihe will der Contumax-Verlag der Tatsache Rechnung tragen, dass Bürger zu Netzbürgern geworden sind - ob sie dies nun wollen oder nicht. Das Internet als globales Medium als elementarer Bestandteil der Weltwirtschaft lässt kaum jemanden aussen vor. So habe die globale Datenvernetzung der Welt zwar die Wikipedia geschenkt, dafür aber die Fachredakteure von Brockhaus den Job gekostet. Durch die EDV sei es nun möglich einen allwissenden Rechtsstaat zu schaffen, der die Möglichen der Stasi bei weitem überschreite.

Paul Stärke greift eines der Lieblingskinder der Medienindustrie an: Die Pauschalabgaben. Eigentlich sollen über sie Urheber für Kopien von Privatpersonen entschädigt werden. Wieviel davon bei ihnen dann am Ende ankommt ist aber heftig umstritten.
Stärke fordert, dass der Deutsche Bundestag prüfen soll, in wieweit sich eine Pauschalabgabe mit "dem Grundgesetz und anderem dem Bürger zugesprochenen Rechten, in Bezug auf Besitz und Vervielfältigung seines Eigentums" vereinbaren lassen.
Die deutschen Schriftsteller, Übersetzer und Verleger haben der SPD und Bündnis 90 / Die Grünen einen Fragenkatalog zur Kulturflatrate vorgelegt.
Christian Hufgard, 1. Vorsitzende des Vereins Musikpiraten, hat hier die gestellten Fragen stellvertretend beantwortet - auch wenn er bei keiner der oben genannten Parteien Mitglied ist.

Heute hat die Autorin und "strickende Anarchistin" Anne Alter per Twitter ein persönliches Statement zum Thema Urheberrecht angekündigt. Sie äussert sich darin kritisch zum aktuellen Umgang der Rechteinhaber gegenüber potentiellen Kunden, aber auch den Urhebern. Grund genug, mit ihr ein paar Worte zu wechseln...
Als Lawrence Lessig, Jura-Professor an der Stanford University, EFF Mitglied und Creative-Commons Mitbegründer, am 15.05.2009 in den Berliner Sophiensälen seinen Vortrag zum Thema "Copyright Wars" hielt, hat er allen Teilnehmenden ein wunderbares Bilderbuch überreicht. Eines mit dem man all jenen, die nicht verstehen, warum das Urheberrecht liberalisiert werden sollte, zeigen kann, was eigentlich im Argen liegt.
Denn es liegt einiges im Argen. Die derzeitige Gesetzgebung kriminalisiert nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern dieser Welt, inzwischen ganze Generationen. Generationen deren einziges Verbrechen - diesen Ausdruck wünscht sich zumindest die Contentindustrie - es ist, Urlaubsvideos mit Musik zu untermalen, Lieder zu covern, Videos zusammen zu mixen und sie auf YouTube einzustellen oder urheberrechtlich geschütztes Material aus dem Internet herunterzuladen. Es ist eine Gesetzgebung, die für eine völlig andere Art von kultureller Schaffensweise gebaut wurde, nämlich um die "RO - Read-only"-Kultur des 20. Jahrhunderts, die "nur lesen" bzw. "nur konsumieren" konnte. Doch in diesem Jahrhundert befinden wir uns nicht mehr. Es findet ein radikaler Wandel statt und genau auf dieses Thema ging Lawrence Lessig ein und arbeitete dabei mit Bildern, die all jenen, die sich schon einmal mit anderen über das Thema Urheberrecht auseinandersetzen mussten, ein Segen sein werden:

Dieser Text wurde ursprünglich im Editorial der Fachzeitschrift Multimedia und Recht veröffentlicht und anschliessend von Jens Seipenbusch unter cc-by-sa freigegeben.
Dipl.-Phys. Jens Seipenbusch ist stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland und arbeitet an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster.
Wer kennt dieses Problem nicht: Man freut sich wie's Lottchen, dass $Lieblingsband endlich ihr neues Album veröffentlicht hat. Fan der man ist, hat man es natürlich nicht vorher aus dem Internet runtergeladen. Also stürmt man in den Laden und kauft sich die CD. Im Auto schiebt man sie dann andächtig in den CD-Player und freut sich auf den ersten Beat. Nur kommt der nie. Statt dessen steht dort "Cannot read disc!".
Man untersucht die CD und es fällt einem auf, dass dort nirgends "CD Audio" drauf steht. Hinten auf der Hülle steht dann ganz unten dunkelgrau auf schwarzem Grund "Diese CD ist kopiergeschützt". Abspielgeschützt müsste das heissen, denkt man sich, und setzt sich zuhause an den Rechner, um eine Kopie der CD zu erstellen, die man dann auch überall dort abspielen kann, wo man selber dies gerne tun möchte.
Das ist dann der Punkt, an dem man sich strafbar macht. §95a des Urheberrechtsgesetzes verbieten nämlich das Umgehen eines "technisch wirksamen" Kopierschutzes. Eine von der Piratenpartei Brandenburg initiierte Petition soll jetzt die Aufhebung dieses Paragraphen erreichen.
Nachdem vor einigen Wochen der norwegische Bildungsminister Bård Vegar Solhjell vorgeschlagen hatte, privates Filesharing komplett zu legalisieren, hat nun eine Kollegin von ihm, die Ministerin für staatliche Verwaltung und Reformen, Heidi Grande Røys ein Buch unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlicht.
"Delte meninger", auf norwegisch ein Wortspiel, das sowohl geteilte Meinung als auch gegensätzliche Meinung bedeuten kann, wurde von der Ministerin herausgeben, von ihr stammt auch das Vorwort. Thematisch befasst es sich vor allem mit den sozialen Aspekten von Netzwerken, aber auch Urheberrecht, Privatheit 2.0 und Netzneutralität. Kurz ein Buch von dem man sich wünscht, ein Minister der High-Tech-Standorts Deutschland hätte es verfasst.
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