February Album Writing Month: Beim Liederschreiben zuschauen...

FAWM - February Album Writing Month

Es ist der erste Februar und er geht wieder los: FAWM – der “February Album Writing Month”, der Monat, in dem sich tausende enthusiastische Liederschreiber und Musiker aus der ganzen Welt, vom totalen Laien bis zum Vollprofi, treffen um 14 Songs in 28 Tagen zu schreiben.

Das Ganze ist eine riesige Baustelle, an der alle munter vor sich hinwerkeln. Und bei den Liedern, die dort zu hören sind, handelt es sich in den allerseltensten Fällen um komplette Produktionen. Es sind Entwürfe, Skizzen, gewissermaßen Song-Skelette. Das Fleisch auf den Knochen kommt später. Auch die letztjährigen FAWM-Songs, die es ins Singvøgel-Repertoire geschafft haben, wurden noch ausgiebig behauen und beschliffen, bis sie schließlich zu ihrer endgültigen Form fanden. Aufnahmen dort sind nicht viel mehr als rasche Mitschnitte und entsprechend weit weg von allem, was man vielleicht später einmal auf einem Album, einer CD oder einer Bühne zu hören bekommt.

So ein “Blick in die Werkstatt” wie bei FAWM ist normalerweise im Kunstbetrieb absolut unüblich. Es kostet auch eine Menge Überwindung, derartige Rohbauten zugänglich zu machen. Möglich wird dies nur durch die großartige Community dort, den respektvollen und ermutigenden Umgang miteinander in den Kommentaren. Denn in einem Stadium wie diesem wirkt Kritik, auch gut gemeinte, sehr schnell vernichtend; da hilft die Benennung der Stärken und allgemeine Ermunterung viel mehr. Der März und die Zeit des Überarbeitens kommt früh genug.

Es geht um Erfahrung, Spaß und Freundschaft

Karan entdeckte FAWM im Jahr 2009 und wurde davon sofort eingefangen. Dieses Jahr ist also schon ihr sechstes Mal. Duke stieg ein Jahr später ein, Svens erster “ernsthafter” FAWM war 2011. Während Karan und Duke bislang jedes Jahr die 14 erreichten bzw. deutlich überschritten, steht dieses Ziel bei Sven noch aus. Vielleicht klappts ja dieses Jahr. Aber selbst wenn nicht, ist es nicht schlimm, denn FAWM ist kein Wettbewerb, in dem es ums Gewinnen und Verlieren geht – man gewinnt immer, an Erfahrung, Spaß, Freunden und Freude.

Das Tolle an der Sache ist, dass sich über das Projekt Kontakte in der ganzen Welt ergeben, und dass man mit Leuten “zusammenkommt”, denen man sonst nie begegnet wäre. Die Kommunikationskultur auf der FAWM-Webseite ist sehr angenehm; es geht darum, einander zu ermutigen, Gelungenes zu loben – und nicht herumzukritikastern. (Die eigenen Schwächen kennt man doch eh nur zu gut!).

Der innere Kritiker wird jedenfalls den Februar über in den Keller gesperrt. Und die Ergebnisse lassen zweifeln, ob man ihn je wieder herauslassen sollte.

FAWM ist wie ein gigantischer, weltweiter “Monat der offenen Werkstatt”, in dem man anderen Songwritern direkt bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen kann und man ihnen das ebenso erlaubt. Neben eigenen Songs gibt es dann auch die Möglichkeit zu Collaborations, man schreibt zusammen mit anderen einen Song, oder jemand vertont einen Text eines anderen. Es gibt verrückte Experimente wie den “Song Skirmish”, für den jemand ein Wort oder ein Thema vorgibt und die Teilnehmer an dieser Herausforderung nach nur einer Stunde ein Ergebnis vorlegen müssen, und viele verrückte Ideen mehr.

Brutkasten für alterantive Ansätze

Das Interessante dabei ist, dass Ideen weiter verfolgt werden, die man unter normalen Umständen beim ersten Hemmnis gleich wieder in die Tonne getreten hätte. Manchmal kommt nicht viel dabei raus. Aber manchmal eben doch. Der Mut zum Spontanen ist etwas, das in der “normalen” Songschreiberei oft verlorengeht, da verliert man sich häufig zu sehr im Detail.

Liederschreiben geht wirklich nicht immer so schnell; wer das aus FAWM ableitet, bekommt eine ziemlich falsche Vorstellung von dem ganzen Prozess. Aber es KANN schnell gehen. Es ist wie mit den meisten anderen Dingen auch: an einigen Sachen sitzt man wochenlang, andere ergeben sich in kürzester Zeit. Beiden merkt man die Dauer des Entstehungsprozesses nicht unbedingt an.

Nicht alle Lieder, die in dieser Zeit entstehen, werden später für die Singvøgel genutzt, aber einiges hat es tatsächlich in unser Repertoire geschafft. Und den späteren Nachbearbeitungen und den Arrangements von Sven und Ingo an den Songs, die wir dann übernehmen, merkt man an, dass da dann natürlich noch ein großer weiterer Aufwand darinsteckt, aus so einer rohen Skizze einen “richtigen” Song zu machen.

Andererseits entstanden über die letzten Jahre während unserer FAWMs so viele Songs, dass diese tatsächlich inzwischen einen deutlichen Teil unseres Repertoires ausmachen. Und tatsächlich entstanden alle zwölf Songs auf WESTWIND während eines FAWM. Die meisten sind natürlich kaum mehr wieder zu erkennen, wenn man sie mit den ursprünglichen FAWM-Skizzen vergleicht (einige von euch, die schon früh mitgepledget hatten, hatten ja die Gelegenheit, da reinzuhören, bevor die Seiten für den diesjährigen FAWM geleert wurden). Aber ohne FAWM und dessen spezielle Atmosphäre hätten einige dieser Songs wohl niemals das Licht der Welt erblickt.

Wer uns dieses Jahr über die Schultern schauen möchte und miterleben möchte, wie es in der Singvøgel-Liederwerkstatt zugeht, findet unter diesem Update die Links zu unseren Profilen auf FAWM.org. Und wer weiß, vielleicht könnt ihr live dabei sein und zusehen (und hören), wie ein weiteres, zukünftiges, Singvøgel-Album entsteht….

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Dieser Artikel wurde von Sven Scholz und Karan geschrieben. Sven ist 2. Vorsitzender des Musikpiraten e.V. und, ebenso wie Karan, eines der Gründungsmitglieder des Vereins. Zusammen mit Duke Meyer (auch Gründungsmitglied :o) sammeln die drei zur Zeit Geld für die Produktion des Albums Westwind.

Alle drei nehmen am FAWM teil. Karans FAWM-Profil | Dukes FAWM Profil | Svens FAWM Profil

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