Flattr

Kurz-URL: http://mkzä.de/451

Flattr-LogoDer Onlinedienst flattr des Piratebay-Mitgründers Peter Sunde (brokep) basiert auf einem einfachen und bestechenden Prinzip. Jeder Nutzer kann einen monatlichen Betrag festlegen, der an andere Benutzer des Dienstes verteilt wird. Liest man nun einen Artikel in einem Blog oder einer Online-Zeitung, sieht ein Video oder findet beispielsweise eine Seite mit Bildern, die einem gefallen, klickt man auf den flattr-Button und lässt demjenigen damit am Ende des Monats einen Anteil des Betrages zukommen. Dieser Anteil berechnet sich dann schlicht aus dem monatlich vergebenen Betrag des Klickenden und der Anzahl der geklickten flattr-Buttons.

Der Original-Artikel stammt vom Helmut Pozimski und steht, genau wie dieser hier, unter cc-by-sa.

Ziel von Flattr ist es, eine Möglichkeit zu schaffen, um anderen Benutzern Anerkennung für Ihre Arbeit in Form kleiner Beträge zukommen zu lassen und so eine Vergütungsmöglichkeit für Online-Inhalte zu schaffen. Der Dienst ist momentan in einer teilöffentlichen Beta-Phase und verfügt bereits über die meisten Funktionen.

Zunächst einmal wirkt der Flattr, der als englische Limited mit schwedischer Adresse firmiert, schon jetzt sehr professionell. Die “Terms of Use” und die “Privacy Policy haben einen Umfang, der sich mit den entsprechenden Dokumenten von Google oder Facebook vergleichen lässt. Diese Dokumente sind sehr umfangreich und räumen den Betreibern weitgehende Rechte ein. Dazu verwenden sie in diesem Zusammenhang häufig Begriffe wie “intellectual property”. Vom rebellischen Geist der Piratenbucht ist hier nichts zu finden.

Hat man sich mit seiner E-mailadresse (und aktuell auch einem Einladungscode) registriert, muss man zunächst Geld auf seinen Account laden, um diesen zu aktivieren. Dieses als “funds” bezeichnete Guthaben kann momentan per Paypal und Moneybookers aufgeladen werden. Bei jeder Einzahlung werden sowohl flattr-, als auch Paypal- bzw. Moneybookers-Gebühren fällig werden. Von einer Einzahlung von 8€ bleiben so etwa 7,38€ übrig. Diese Guthaben kann dann nur auf flattr, also zu automatischen anteiligen Überweisung an andere Benutzer, genutzt werden. Ausgezahlt werden kann nur Guthaben, dass man von anderen Nutzern durch Klicks auf die eigenen flattr-Button erhalten hat und zwar ab einem Betrag von 10€. Hier werden dann auch wieder Gebühren fällig.

Als Seitenbetreiber hat man die Möglichkeit, flattr-Buttons auf der eigenen Webseite zu platzieren, für Wordpress, Drupal und andere gängige CMS und Blogging-Systeme stehen Plugins bereit. Somit muss man nicht alle Beiträge einzeln bei Flattr registrieren.

Durch Einbinden eines statischen Bildes auf der eigenen Webseite kann auch die Privatsphäre der Besucher geschützt werden. Der komfortablere Weg über das Einbinden eines JavaScripts sorgt dafür, dass Flattr alle Seitenaufrufe und das Verhalten der Benutzer auf der Seite protokollieren und auszuwerten kann. Diese Prinzip wird beispielsweise auch bei Google Analytics genutzt, wobei die Speicherung und Auswertung dort seitens der Seitenbetreiber explizit gewünscht ist. Flattr gibt in der “Privacy Policy” zu, die Benutzung der Seiten durch flattr-Nutzer durch eindeutige Cookies zu verfolgen. Ebenfalls gespeichert werden Verbindungsdaten wie die verwendete IP-Adresse und vom Browser weitergegebene Informationen. Außerdem verwendet flattr innerhalb der eigenen Seite ebenfalls den Statistikdienst Google Analytics.

Durch Benutzung des statischen Buttons erkauft man sich die Privatspähre der Besucher um den Preis, dass auf dem eingebundenen Flattr-Button nicht steht, wie viele Benutzer ihn bereits angeklickt haben. Alternativ könnte man auch den Button regelmässig bei Flattr neu laden und auf dem eigenen Webseite einbinden.

Fazit von Helmut Pozimski

Ich persönlich finde das Konzept gut und kann mir vorstellen, dass ein Micropaymentdienst nach diesen Prinzip etwas grundsätzliches an der Art und Weise, wie wir mit Inhalten umgehen, ändern könnte. Aus meiner Sicht basiert die oft proklamierte “Kostenloskultur” eben nicht auf dem Geiz der Leute, sondern schlicht der Unmöglichkeit, kleinere Beträge einfach und schnell an Andere zu überweisen.

Letztendlich hängen Erfolg oder Misserfolg davon ab, ob eine kritische Masse an Internetusern und Seitenbetreibern den Dienst in Anspruch nimmt und dieser sich somit als allgegenwärtige Option etablieren kann.

Flattr bei den Musikpiraten

Flattr hat einen weiteren Nachteil: Durch seine Nutzung kann aus einem nicht-kommerziellen Blog schnell ein kommerzielles werden. Gerade bei der Berichterstattung über NC-lizenzierte Creative Commons-Inhalte (kommerzielle Nutzung nicht gestattet) ist dies unschön, da man sich als Betreiber dann in einer Grauzone befindet. Betreibt man eine gewerbliche Webseite, wenn an regelmässig Inhalte veröffentlicht und Geld von den Leser entgegen nimmt?

Dennoch haben wir zur Unterstützung des Free! Music! Contest 2010 auf drei Seiten einen Flattr-Button geschaltet um zu herauszufinden, ob unsere Besuchern den Wettbewerb so unterstützen wollen. Noch ist die Resonanz verhalten.

Die drei Seiten sind einmal die Hauptseite des Contests auf Deutsch und auf Englisch, sowie die Nachricht mit der der Start des Contests bekannt gegeben wurde.

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Kommentare (3)

Also ich habe mich mal registriert und warte jetzt auf meine Invite.
Als Fan würde ich mich schon freuen, wenn ich zum Beispiel Musikern auf Jamendo oder den Autoren auf taz.de damit etwas Geld zukommen lasse. Klar machen wenige Cent erstmal wenig aus, aber ab einer gewissen Zahl von Nutzern kommt da sicher schon was raus. Und mit Sicherheit klicken die meisten Nutzer eher auf einen kleinen Button, als wie bei Jamendo (momentan) irgendwelche Spendenseiten erst zu suchen und dann trotzdem über Paypal zu zahlen (was für mich sowieso ein No-Go ist, aber da will Kachingle ja die möglichkeit bieten, das ganze über Bankeinzug zu machen).
Verplfichtend ist Micropayment für mich auch keine Lösung, aber davon hat ja eigentlich auch keiner gesprochen.
Und wer mehr als nur "ein paar Cent" zahlen will, kann ja einen höheren Beitrag bei flattr einzahlen...

Wenn ich mal eine gewagte These aufstellen darf: Micropayment kann und wird in den allerallermeisten Fällen grundsätzlich nicht funktionieren.

Der gefühlte Unterschied zwischen "kostenlos" und "ein paar Cent" ist gigantisch, gemessen daran, dass ein paar Cent de facto fast nichts sind. Kostenlos ist risikofrei. Sobald ein Preis dranklebt, und sei er auch noch so klein, überlegt sich jede dreimal, ob sie ihn zahlen will. Zusätzlich besteht die Gefahr, durch Micropayment die eigenen Inhalte und Arbeit abzuwerten, ganz egal ob Blogposts, Filme, Musik, Kunst oder was auch immer.

Wenn Micropayment für eine Sache verpflichtend ist, verliert der Anbieter dieser Sache auf ganzer Linie: Ein Großteil der Leute, die kostenlos gerne vorbeigekommen wären, werden abgeschreckt, aber durch die wenigen, die sich auf Zahlungen einlassen, kommt fasst nichts in die Kassen.

Wenn Micropayment für eine Sache freiwillig ist, verliert der Anbieter der Sache ebenfalls. Nehmen wir einen Musiker, der so einen Micropayment-Button neben seine kostenlosen Songs klatscht. Finanziell kommt nicht viel dabei rum. Gleichzeitig wird er und seine Musik ganz anders wahrgenommen: Was eben noch ein Geschenk war, großzügig, uneigennützig, für die Kunst, aus Idealismus oder einfach aus Spaß, *wirkt* auf einmal wie eine Masche und der Versuch, um ein bisschen Geld zu verdienen. Nicht verwerflich, aber eben auch nicht idealistisch. Die Magie ist weg, denn man kann ja jetzt ein paar Cent bezahlen und ist quitt. Und selbst, wenn ICH als Musikhörer nicht bezahle, ach, ein anderer wird es schon tun, so der Gedanke.

Unbestreitbar eine massive gefühlte Abwertung der dargebotenen Musik, oder? Rational betrachtet vielleicht nicht, aber in den Augen vieler Fans und Zuhörer des betreffenden Musikerin allemal. Und was die denken, ist nicht so ganz unbedeutend ;^)

@ Ey Lou Flynn

Du verkennst, das Flattr kein Preisschild, sondern eine Spende ist und freiwillig entrichtet wird; vor Prüfung des Produktes oder danach oder auch völlig ohne - je nachdem wie es einem beliebt.

Und eine Abwertung kann ich da nicht erkennen; warum wird ein Stück Kultur weniger wert, wenn ich jemandem dafür spenden kann? Es ist ja kein Zwang - nichtmal ein sozialer, weil mir niemand über Schulter sieht der sagt: Hey du Schmarotzer!

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