Happy Public Domain Day! [Update]

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Public Domain Day 2014

Alle Jahre wieder wird am ersten Januar nicht nur der Anfang des neuen Jahres sondern auch das Ende des 70-jährigen post-mortalen Urheberrechtsmonopols für Werke jeglicher Art gefeiert. Der Einfachheit halber wird das Monopol immer bis Ende des Jahres gewährt, so dass zum 1.1. eines jeden Jahres ein ganzer Schwung von Werken frei nutzbar wird. Ausser in einigen kleinen Kreisen erfährt der Termin in der Öffentlichkeit leider kaum die Beachtung, die er aufgrund seiner Bedeutung verdient hätte. Mit ein Grund dafür ist vermutlich, dass 70 Jahre nach dem Tod eines Urhebers die meisten Werke längst in Vergessenheit geraten sind.

Da der urheberrechtliche Monopolschutz gemäß der Berner Übereinkunft ohne formelle Anmeldung gilt, ist es durchaus kompliziert herauszufinden, welche Werke jedes Jahr gemeinfrei werden. Im Gegensatz zu Patenten, bei denen es Aufgrund der Anmeldung gesicherte Daten gibt, gibt es bei urheberrechtlich geschützten Werken keine zentrale Stelle, die befragt werden könnte. Dies führt regelmäßig dazu, dass Werke "verwaisen", da die Urheber nicht mehr ausfindig gemacht werden können.

Statt aber dieses Problem zu lösen, wird in Europa am Symptom herumgedoktort: Das Gesetz zur Nutzung verwaister und vergriffener Werke und weiterer Änderungen des Urheberrechtsgesetzes setzt in Deutschland die Richtlinie 2012/28/EU in Form der ab dem 1. Januar 2014 geltenden §§ 61 bis 61c des deutschen Urheberrechtsgesetzes und den ab 1. April 2014 geltenden §§ 13d und 13e des deutschen Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes um. Wurde gemäß dem Gesetz sorgfältig recherchiert, muss das Ergebnis dem Deutschen Patent- und Markenamt mitgeteilt werden, dass dann wiederum die anderen entsprechenden Institutionen in Europa informiert. Ein klassisch von hinten aufgezäumter Gaul also.

Class of 2014

The Public Domain Review, ein Projekt der Open Knowledge Foundation, hat anlässlich des Public Domain Day die erstellt. Eine nette Collage mit einigen Urhebern, deren Werke in den "Todesjahr + 70 Jahre"-Ländern gemeinfrei sind. Darunter sind unter anderem Beatrix Potter, der wir "Die Geschichte von Peter Hase" zu verdanken haben, der Pianist, Komponist und Dirigent Sergei Rachmaninoff und Max Wertheimer, der als Haupt-Begründer der Gestaltpsychologie bzw. der Gestalttheorie gilt.

Brave New World

In den USA war dies bis 1989 anders geregelt, dort musste ein Werk explizit angemeldet werden, um urheberrechtlich geschützt zu sein. Aufgrund diverser Schutzfristverländerungen wird es aber bis 2019 dauern, bis dort endlich wieder ein Werk gemeinfrei sein wird. (Eine gute Übersicht über die extrem verzwickte Lage, wann ein Werk in den USA gemeinfrei ist, gibt die Hirtle-Tabelle.)

Ansonsten ist das Urheberrecht weltweit sehr unterschiedlich. Brave New World - das vermutlich bekannteste Werk von Aldous Huxley - ist nun in Kanada gemeinfrei. In Deutschland muss bis 2044 gewartet werden... Leider ist die Tendenz weltweit, den Monopolschutz immer weiter zu verlängern. Unabhängig davon, dass Studien immer wieder deutlich kürzer Schutzfristen vorschlagen. Rufus Pollock zum Beispiel legte 2009 unter dem Titel Forever minus a day? Calculating optimal copyright term dar, dass eine Frist von 15 bis maximal 38 Jahren vollkommen ausreichend sei.

Fröhlichen Public Domain Day!

In diesem Sinne: Einen fröhlichen Public Domain Day und ein glückliches 2014! Vielleicht haben wir ja Glück und erleben noch, dass die Geschichten unserer Kindheit sowie die Musik und die Filme unserer Jugend für jederman frei verfügbares Kulturgut werden!

Update: Mehr Informationen über einige der Urheber, deren Werke nun gemeinfrei sind gibt es in diesem Artikel: Von der NSDAP verbotene NSDAP-Propaganda und "arische Mathematik".

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