Musik oder "Hauptsache frei"?

Ursprünglich war dies eine Mail von Ryo an Christian wegen dem Artikel über Paniq. Aber nach einer Sichtung des Blogs wollte Ryo dies aber etwas allgemeiner halten.

Irgendwie bin ich schockiert, was mal wieder, speziell in der deutschen, "freien Musikszene", so an den Tag gelegt wird, und wie so mancher Krampf schöngeredet wird, während viele Musiker die erstklassige Qualität abliefern unbeachtet bleiben. Ich achte bei Tracks auf die Sound-Landschaft, auf die Musik-Definition (Musik ist die organisierte Form von Schallereignissen. --
http://de.wikipedia.org/wiki/Musik ), auf die Tonqualität und die Harmonie der verwendeten Töne. Der Rest ist zwar persönliche Musikpräferenz, aber jeder dieser Tracks, die ich mag, hat einen gewissen Anspruch an Perfektion erfüllt. Das hört sich schlimm an, aber ist eigentlich nur der Weg zu einem "gefällt mir".

Worauf ich definitiv nicht achte ist die momentan aufflackernde Marschrichtung der "freien Musikszene" (gruseliger Begriff): Der Anti-Mainstream Mainstream. Sozusagen der Mainstream der freien Musik... Darf sich nicht professionell anhören, am besten Gegröhle das einem die Ohren abfallen, auf jedenfall gekloppe auf "echten" Instrumenten, alles Andere ist ja eh keine Musik, und das dann ungemastert, mit ner billigen Anlage aufnehmen und hochladen. Und schon wird es kultig. Ne, danke. "Hauptsache anders" oder das "Dschungelcamp für die Ohren", zählt bei meinen Gehörgängen nicht wirklich, auch wenn ich sonst total so eingestellt bin.

Wenn wir in der freien Musikszene also etwas vorstellen, dann sollte das nicht nur eine Empfehlung für uns selbst sein, sondern auch an andere Musiker Signale geben, endlich mal zu überlegen was der Begriff MUSIK bedeutet. Beispielsweise dass der Begriff nicht anders definiert wird, nur weil das Label "Frei" darauf klebt. Und ungeachtet der Musikrichtung, sollte eine gewisse Qualität bei den Empfehlungen eingehalten werden. Die Musiker sollten einen Anreiz finden auch wirklich freie Musik für die Allgemeinheit zu machen, statt sich auf den Schultern der "Community" auszuruhen, und einmal besoffen den Kopf auf das Keyboard fallen zu lassen, um dies dann den Leuten als "frei" unterzujubeln. Ich glaube damit erweisen wir der freien Musikszene keinen guten Dienst.

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Ryo

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Kommentare (9)

[...] zufällig meine diversen Äußerungen in Online-Foren verfolgt hat (beispielsweise hier oder hier), der kann sich vorstellen, was jetzt kommt. Ok, hat niemand, also werde ich’s ein [...]

Ganz losgelöst von der Diskussion darüber, was jetzt "gute" Musik ist und was nicht, und wo man die Grenzen zieht und welche Bewertungsmaßstäbe man heranzieht muss ich Ryo leider prinzipiell recht geben.

Bevor jetzt jemand denkt, ich möchte über paniq herziehen --> keinesfalls. Habe mir die Scheibe angehört und finde sie im Großen und Ganzen nicht schlimm; sicherlich nicht für jedermann und jede Stimmung, aber das wäre ja auch bei so ziemlich jedem künstlerischen Ausdruck irgendwie seltsam. Ob man das jetzt "gut" findet, ist letztendlich Geschmackssache. Mein persönlicher Fall isses zugegebenermaßen nicht, ich find's zu leblos und synthetisch. Aber das ist nur meine Meinung, jemand anders mag genau das richtig cool finden.

Dennoch kann ich die Aussage "Irgendwie bin ich schockiert, was mal wieder, speziell in der deutschen, 'freien Musikszene', so an den Tag gelegt wird, und wie so mancher Krampf schöngeredet wird, während viele Musiker die erstklassige Qualität abliefern unbeachtet bleiben" jederzeit unterschreiben.

Sorry, aber man hört es einem Album nun mal an, ob es ohne große Inspiration mit der USB-Gitarre und dem Aldi-Notebook in zwei Tagen auf dem Klo produziert wurde... oder ob darin fünf Jahre harte Arbeit, die Beteiligung von fähigen Gastmusikern aus Fleisch und Blut und große Mengen an Können & Herzblut stecken. Trotzdem macht es für (beispielsweise) die lieben Leute, die bei Jamendo Sternchen verteilen, keinen Unterschied; nein, schlimmer noch, das in der Abstellkammer aufgenommene Bilig-Zeug bevölkert die Hitparaden; und das, wo Leute wirklich alles gegeben haben, findet man nicht (bzw. auf Platz 987 oder so). Was daran liegen mag, dass sich die Rezenzenten gegenseitig befruchten und es dabei weniger um die Musik als um "Kriechst Du mir in den Arsch schreib ich auch was Schönes über Dich, und überhaupt nehmen wir alles gar nicht so ernst, wir machen das ja nur nebenher und üben alle noch" geht.

Ja, die Oberschlaumeier können mir jetzt mal wieder Neid und Mißgunst attestieren, mir schnurzegal. Man braucht wahrlich nicht meinen (zugegebenermaßen ganz gewaltigen) Frustlevel erreicht haben um zu erkennen, dass in dieser "Szene" Können, Qualität und künstlerischer Anspruch weit weniger zählen als die Frage, wer in Foren und Networks am meisten und effizientesten Werbung machen kann und wer sich am effektivsten seine "Hurra-Clubs" herangezüchtet hat. Was einfach verdammt schade ist, denn ausgerechnet die "freie Musikszene" (sofern es sowas überhaupt gibt) sollte eigentlich danach streben, nicht ausgerechnet die armseligen Mechanismen der Unterhaltungsindustrie in einem noch armseligeren kleinen Mikrokosmos zu imitieren.

Liebe Grüße
Stephan

Ich hab bei Paniq noch nicht mal reingehört, und hab doch schon das Bedürfnis, ihn zu verteidigen.

Zunächst, um ein Gegengewicht in den Klangraum zu stellen, was mir gefällt oder nicht gefällt:
Während ich mir durchaus vorstellen kann, dass mir ein Lied gefällt, bei dem das drumherum perfekt ist, halte ich es für völlig unvorstellbar, dass mir ein Lied gefallen könnte *weil* das drumherum perfekt ist. Ein Lied ist gut oder schlecht, vielleicht auch hervorragend und grausig, aber all das hängt ganz bestimmt nicht von der technischen Qualität ab (oder, um es deutlicher zu sagen: Von in Technik investierten Geld- und Zeitvolumen), sondern nur vom Lied. Spricht mich die Melodie an? Oder langweilt sie mich? Oder quält sie mich? Oder verzückt sie mich? Und der Text, ist der spannend? Langweilig? Pfiffig? Dumm? Naiv? Tiefsinnig? Verwirrend? Bedeutungslos (d.h. dient nur als Unterstützung für die Musik, ohne selbst etwas auszusagen)?
Wenn mir das Lied gefällt, dann gefällt es mir, wenn nicht, dann nicht.

Wäre es anders, was käme dann als nächstes? Würde ich dann den Kleidungsstil der Künstler noch als Merkmal heranziehen? Wie perfekt das Cover aus künstlerischer Sicht gelungen ist? Wie die Frisuren sitzen? Ob der Hersteller der verwendeten Instrumente auch der richtige ist?

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Aber von all diesen Überlegungen ganz ab, am wichtigsten finde ich das Thema der Vielfältigkeit. Vielfältigkeit entsteht nur aus Viel, mit wenig ist da wenig zu machen. Die Einschränkung dessen, was als "Musik" zugelassen wird, führt im Endeffekt unter allen Umständen zu einer Einschränkung der Vielfältigkeit, ein Verlust an Musikgenuss insgesamt, auf vielfältigen Wegen:

- Wenn auch nur ein einziger Musiker, dessen Musik auch Ryo als "MUSIK" akzeptieren würde, darauf verzichtet, seine Musik (resp. "MUSIK") zu veröffentlichen, aus Sorge, dass sie den Anforderungen an "MUSIK" nicht gerecht würde, dann ist das bereits ein Verlust selbst nach den Maßstäben von Ryo, den selbst Millionen von verhinderten grauenhaften Möchtegernmusikstücken nicht wettmachen können.

- Wenn ein unwertes Musikstück also nicht empfohlen wird, und weenn es dann, mithin deswegen, von einem, von nur einem einzigen, Menschen nicht gehört wird, dem es gefallen würde, der aber nur über eine solche Empfehlung davon erfahren hätte, wer kann das wieder gut machen? Und wie? Und wer hat das Recht, zu entscheiden, ob jener geheimnisvolle Freund von Musik, die nicht MUSIK ist, sich an der Musik (oder sollte ich sagen: "musik"?) erfreuen dürfen wird? Ist er selbst also auch "unwert", einfach nur weil seine Musikvorlieben es sind?

- Hat wirklich jeder, der MUSIK macht, auch mit MUSIK angefangen? Hat wirklich noch nie ein geachteter MUSIKer eine Empfehlung erhalten, auch als er noch "musik" produziert hat? Ist wirklich noch niemals jemand nur deswegen vom "musik"er zum "MUSIK"er avanciert, weil er bereits als musiker anderen Leuten empfohlen worden ist? Ist es nicht vielmehr so, dass man es guten Gewissens als absolute Gewissheit betrachten kann, dass manch ein künftiger MUSIKer niemals die Mittel und die Zeit und die Motivation haben würde, MUSIK zu basteln, mit einer teuren(!) Anlage, aufwendig(!) gemastert, und dann 10 mal eingespielt bis es wirklich perfekt ist, wenn es tabu wäre, ihn anderen zu empfehlen, solange seine Musik noch nur musik statt MUSIK ist.

- Besteht nicht auch die Gefahr, dass gerade durch solche Abgrenzungen Kulturgut verloren geht? Mir wird immer ganz elend zumute, wenn ich von Liedern, Texten, Bildern oder anderen Kunstgegenständen erfahre, die endgültig verloren sind - und zwar ganz entschieden auch dann, wenn es um Kunst geht, die mir nicht gefällt. Ist ein Kustwerk erst einmal verloren, wird es kaum jemals gelingen, es wieder herzustellen. Es ist nun aber meine feste Überzeugung, dass durch die Unterteilung von Kunstwerken in Kategorien wie "Wert" oder "Unwert" der Verlust, der unwiderrufbare, von Kultur wahrscheinlicher wird. Um einmal ein durchaus realistisches Szenario zu bringen, wieso so etwas selbst rein weltlich betrachtet einen tragischen Verlust darstellt: Da ist Herr X. Er hat ein Musikstück von Paniq gehört, und aus irgendeinem Grund gefällt es ihm sehr gut, es spricht ihn extrem an. Dann vergehen 60 Jahre. Herr X ist sehr alt inzwischen, und aus irgendeinem Grund erinnert er sich wieder an dieses Lied aus seiner Jugend, ganz vage. Er würde es gerne nochmal hören. "Sorry, das ist verloren, das gibt es nicht mehr, aber das macht nichts, es war ja eh Mist, eigentlich ist es gut, dass es weg ist." Wer möchte derjenige sein, der ihm das so sagt?
Aber ganz abgesehen davon sollte der Verlust von Kulturgütern schon ganz ohne konkrete Schadensszenarien jedermann unangenehm sein. Das empfinde ich als eine Art abstrakten Imperativ, der mit dem Wertschätzen von Kunst und Kultur als solches einhergeht.

- Und dann ist da noch jenes gute alte Lied (nein, MUSIK ist es sicher nicht, der Autor ist meiner Erinnerung nach nicht wirklich für exzessives Mastering oder derlei bekannt): "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern". In diesem Kontext sind jene Lieder, die unwerte (keine Empfehlung wert seiende) musik sind, eben die Schmuddelkinder. Schlimm genug, dass es sie gibt, aber dann sollte man sich doch wenigstens von ihnen fernhalten, oder wie?

- ich könnte noch stundenlang so weitermachen

Hätte Ryo auf seinen letzten Absatz verzichtet, ich hätte vermutlich niemals irgendetwas geschrieben. Selbstverständlich kann und soll er die Musik mögen, die er mag, und die nicht mögen, die er nicht mag. Seine Meinung zu der Musik würde ich dann sogar für Interessant halten, ebenso wie jede andere Meinung. Aber seinen eigenen Maßstab zum Maßstab für alle zu machen, alles andere aussperren zu wollen, sowas finde ich einfach nur schlimm, da ist es gleich, ob es um Musik geht oder um irgendetwas anderes.

Wenn also irgendjemand irgendwo irgendwelche Musik vorstellt, dann sollte dies meines Erachtens nicht geschehen, um sich selbst zu empfehlen, oder anderen ihre eigene Einstellung zur Sache auszureden, sondern genau zu dem, was es sagt: "Musik vorstellen". Erzählen, was man von ihr hält. Was einem gefällt, und was einem nicht gefällt. Am besten die selbe Musik von verschiedenen Leuten vorgestellt, damit verschiedene Sichweisen versuchen können, den interessierten Leser zu überzeugen. Und dann können andere diese Informationen nutzen, um sich zu entscheiden, mit welchen Musikstücken sie versuchen möchten, ihren musikalischen Horizont zu erweitern (oder auch ganz gezielt eben nicht zu erweitern, je nach persönlichen Vorlieben).

Die Bewertung von Musik ist eine Sache, die, bitteschön, etwas durchaus privates sein sollte. Jeder darf gerne seine persönliche Einstellung zu einem Musikstück verbreiten, aber ebenso sollte bitte ein jeder die Einstellung aller anderen akzeptieren. Ryo steht es demnach selbstverständlich frei, eigene Blogeinträge zu schreiben, in denen er ausschließlich MUSIK empfiehlt und musik gnadenlos ignoriert. Aber irgendjemand anderem erzählen wollen, seine Musikempfehlungen seien nicht gut genug, und er sollte nur werte Musik überhaupt empfehlen, das geht mal gar nicht. Pfui, muss ich da sagen.

Und nun werde ich wohl mal schauen, was ich wohl von Paniqs Musik halten mag.

Ist zwar schön wie du sich hereinsteigerst und dann da Sachen hereininterpretierst.
Aber ja, ich finde das wildes Gedudel durchaus seinen Platz hat, aber wenn es eine Tendenz dazu gibt in einer Szene die am Anfang steht, nur noch solches zu loben und andere Musiker, die sich Mühe geben, zu ignorieren, nur weil es nicht dem Tenor der "freien Musikszene" entspricht, dann muss ich die Klappe aufmachen. So sind schon viele vielversprechende Projekte den Bach runtergegangen. Kleine Community->Will größer werden->wächst rapide->verbarrikadiert die eigene Definition was die Community ist->Elitäre Versammlung->dramatischer Rückgang->ein paar Super-alternative bleiben treu und merken nicht das sie gerade in der Beudeutungslosigkeit verschwunden sind.
Hoffentlich passiert das nie. Deshalb meine klaren Worte.

Ja ich will freie Musik. Aber nicht weil sie anders ist, sondern weil sie frei ist. Und anders... naja definiere ich anders :)
Es ist mir schon klar, das es verschiedene Musikgeschmäcker gibt. Zum Glück. Deswegen habe ich auch explizit auf Qualität und allgemeine Definition verwiesen.
Wie ich sagte, es ist bei mir keine Musik wenn es sich anhört als ob jemand volltrunken auf Keyboard fällt oder ins Mikrofon kotzt. Und das vorzustellen als "Prunkstück" der freien Musik... ne sorry.
Ich unstreiche nochmals was ich im Artikel gesagt habe. Gerade die Reaktionen zeigen mir das ich goldrichtig liege, und die geäußerten Probleme der Szene tatsächlich vorhanden sind.

"...und immer dem Druck unterliegt, sich verkaufen und möglichst viele Leute ansprechen zu müssen."

Aber da ist schon ein Widerspruch und genau das was ich oben anprangere. Wenn wir "freie Musik" zu einer Veranstaltung machen, die nur wenige ansprechen soll, ist das meiner Meinung nach der falsche Weg.

"Konstruktiver Vorschlag: Erheb Deine Vorstellung von "guter Musik" nicht zum Maß aller Dinge, sondern such Dir einfach das raus, was Dir zusagt und halte Dich von allem anderen fern. "

Den Vorschlag beherzige ich gerne und ich finde es auch richtig. Allerdings ging es mir um die Forcierung von freier Musik als "Minderheitengeschrubbe". Die Frage ist für wen freie Musik interessant sein soll. Musiker die sonst mit ihrem Kram keinen Erfolg hätten, Hörer die sich nicht den geldlichen und vor allem, dir geistigen Schranken der Musikindustrie auferlegen wollen, oder beiden?

Ich sehe nicht beiden geholfen wenn freie Musik gleichgestellt wird mit alternativen Klängen die die meisten Leute als schlimm empfinden. Freie Musik ist meiner Meinung nach mehr. Und deswegen sollte die Qualität der Stücke in allen Musikrichtungen, durchaus ein Thema sein.

Qualität der Stücke ist ein Thema, aber "Qualität" bedeutet für unterschiedliche Musikhörer unterschiedliche Dinge.

Musik, die alle ansprechen soll, spricht niemanden wirklich an. Das ist eines der großen Probleme der Musikindustrie: Verdammt viele Alben sind ganz gut hörbar, aber nur wenige reißen so mit, dass man sie als Musikhörer unter allen Umständen haben will. Vieles wiederholt sich, weil die bewährten Rezepte immer wieder aufgewärmt werden.

Je größer die musikalische Bandbreite, je mehr unterschiedliche Stilrichtungen und Herangehensweisen, desto mehr Menschen finden in der ganzen Vielfalt genau die Musik, die sie lieben. Das ist der eine Punkt, in dem freie Musik wirklich auftrumpfen kann.

Dass sich die meisten Menschen nicht besonders für Creative-Commons-Musik interessieren, hat nicht so sehr mit den Songs zu tun, sondern viel mehr mit der Tatsache, dass die dazugehörigen Bands einfach keiner kennt.
...

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Die meisten Musikhörer wollen am liebsten Bands und Musiker hören, die ihre Freunde hören, die sie aus dem Radio kennen, denen durch bombastische Auftritte, medialen Hype, clevere PR-Firmen und teure Marketingkampagnen dieser ganz besondere Glamour und Reiz verliehen wird. Keine CC-Band, und wenn sie auch noch so interessante, virtuose, professionelle Musik macht, kann für die Mehrheit der Leute jemals so angesagt wie Lena-Meyer-Landrut 2010 sein. Bei Musik geht's nicht nur um Musik ;)

Ryo,

schade, dass Du der Meinung bist, das Paniq-Album sei (O-Ton) "Schrott". Meine Musikrichtung ist das zwar auch nicht, aber ich finde viele Sachen, die er macht, gleichermaßen originell und professionell. Über 300.000 Songaufrufe bei Last.fm und den großen Spendenbetrag, den er letztes Jahr zusammenbekommen hat, zeigen sehr deutlich, dass ich da längst nicht der einzige bin.

Es läuft doch, wie so oft bei Musik, auf folgendes hinaus: Persönlichen Geschmack. Jeder hat schließlich seine eigenen Qualitätskriterien. Ich persönlich kann mich für die schrägsten, klapprigsten Songs begeistern, so lange sie mich emotional ansprechen. Sauber produzierte Musik, die "einen Anspruch an Perfektion" erfüllt, empfinde ich oft als steril und tendenziell langweilig. Aber auch das ist persönlicher Geschmack (nenn' es gerne 'schlechten Geschmack', wenn Du möchtest).

Was ich an freier Musik reizvoll finde, ist gerade die Tatsache, dass sie nicht durch den Flaschenhals kommerzieller Verwertbarkeit gezwängt werden muss und dadurch vielseitiger sein kann als das, was im Radio läuft und immer dem Druck unterliegt, sich verkaufen und möglichst viele Leute ansprechen zu müssen.

Musik wird oft gerade da interessant, wo sich 8 Leute die Ohren zuhalten und 2 hellauf begeistert sind. So eine Polarisierung ist bei kommerziellen, oft glattgeschliffenen Songs die absolute Ausnahme. Ich finde zwar nicht, dass der professionelle Ansatz kommerzieller Musik per se schlecht ist, aber ich sehe auch nicht, wieso freie Musik diesem Ideal unbedingt nacheifern sollte (das selbe in grün, nur kostenlos und cc-lizensiert? Wozu?)

Konstruktiver Vorschlag: Erheb Deine Vorstellung von "guter Musik" nicht zum Maß aller Dinge, sondern such Dir einfach das raus, was Dir zusagt und halte Dich von allem anderen fern.

:)

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