DJ Vadim

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DJ VadimZu behaupten, dass DJ Vadim ein Verfechter von Gratis-Downloads im Internet wäre, wäre ein wenig vermessen. Um nicht zu sagen: von Grund auf falsch. Aber er hat jetzt bereits zum zweiten Mal Musikstück von sich zum Remix durch jedermann freigegeben - Creative Commons lizenziert. Wieso er das gemacht hat, und was er von Gratis-Downloads aus dem Internet hält, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest. :)

Christian: Hi Vadim, du bist ein ziemlich bekannter DJ und Produzent. Wieso hast du die Stems von zwei Stücken deines neuen Albums zum Remixen freigegeben? Andere Künstler fürchten freien Zugriff auf die Früchte ihrer Arbeit wie der Teufel das Weihwasser.

Vadim: Im Grunde geht es mir darum, meine Musik zu verbreiten und die Szene zu unterstützen.

Christian: Es ist jetzt nicht das erste Mal, dass du einen Remix-Contest veranstaltest. Werden durch solche Wettbewerbe mehr CDs verkauft?

Vadim: Mh. Das ist jetzt schwer zu sagen. Auf jeden Fall hat es weder meinem Ansehen noch den Verkäufen drastisch geschadet.

Christian: Eine ganz indiskrete Frage: Woran verdienst du mehr: Musikverkäufen oder Live-Auftritten?

Vadim: Ich verdiene an beidem.

Christian: Ok. Was davon bevorzugst du?

Vadim: Beides ist wichtig für die Industrie. Es gibt nichts besseres, als eine Live-Show zu rocken. Aber das hält nur einen Moment an. Genauso einzigartig ist es auch, einen fetten Track zu erstellen.

Christian: Du hast angekündigt, dass bei dem Sampler einige Cartoonisten Werke beisteuern werden. Kannst du hier schon ein paar nennen? Und wird die ganze Platte unter CC stehen? Einige Stücke davon werden das ja auf bestimmt tun.

Vadim: Ich kann leider noch nicht 100%ig sagen, wie sich die Sache entwickeln wird.

Christian: Also gibt es eine Chance, dass das Album unter CC veröffentlicht wird?

Vadim: Kann ich wirklich noch nicht sagen.

Christian: Was hältst du von "Musikpiraten"? Ich habe mal kurz durch verschiedene BitTorrent-Suchmaschinen geschaut und alle deine aktuellen Alben gefunden.

Vadim: Bastarde!

Christian: Ooook. Das ist ein Wort. Aber wärst du nicht viel wütender, wenn niemand deine Musik tauschen würde? Würde das nicht bedeuten, dass du nicht "gut" genug bist, um "gestohlen" zu werden? Andere Künstler wie DJ Danger Mouse promoten ihre Musik ja sogar gezielt per FileSharing.

Vadim: Naja, Danger Mouse hat 175.000 Kopien von seinem Album mit MF Doom und eine Millionen zusammen mit Cee-Lo verkauft. Er kann es sich leisten, seine Musik zum Tausch herzugeben.

Im Grunde genommen leben wir in einer Zeit, in der die Menschen davon ausgehen, dass es Musik kostenlos gibt. Ich denke, dass das falsch ist. Was wäre, wenn ich in den Haus gehe und irgendwas von deinem Zeug wegnehme? Das ist Diebstahl. Der einzige Grund, warum ich Filesharing akzeptieren kann ist in Orten wir Osteuropa, wo es keine Plattenläden gibt und die Leute kein Geld oder einfach nicht die Kultur haben, Musik zu kaufen. Aber wenn die Leute in UK, die keine Hemmungen haben ihre Kreditkarte in Primarks, Top Shop, Zara, H$M's und so zu zücken, mir erzählen, dass sie für Musik nicht zahlen wollen, dann stimmt da irgendwas nicht.

Wenn du etwas für umsonst bekommst dann schätzt du es in den meisten Fällen auch nicht. Das ist das Problem mit der UK-Musik-Szene. Sie ist ziemlich wankelmütig und keiner hört etwas, das nicht in den Top 40 ist - und niemand kennt ein einziges Musical. Es ist irgendwie so, als hätten wir unsere gesamte Musikkultur die Toilette runtergespült und mit bunten Bildern und Gratiszeugs ersetzt.

Ich kann die Leute nicht davon abhalten, Musik zu tauschen, aber ich hoffe, dass wenn jemand meine Musik mag, er dann wenigstens zu einer Show kommt, ein T-Shirt kauft oder mich sonst irgendwie unterstützt.

Christian: Und was sagst du zu den Entscheidungen der Gerichte weltweit, Sampling de facto zu verbieten? Einige ziemlich coole Projekte wie Kutimans Mashup Thru-You.com sind so streng genommen vollkommen illegal.

Vadim: Ein schwieriges Problem. Hängt davon ab, wen du fragst. Ich denke es hängt davon ab, wie du Sampling definifierst - und wieviel Eigenständigkeit in deinem neuen Stück ist. Wenn du einfach das alte Stück nur ein wenig aufbohrst, wäre das ziemlich unfair.

Christian: Das wäre nicht das, was ich Sampling nennen würde. Ich denke da eher an die klassiche Art. Ein Stück komplett in kleine Stückchen schneiden. Vom ersten Stück ein paar Akkorde, vom zweiten die Bassline, die Hit-Hats vom dritten und dazu eine eigene Melodie. Also das, was früher Standard im HipHop/Rap und auch bei Techno war.

Vadim: Also ich schwere mich nicht viel darum, was Regierungen machen. Die können ihren Arsch nicht von ihrem Ellbogen unterscheiden. Du kannst Sampling nicht stoppen. Um das zu machen, müsstest du jedes einzelne Release überwachen. Das ist unmöglich.

Christian: Radiohead haben große Schlagzeilen damit gemacht, dass sie ihre Album für einen frei gewählten Betrag verkauft haben. Kannst du dir so was für dich auch vorstellen?

Vadim: Naja, das ist eine tolle Idee. Einige Fans haben ziemlich viel für das Album bezahlt. Aber sie sind eine große Band mit einer riesengroßen Fan-Gemeinde...

Christian: Auch wieder wahr. Sag mal, wer will, kann deine Musik von deiner Webseite einfach rippen. Hast du keine Angst, dass jemand deine CDs nicht kauft, nur weil er deine Musik kostenlos bekommt?

Vadim: Nur weil ein Schnappsladen direkt neben deinem Haus ist, wirst du deshalb noch kein Alkoholiker. Genauso ist das auch mit Musik. Ich hoffe einfach, dass die Leute Qualität, die Verpackung und auch die künstlerische Integrität zu schätzen wissen.

Christian: Hast du mal darüber nachgedacht, ein Album direkt unter CC zu veröffentlichen?

Vadim: Nein.

Christian: Aber die Remixe, die zur Zeit erstellt werden (zumindest die auf ccmixter.org veröffentlichten), werden unter cc lizenziert sein. Also wäre nicht der nächste logische Schritt, ein ganzes Album unter cc-by-nc-sa zu veröffentlichen? Niemand dürfte legal damit Geld verdienen, das Remixen wäre erlaubt und deine Fans würden sich nicht strafbar machen, wenn sie die Stücke tauschen. Und wenn sie gut sind, werden sie sie tauschen. Oder würde dein Label dir so etwas nicht erlauben?

Vadim: Wenn es Remixe von meiner Arbeit sind, dann wäre sowas denkbar. Aber ich würde nicht viel von meinem Zeug kostenlos veröffentlichen. Ich würde es eher so machen wie Radiohead - erstmal.

Christian: Vadim, vielen Dank für deine Antworten! Ich würde manches gerne mit dir noch weiter besprechen, aber mir läuft die Zeit davon. Bist du in absehbarer Zeit mal in der Nähe, so dass ich dir ein Bier ausgeben kann und wir weiterplaudern können?

Vadim: Zur Zeit ist das nichts in Aussicht. Aber vielleicht bald...

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Kommentare (4)

Eine ganz indiskrete Frage. Woran
Doppelpunkt?

Der einzige Grund, warum ich Filesharing akzeptieren kann ist
zwischen zwei Verben immer ein Komma ;) Der Warum-Satz ist eig. nur eingeschoben.

zu einer Show kommt. Ein T-Shirt kauft oder mich sonst irgendwie unterstützt.
Komma statt Punkt in der Mitte? @Aufzählung

was ich Sampling nennen würde
Du kannst sampling nicht stoppen.
Groß oder klein, entscheidet euch! ;)

Naja, das ist eine Tolle Idee.
toll klein weil Adjektiv

mal in der nähe
Nähe groß weil Nomen.

Ich find den letzten Teil mit dem Bier unnötig. Allg. nicht wirklich interessantes Interview, nix beim gescheiterten Bekehrungsversuch rausgekommen und die Fronten kennen wir ja schon. Wobei ich's witzig finde wie er in irgendeinem der letzten Absätze das Rippen von der Seite verteidigt, FileSharing aber verachtet. Immerhin ist das Ergebnis dasselbe: Freie Musik.

Dafür, dass du das Interview nicht interessant fandest, hast du es aber ganz schon gründlich gelesen. *G* Typos sind korrigiert.

Es ging bei dem Interview auch nicht wirklich darum, ihn zu CC zu bekehren - auch wenn das ein geniales Ergebnis gewesen wäre. :) Vadim ist einer der Produzenten, die mit dem Musikgeschäft ziemlich entspannt umgehen und ihre Werke auch teilweise - wenn auch nur zum Remixen - freigeben.

Den Teil mit dem Rippen und seine Abneigung gegen Filesharer fand ich auch lustig - widerspricht sich ein wenig. Vor allem, weil es ihm ja im Endeffekt relativ egal ist, wo sein Geld herkommt. Ich denke, er könnte ein CC-Artist werden - sofern die kommerzielle Verwertung weiterhin sichergestellt ist.

Ich les immer alles gründlich, nur so kann ich mir ne echte Meinung bilden. ^^
Solange es immernoch Leute wie Cory Doctorow gibt, ändere ich nicht meine Ansichten darüber, dass Medien über CC zu verteilen dem Geldbeutel schadet. Er ist Science-Fiction Autor und hat sein ganzes Zeug hochgeladen - und trotzdem macht er "a good living", d.h. einen guten Unterhalt davon und sieht die Sache vollkommend entspannend. Es müsste mehrere Interviews zu ihm bei golem.de und Elektrischer Reporter geben.
Wobei man sich jetzt streiten kann ob es ein so extremer Komfortverlust ist, mehrere hundert Seiten dicke Bücher in .pdf zu lesen, dass man zur gebundenen Fassung greift - immerhin gibt's ja auch eBook-reader. ^^

Ich denke nach wie vor bei der FileSharing Strategie würde der relative Anteil der Käufer sinken, der absolute jedoch steigen, wenn man es geschickt unter die Leute mischt. D.h. von 20'000 Leuten kaufen es sich vielleicht nur 300 - aber das wirft mehr Gewinn ab, als wenn es von 120 Leuten 70 kaufen. Ist natürlich alles eine Frage der Werbung. Cory Doctorow hat's geschafft, er meinte, alle hätten spekuliert, was man mit eBooks machen kann und sein Verleger sei ein "helles Köpfchen" gewesen und's einfach ausprobiert - tadaa!

Es gibt auch Musiker, die es sich leisten können, ihre Musik unter CC freizugeben - und trotzdem rein davon leben. Gibt Vadim ja auch zu. :) Aber der Weg bis dahin ist schwierig - vor allem muss erstmal der geistige Sprung geschafft werden, dass Musik immer "getauscht" werden wird - egal ob es legal ist, oder nicht. Mit einer cc-by-nc-nd-Lizenz erlaubt man nur das unentgeltliche Tauschen sowie die Aufführung incl Namensnennung. Das zu erlauben sollte keinem Künstler einen Zacken aus der Krone brechen - und die Fans stehen dann nicht mehr als Buh-Männer da.

(Über Cory hatte ich auch schon als "Band des Monats" nachgedacht. *G*)

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