Ey Lou Flynn

Ey Lou FlynnEines der ganz besonderen Stücke auf dem Free! Music! Sampler ist ohne Frage das Laternenlied von Ey Lou Flynn. Uns alle quälte die Frage: Was steckt hiesen diesem Lied? Genie oder Wahnsinn? Die Antwort scheint irgendwo dazwischen zu liegen - gepaart mit einer wahren Überdosis Kreativität...

Christian: Hi Ey Lou Flynn, erzähl doch mal kurz ein paar Wort von dir. Wer bist Du? Wo kommst Du her? Was machst Du, wenn Du nicht gerade auf Tournee bist?

Ey Lou Flynn: Hallo! Ich komme aus Offenbach, ein Alptraum von einer Stadt. Die meisten Frankfurter bestätigen das sofort. Hier habe ich Anfang 2008 mein Ein-Mann-Musikprojekt gestartet, bin also noch nicht so lange dabei. Songs schreiben, aufnehmen, aufführen, Musikvideos drehen, Website in Stand halten, ich mache alles selbst.
Die Musik, die dabei rauskommt, klingt in etwa wie eine schräge Mischung aus Helge Schneider, den Ärzten und Funny van Dannen. Mittlerweile habe ich ein Album fertig, das heißt "Naja, ich hab' mein Bestes gegeben!", außerdem gibt es auf meiner Seite jeden Montag einen neuen Song, alles kostenlos und Creative-Commons-lizensiert. Richtige Tourneen durchs ganze Land kommen vielleicht später mal, so weit bin ich noch nicht. Dafür kann man mich für Hauskonzerte buchen.
Ich muss mich also weder mit einem Label, noch mit Konzertveranstaltern rumschlagen, um ein paar Hörer und Fans zu erreichen. Im Internet geben die ersten Bands schon Online-Konzerte per Live-Stream, vielleicht fange ich damit auch bald an.

Christian: Du hast aber doch bestimmt schon angefangen, Musikinstrumente spielen zu lernen bevor du nach Offenbach gezogen warst?

Ey Lou Flynn: Ja, zumindest teilweise, aber ich kann leider keine Heldenstory anbieten, nach der ich schon vor meiner Geburt Rockstar werden wollte oder so. Mit 15 hatte ich meine erste Gitarre, aber die diente eherdazu, Mädchen zu beeindrucken (hat nicht wirklich funktioniert), ansonsten stand sie wie viele Gitarren meistens in der Ecke. Instrumente sind für mich erst später richtig interessant geworden, als ich kapierthabe, dass ich damit eigene Musik machen kann, statt nur bekannte Stückenachzuspielen.

Christian: Und wieso lizenzierst du deine Stücke unter CC?

Ey Lou Flynn: Ganz ehrlich: Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Wenn unbekannte Bands und Musiker eine Chance haben wollen, müssen sie ihre Musik verbreiten, um neue Hörer und Fans zu finden. Die eigenen Songs unter Verschluss zu halten und nur gegen Geld unter strengen Auflagen rauszurücken, ergibt einfach keinen Sinn, nicht bei Millionen anderer Songs, die frei im Internet kursieren.
Creative Commons hat aber nicht zur Folge, dass sich Leute in Massen auf meine Musik stürzen, so einfach ist das auch nicht. Eine Band, die von einem großen Label quer durch alle Medien gehyped wird, ist für die meisten Musikhörer grundsätzlich viel attraktiver als jeder unbekannte Musiker, Gratissongs hin oder her. Da kann man nichts machen, so funktioniert Popmusik eben.

Christian: Wohl wahr... Wie viele Instrumente kannst du eigentlich spielen?

Ey Lou Flynn: Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier. Das klingt jetzt verdammt cool, aber "spielen können" heißt in meinem Fall nur, dass es ausreicht, um meine eigene Musik aufzunehmen oder live mit der Gitarre aufzuführen.
Wenn ich zwischen mehreren Nebenjobs (Jonglierkurse, Nachhilfe, Musikworkshops für Jugendliche, ab und zu Kellnern...) und meinem wahrscheinlich nie endenden Studium mal Zeit habe, übe ich natürlich, bis die Nachbarn die Polizei holen. Es sei denn, ich finde eine Ausrede, warum ich gerade an diesem Abend nicht kann.

Christian: Was wäre dir langfristig lieber: Hunderttausende Platten verkaufen, oder vor einem begeisterten Publikum spielen?

Ey Lou Flynn
Das Video zu diesem Bild gibt es bei YouTube

Ey Lou Flynn: Hunderttausende verkaufter Platten stehen wahrscheinlich für finanzielle Sicherheit, ja? Dann würde ich mich für das begeisterte Publikum entscheiden und am Monatsende mit Blick auf den Kontostand überlegen, ob die Plattenverkäufe nicht doch sinnvoller gewesen wären.
Solche astronomischen Verkaufszahlen wären für mich aber sowieso nie drin, jedenfalls nicht mit dem anarchischen Geschrammel, das ich abliefere. Wer in erster Linie gut verdienen will, sollte sein Glück lieber nicht ausgerechnet mit Musik versuchen, das klappt ja doch nur selten. Die Hauptmotivation sollten immer Spaß am Musikmachen, Selbstverwirklichung und das begeisterte Publikum sein. Klar wäre es sehr hilfreich, wenn es dafür irgendwann auch noch Geld gäbe. Einige wenige Musiker schaffen das, zum Beispiel Jonathan Coulton - und das ausgerechnet mit bezahlten Downloads seiner Creative Commons-Songs.

Christian: Wie hast Du eigentlich gelernt, so tolle Songtexte zu schreiben?

Ey Lou Flynn: Danke für das Kompliment. Zu meinen Songtexten kriege ich von "total genial" bis "was ist das denn?" so einiges zu hören. Zumindest in meinem Fall ist das einfach nur Übung. Man schreibt einen Text nach dem anderen und irgendwann wird einer dabei sein, der nicht völligerSchrott ist.
Von da an geht es aufwärts. Ich glaube aber, zwei Voraussetzungen sindwichtig: Zum einen sollte man schreiben können, also allgemein ein Gefühl für Sprache haben. Zum anderen muss man einfach ein Bedürfnis und Spaß daran haben, Songs zu schreiben und sich dadurch auszudrücken. Wer das als reine Pflichtübung betrachtet, wird wahrscheinlich nicht viel zu Stande bringen.

Christian: Wie viele Alben müssen noch gekauft werden, bis es ein neues Album von dir gibt? (Und wie viele wurden schon verkauft? :))

Ey Lou Flynn: Das Album gibt es erst seit einer Woche auf CD. Wer es tatsächlich kauft, muss sehr willensstark sein, denn direkt neben der CD-Variante prangt ein großer Link zum kostenlosen Download. So ähnlich, wie du das beim Free Music Sampler aufgezogen hast. Ich müsste nach und nach ein paar hundert Alben verkaufen, um die Herstellungskosten wieder rein zu kriegen, das will ich schon gerne erreichen.
Davon abgesehen bin ich auch zufrieden, wenn sich viele Leute die Songs runterladen und vielleicht auch in Zukunft immer mal wieder bei mir vorbeischauen.

Christian: Ja schon. Aber der Download wird halt nicht parfümiert. Und auch dieFlyer kann man nicht einfach runterladen. Außerdem kann man Downloadsfürchterlich schlecht als Geschenk einpacken...

Ey Lou Flynn: Oh, du hast recherchiert! Wenn ich ein paar CDs verkaufen will, muss ichden Kauf ja auch irgendwie attraktiv machen. Das klingt jetzt nachextrem dreister Schleichwerbung, aber ich will es mal kurz ausführen.
Ey Lou FlynnWer eine CD bestellt, bekommt noch eine CD-ROM mit Bonusmaterial dazu,etwas Merchandise, auf Wunsch einen parfümierten CD-Einleger, einenkleinen Snack und dazu noch unangekündigt ein zweites Exemplar desAlbums, auf dem "verschenk mich" steht. Das klingt nach einer MengeZeug, aber es bedeutet für mich kaum Aufwand und der CD-Kauf wird zueinem kleinen Erlebnis. Vor 10 Jahren hätten sich die großen Labels indiese Richtung mal ein paar Gedanken machen sollen, dann wären sie heutewahrscheinlich noch gut im Geschäft.

Christian: Wie kommt's, dass du ausgerechnet der CDU ein Lied geschrieben hast? Haben die anderen Parteien sich noch nicht genug Mühe gegeben?

Ey Lou Flynn: Ganz ehrlich, wer wählt diese Partei? Und wie viele ihrer Wähler stimmen wirklich mit der CDU-Politik überein, wie viele greift sie nur mit ihrer Rhetorik ab? Das hat mich so beschäftigt, dass ich einen ironischen CDU-Song aufgenommen habe. Darin wird die Partei so dargestellt, wie ich sie im vergangenen Bundestagswahlkampf empfunden habe: Jede Menge leicht durchschaubares Heile-Welt-Gesülze ohne politischen Inhalt und zwischendurch "wählt CDU"-Parolen.
Der Schuss ist leider etwas nach hinten los gegangen, ich bin zum Beispiel vorwurfsvoll gefragt worden, ob ich Mitglied in der Jungen Union sei. Wahrscheinlich war meine Parodie vom Original nicht zu unterscheiden.

Christian: Oh. Das ist bitter. Ich hoffe, du konntest mit leichten Schlägen aufdie Hinterköpfe die Wahrnehmung der entsprechenden Personen wiedergerade rücken. :)
Letzte Frage: Wann und wo hat man denn mal die Chance, die live zu sehen?

Ey Lou Flynn: Die letzten Wochen war ich nur mit dem Album beschäftigt, von daher kannich gerade keinen festen Termin anbieten. Ich empfehle gelegentliche Webseitenbesuche oder meinen Newsletter. Mit dem spamme die Abonnenten auch nur einmal im Monat zu.

PS: Wer wissen will, wie Ey Lou Flynn zu seinem Namen gekommen ist, kann das auf seiner Webseite nachlesen... Und wer ein Exampler seines Albums gewinnen will, kann dies über das Kontaktformular bekunden. :)

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Kommentare (11)

[...] ist ein deutschsprachiger Spaßpunker, der auch schon auf dem Free! Music! Sampler erschien und im Interview war. Es lohnt sich auf jeden Fall mal bei ihm [...]

[...] Musikpiraten haben noch ein nettes Interview mit ihm. Ausserdem gibt es auf seiner Website noch etliche Informationen zum Namen, Album [...]

Hoch lebe unser Gott Ey Lou XD

[...] Er mich, meinte ich. Also, er hat mich gelöchert, genau. Herausgekommen ist ein waschechtes Ey-Lou-Flynn-Interview, bitte lesen und kommentieren, okay? [...]

Schönes Interview! Der Laternensong gefällt mir von mal zu mal besser. Und wenn die Junge Union das Lied nicht kapiert hat - versucht's mal mit zuhören. Hat sich denn der Rolling Stone schon mal gemeldet? Die lassen den Bereich der freien Musik - vor allem in Deutschland - doch völlig hinten runterfallen...

Ach, ich schätze, wenn ich jeden Tag 'ne CD in die Restmülltonne pfeffern würde, wäre meine Chance auf positives Feedback immer noch deutlich größer, als wenn ich den Rolling Stone damit bestücke.

Obwohl CDs technisch gesehen in den Wertstoff gehören...

Hastes mal in deren Forum probiert? Da sind auch immer welche von der Redaktion unterwegs - und es gibt ne Ecke, wo man sein eigenes Werk schamlos anpreisen kann.

Mir ist eigentlich relativ wurscht, ob ich in irgendwelchen Medien erscheine. Dauernd freundliche Mails schreiben, Promomappen zusammenstellen, abgewiesen werden, glücklich sein, wenn ein Magazin mal was schreibt... nee, nee, der Aufwand ist mir viel zu hoch und die Zeit hab ich dafür schon gar nicht. Rentiert sich m.A.n. auch nur für etablierte Bands oder solche, die dieses Presse-Ding gleich im ganz großen Stil betreiben (können).

Hallo Christian!

An so einem ausführlichen Interview (mit mir) könnte sich der Rolling Stone mal ein Beispiel nehmen. Vielen Dank für diese Präsentation! Ich hoffe, die Blogleser finden die Antworten nicht zu langatmig (WEHE, Leute! ;-)

Wenn ich es jetzt noch schaffe, den Captcha einzugeben... mal sehen, dann haben wir einen Kommentar...

Ach so ja, und wenn ich darf: Hier gibt's mein Album zum Download

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