Try^d

Try^d - ListentryadtryadTry^d sind bei Jamendo mit Abstand die Nummer 2, was die Spendesumme angeht. Fast 800€ kamen bei ihnen schon zusammen. Im Vergleich zu über 20.000 Downloadern sicherlich nicht die Welt, aber aller Anfang ist bekanntlich schwer. Grund genug, dieser Band etwas auf den Zahn zu fühlen...

Zur akkustischen Untermalung des Artikels empfehlen wir "You Are God" vom Album "Listen", eines der schnelleren Stücke der Band.

Lizenz: cc-by-sa.

Christian: Hi Vavrek, du bist eines der Gründungsmitgieder von Try^d. Ihr sagt von euch, dass ihr eine virtuelle Band seid. Was genau bedeutet das?

Vavrek: Wir haben den Begriff "virtuelle Band" gewählt, um damit eine Musiker-Formation zu beschreiben, deren Mitglieder gemeinsam über das Netz zusammenarbeiten. Die Gründungsmitglieder von tryad hatten sich nie zuvor persönlich gesehen, bevor sie angefangen zusammen zu musizieren. Die meisten Leute von uns waren niemals an einem gemeinsamen Ort.

Christian: Wer ist denn zur Zeit Try^d?

Vavrek: Naja, als globales Kollektiv ändert sich das permanent. Zu den aktivsten Mitgliedern zählen rjmarshall, ema, _scott waddell, john holowach, arna, realaze, ioeo, subatomicglue, karen rustad, hanani, daniel laufer, ich - und noch viele weitere.
Diese Dynamik an beteiligten Musikern erzeugt die gesunde Abwechslung in tryads Sound und Stil. Wir sind immer offen für neue Künstler und Beziehungen, wir sind sehr interessiert und gespannt darauf, in welche Richtung unsere Musik in der Zukunft gehen wird.

Christian: Wie wurde denn Try^d gegründet? An diversen Stellen im Netz liest man, dass opsound eine Rolle gespielt hat?

Vavrek: Tryad wurde ursprünglich von rjmarshall, john holowach und mir gegründet. Wir haben uns im Forum von opsound.org getroffen und haben Audio-Files ausgetauscht, daraus wurde dann nach und nach das Album "public domain".

john holowach schlug dann den Namen tryad vor - weil wir drei an der Zahl waren, und wir haben dem Namen zugestimmt. Unser erstes Stück war 'the final rewind', das zweite dann 'our lives change'.

Als wir die beiden Stücke erschaffen hatten, habe ich die Sängerin Arna Garcia aus Seattle eingeladen. Anna brachte ihr eigenes Material ein und fing an, zu Stücken von rj und john zu singen. Zum Ende von "public domain" kam dann ema dazu und steuerte weitere Vocals bei. Eventuell wird sie eine prominente Rolle im nächsten Album "listen" einnehmen.

Nachdem "public doman" fertig war, haben sich rjmarshall und arna anderen Live-Bands angeschlossen und haben sich eine Auszeit von unserem Kollektiv genommen, aber beide haben Interesse bekundet, in Zukunft wieder bei tryad mitzumachen.

the ^ in tryad is paying respects to uber geekdom

Christian: Nennt ihr euch jetzt eigentlich tryad oder Try^d? Und wäre Try^d eine Hommage an die Welt der Geeks?

Vavrek: Wir nennen uns selber tryad oder try^d, mit Großbuchstaben am Anfang oder auch nicht. Und ja, mit dem ^ in tryad zollen wir dem Über-Geektum Respekt.

Christian: Wie entscheidet ihr, wer eurer Gruppe beitreten darf? Und wie genau läuft eure Zusammenarbeit ab?

Vavrek: Wir sind für jedermann offen der bei uns mitmachen möchte und Einsendungen werden auf individueller Basis geprüft. Wir kommunizieren am meisten per E-Mail und tauschen die Audio-Files per FTP aus. Einige Tracks wurden von mir persönlich ausgewählt, andere stammen aus dem allgemeinen Pool an Creative Commons-Stücken.
Als Kopf von tryad habe ich das "letzte Wort" darüber, was released wird oder nicht, aber im Allgemeinen stimmen wir überein und es kommt eigentlich nie zu Konflikten.

Christian: Try^d ist eine der Bands bei jamendo, die am meisten Spenden erhält. Wie sehen denn die Verkäufe ausserhalb aus?

Vavrek: Tryad war nie eine große Geldmaschine und war auch nie als solche gedacht. Die Gelder von Jamendo haben in letzter Zeit nett zugenommen, aber es gibt definitiv noch keine Chance für uns, unsere normale Arbeit aufzugeben.

Ich persönlich würde es lieben, wenn wir genug Unterstützung hätten, um uns mehr auf tryad und die musikalische Weiterentwicklung zu fokussieren. Es wäre großartig zu sehen, wie sich unsere Gruppe zu einer Live-Multimedia-Performance entwickelt und ganze Stadien füllt. Unsere Musik hat definitiv das Zeug dazu, und wir werden diesen Traum weiter verfolgen.

Ich hatte gehofft, dass Jamendo sich dahin wandelt, für seine erfolgreichtsten Künstler mehr in Werbung und das Planen von Tourneen zu investieren, aber in meinen letzten Besprechungen mit ihnen haben sie diese Rolle immer abgelehnt. Ich finde das sehr unglücklich, denn Werbung und Touren könnten der Schlüssel zu einem erfolgreichen Creative Commons-Geschäftsmodell sein - und natürlich eine riesen Menge Spaß für alle beteiligten.

Christian: Euer Stil ist hart zu beschreiben. Er liegt irgendwo zwischen Trip Hop, Pop, Ambient und Rock. Wie kommt ihr zu so einer verrückten Kombination?

Vavrek: Bei einem so breiten Pool von Talenten und Stilen, wie ihn unsere Mitglieder mitbringen, ist es nur natürlich, dass auch unsere Musik einfach nur Genre übergreifend ist. Viele der Künstler, die mit uns zusammenarbeiten bekommen auch von uns wieder Inspiration, mir geht das genauso.
Mit jeder tryad-Performance bewege ich mich weiter zu etwas anderem, komplett von den vorherigen Aufnahmen verschiedenem. Tryad hat mich in Richtungen gebracht, in die ich niemals alleine gegangen wäre.

Von Anfang an wollten wir, dass die Musik von tryad so offen und frei wie möglich ist.

Christian: Ihr erlaubt sogar die kommerzielle Verwertung eurer Arbeit. Das ist relativ selten für CC-Künstler. Wieso habt ihr euch für diese Lizenz entschieden?

Vavrek: Von Anfang an wollten wir, dass die Musik von tryad so offen und frei wie möglich ist. Gerade bei der kommerziellen Verwertung wollten wir es allen so einfach wie möglich machen. Bei so vielen verschiedenen Kreativen, haben wir eine Lizenz gebraucht, die es jedem - und natürlich auch uns – erlaubt, kommerziellen Nutzung aus unserem Sound zu ziehen.

Unser Ziel ist wahre, musikalische Freiheit - für uns und für alle.

Unsere Creative Commons-Lizenz ist sehr ähnlich wie die 'general public license', unter der freie Software wie Linux veröffentlicht wird, also frei für kommerzielle Verwendung. Unsere Absicht war tryad-Musik so offen zu machen, um die Chancen zu erhöhen, dass sie gehört wird und vielleicht in so sogar in Märkte wie Film und Fernsehen vordringt.

Natürlich ist es auch nett, wenn bei solchen Geschäftsmodellen auch für uns etwas abfällt. Die meisten teilen freiwillig mit uns.

Christian: Also macht ihr Musik nur aus Spaß an der Freude, oder spielen auch professionelle Musiker bei euch mit?

Vavrek: Soweit ich weiss, ist keines der tryad-Mitglieder ein "professioneller Musiker" in dem Sinne, dass er nur vom Erstellen von Musik leben kann. Eine Anzahl von ihnen ist extrem talentiert, aber wir haben alle noch Jobs, die mindestens genauso wichtig sind.
Für mich wäre es ein Traum, wenn ich mich Vollzeit auf tryad konzentrieren könnte. Schaun wir mal, was die Zukunft bringt.

Links

Webseite von Try^d: tryad.org
Try^d bei Jamendo: www.jamendo.com/de/artist/tryad

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Kommentare (3)

Ich hab grade gelesen, dass das nächste Album "The Tree" heißen soll.
http://tryad.org/thetree/

Warum spricht er denn von "dem neuen Album listen"? Ich dachte das wäre schon draußen.

Ist es auch... Werde mal nachhaken.

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