Chillheimer

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ChillheimerAuch diesen Monat wird es wieder elektronisch. Auf speziellen Wunsch eines treuen Lesers haben wir dem Berliner Chillheimer ein wenig auf die Zähne gefühlt. Natürlich nicht, ohne vorher seine Musik ausführlich zu testen, dabei entdeckten wir dann ein paar echte Schmuckstücke.

Zum Reinhören sei hier das Pree-Free-Release "Time" empfohlen, lizenziert unter cc-by-nc-nd. Wem das Stück gefällt, der kann auf der Seite von Chillheimer für seine Befreiung spenden und erhält ihn vorab in hoher Qualität zur Verfügung gestellt. Das Pre-Release ist mit 128 kBit/s encodiert.

Christian: Hi Chilli, erzähl doch mal kurz etwas zu deiner Person.

Chilli: Ich bin gerade 30 geworden und lebe in Berlin und komponiere elektronische Musik seitdem ich mit 12 Jahren Protracker für Amiga in meine Finger bekommen habe. Ab diesem Moment war eigentlich schon klar, dass für mich auch beruflich nichts anderes in Frage kommt. Unglaublicherweise hat das auch (größtenteils) so geklappt wie ich mir das vorgestellt habe und so verdiene ich seit guten 6 Jahren meinen Lebensunterhalt als angestellter Audio-Produzent bei einer Softwarefirma.
Da der Tag aber mehr als 9 Stunden hat, und ich außer Musik fast nichts kann setzte ich mich oft abends noch hin und arbeite an der Musik die mich auch privat wirklich reizt.

Christian: Was wäre das für Musik?

Chilli: Das hängt ganz davon ab. Ich denke ich kann sagen, dass ich schon so gut wie alles gemacht habe und jeder Stilrichtung irgendetwas abgewinnen kann. Ich versuche gerne mir das beste aus den verschiedenen Welten zu meinem eigenen zusammen zu schustern..
Wobei es schon einen roten Faden gibt, auf den mein Name schon hinweist: chillig muss es sein, entspannt, schöne Melodien, gerne mal sphärisch. Zwar auch mal tanzbar, aber nur wenn man sich dabei in den Melodien verlieren kann.
Zur Zeit mache ich sehr gern Deep Minimal und arbeite am Nachfolger von Sonnentanz, außerdem versuche ich mich immer wieder daran mein "Chillout-Opus" Mindtravel endlich fertig zu bekommen, aber da muss einfach alles stimmen und bisher bin ich noch nicht zufrieden.

Christian: Würdest du sagen, dass das Arbeiten mit dem Tracker dich in Richtung CC-Musik gebracht hast? Bei den Trackern ging es ja primär darum, seine Musik frei weiterzubreiten und gerade das Remixen war deutlich einfacher, als wenn man fertig abgemischt Songs bekommt.

Chilli: Nein. Zu der Zeit als ich mich mit Trackern beschäftigte hatte ich noch kaum vom Internet gehört und erst recht hatte ich noch keinen Anschluss. Ich wusste nichts von irgendeiner Szene oder worum es bei Trackern ging, das war für mich einfach eine Möglichkeit abgefahrene Töne aus dem Rechner zu locken und das hat mich angefixt. Leider (oder auch zum Glück) sind sämtliche Tapes von damals verschollen..
CC hab ich erst wahrgenommen als ich mich 2004 dazu entschloss meine Musik gratis im Netz zu veröffentlichen. Da wollte ich natürlich rechtlich irgendwie auf der sicheren Seite sein und bin bei der Recherche über die Creative Commons-Lizenz gestolpert. Und das war genau was ich gesucht hatte.
Auch wenn es da noch viel Raum für Verbesserungen gibt. Ich halte es für dringend erforderlich ein Modell für die kommerzielle Nutzung aufzubauen, sodass man auch als CC-Künstler von seiner Arbeit leben kann. Bis heute gibt es ja keine wirklich praktikable Alternative zur GEMA.

Christian: Wohl wahr. Aber die ist halt leider für Künstler, die ihre Fans nicht mit dem Anwalt jagen wollen nicht unbedingt erste Wahl. Achtung, Themenwechsel!
Wann wird deine neue Webseite fertig sein? An vielen Stellen sieht man ja noch Baustellen-Schilder - und die CC-Hinweise fehlen vollkommen. :)

Chilli: Da hast Du Recht... Das Projekt ist (wie eh und je) eine große Baustelle.. Und jetzt wo Du es sagst, die CC-Hinweise sind wirklich wichtig, das nehme ich direkt in Angriff. Mein Hauptproblem ist der Zeitmangel.
Ich hab einen Vollzeit-Job, dann das große Hobby Musik (die ganzen Songs auf der Seite wollen ja auch irgendwann produziert werden), vom restlichen Leben, Freundin, Freizeit, Haushalt usw. mal ganz abgesehen.
Die Seite, wie sie jetzt ist, hat mich (als alte Webdesign-Null) ca. 1/2 Jahr Arbeit (sprich Freizeit) gekostet und ich bin mir sicher dass es mindestens nochmal so lange dauert bis wirklich alle Sektionen gefüllt sind.
Insbesondere die "Music-Biz"-Info Sektion ist ja mit riesigem Recherche-Aufwand verbunden, da kann ich ja nicht einfach Halbwahrheiten reinschreiben. Und es ist unglaublich wieviel Halbwissen in so manchen Bereichen umhergeistert. Frag z.B. fünf Leute zum Thema Gema und Du erhältst fünf vollständig unterschiedliche Antworten, selbst unter Profis ist da oft einiges an Falschinformationen dabei.
In dem Bereich suche ich deshalb auch etwas Unterstützung von Leuten mit echtem Fachwissen. So ganz alleine ist das in absehbarer Zeit nicht zu schaffen.

Christian: Wie sieht's denn mit Verkäufen aus? Du bietest deine Musik ja kostenlos an, kauft sie trotzdem noch wer? Und du hast ja jetzt auch Versuche gestartet, bei einzelnen Stücken erst Spenden zu sammeln, bevor sie freigegeben werden, klappt das?

Chilli: Dazu kann ich im Moment leider noch nichts sagen, da es die Kauf-Option (über iTunes, Amazon & Co.) im Moment nur bei "Sonnentanz" gibt und ich gespannt auf die Abrechnung von iMusician warte, über die ich das Album in die Shops gebracht habe. Bisher gibt es noch keine Zahlen, die ich aber gerne nachreiche.
Die "Direkt"-Kauf-Option läuft noch nicht, aber da bin ich im Moment dran (VDSL-->Server aufsetzen--> Shopsoftware installieren und alles korrekt einbinden). Ich hoffe ich bekomme das bis Mitte Februar alles gebacken.

Ursprünglich hatte ich ja gedacht, dass sich die Seite über normale Spenden wenigstens selbst finanziert und ich mir ab und an etwas Equipment zum musizieren leisten kann. Leider kamen da in fünf Jahren insgesamt nur ca 120€ zusammen und das bei tollen Downloadzahlen und vielen schönen Kommentaren im Gästebuch. Und so habe ich mir das mit den Shops und der Songbefreiung überlegt.
Die "Spende für Songbefreiung"-Aktion hat bisher zwar nicht viel eingebracht, aber da bin ich guter Hoffnung, dass sich das noch ändert - ich habe auf jeden Fall noch einige Songs in petto, Tendenz steigend.
Und aufgeben werde ich so oder so nicht. Dazu bin ich viel zu sehr Idealist.
Ich hatte zwar schon Angebote meine Musik bei Labels unterzubringen, aber dann müsste ich viele Freiheiten aufgeben, müsste der GEMA beitreten wenn ich wirklich davon profitieren will und würde ein System mitfinanzieren welches früher schon unfair war und das in meinen Augen durch das Netz seine Daseinsberechtigung verloren hat.

Und wenn es keine guten Alternativen gibt, muss man sich diese eben selber schaffen.

Christian: Eine perfekte Aussage, um dieses Interview abzurunden. Vielen Dank für deine Antworten und noch viel mehr Glück mit deinem Projekt!

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Herzlich willkommen in meinem kleinen Blog!
Hier werde ich wohl meine verrückten Entdeckungen und Ideen präsentieren. Los gehts heute mit 2 CreativeCommons-Musik Neuentdeckungen von mir, und zwar einmal ist das der von den Musikpiraten zusammengestell...

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