Tonträger

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Tonträger
Die Tonträger kennen keine Langeweile. Mit fröhlichem Rock'n'Roll und ironischen, ausgetüftelten Texten begeistern sie in und rund um Berlin seit über vier Jahren ihr Publikum. Nein, die Tonträger sind in diesem Fall keine CDs, sondern eine Band. Die Band des Monats Juli, genauer gesagt. Lennart, Gitarrist und Songwriter der Band, stellte sich für ein Interview zur Verfügung.

Lou: Hallo Lennart! Vielen Dank für das Interview, das du uns gleich geben wirst.

Lennart: Hallo Ey Lou, sehr gerne! Ich dachte schon, ich müsste mich mein Leben lang selbst interviewen, wenn ich vorhabe, der Öffentlichkeit mediales Interesse an meiner Person weis zu machen!

Lou: Beginnen wir mit einer Frage, die vielen Bands die Schweißperlen auf die Stirn treibt: Mit welchen griffigen Worten würdest du jemandem eure Musik beschreiben, der noch nie etwas von den euch gehört hat?

Lennart: Da im echten Leben als schmissig inszenierte Slogans (derer wir durchaus einige vorzuweisen haben) eher mit Befremden quittiert werden, versuche ich es mal mit Folgendem: Tonträger, das ist schmissig swingende, ausgeklügelt arrangierte Rock'n'Roll-Musik, die stark von den 60er Jahren beeinflusst ist, kombiniert mit hintergründigen, wortspiel- und reimreichen, oft ironischen Texten über die Liebe und die Absurdität der Welt.

Lou: Das kann man so stehen lassen, denke ich. Kommen wir nun zur Bandgeschichte:

Ihr habt ja als Schülerband angefangen, miteinander Musik zumachen. Andere Schülerbands schrammeln sich beherzt durch ein paar schulinterne Auftritte und brechen irgendwann auseinander. Ihr seid dagegen zusammengewachsen und habt euch richtig reingehängt. Hat sich da einfach nur das ideale Viererteam gefunden oder gab es auch Unterstützung aus eurem Umfeld?

Lennart: Es war natürlich großes Glück, dass wir uns gefunden haben, die wir - wie sich später herausgestellt hat - so lange und so ausdauernd die Begeisterung für die selbe Sache teilen. Eltern und Freunde müssen an dieser Stelle in jedem Fall als sehr wichtige Unterstützer genannt werden, die wissen aber selber, welche unschätzbaren Hilfen sie uns gewesen sind. Sei es durch aktive Beteiligung, wie z.B. Fotos für die Band zu machen, sei es nur durch die Geduld, die man mit uns hatte. Ich fürchte, wenn ich jetzt noch mehr sage, driftet es ins Pathetische oder Phrasenhafte ab und damit ist ja keinem geholfen.

Von ausschlaggebender Bedeutung war in jedem Fall, dass wir (wiederum durch umfeldliche Unterstützung) schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt einen Proberaum gefunden haben, der uns ständig zur Verfügung stand und den wir bis heute unterhalten, technisch aufrüsten und der uns auch als Studio dient. Die Möglichkeiten, die wir dadurch hatten, können mit Fug und Recht als "beflügelnd" bezeichnet werden!

Lou: Und ich hatte mich schon gefragt, ob ihr vielleicht wie die Beatles eure Lehrjahre mit ellenlangen Mördersets in Hamburger Stripclubs verbracht habt. Ein Proberaum und wohlwollende Mitmenschen sind natürlich auch nicht zu verachten.

Nach eurem Abitur habt ihr ein akademisches Sabbatjahr eingelegt und euch fast ausschließlich eurer Band und eurer Musik gewidmet. Herausgekommen ist unter anderem "Späm", das vierte Tonträger-Debütalbum, das sich wirklich hören lassen kann. Warum habt ihr eigentlich nicht noch 10 Jahre so weiter gemacht?

Lennart: Vielen Dank erst mal für das Kompliment!

Lou: Nichts zu danken. Erzähl!

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Lennart: Dass das nicht immer so weitergehen konnte, lag allein schon aus finanziellen Gründen auf der Hand, bedauerlicherweise sind wir nämlich noch weit davon entfernt, unseren Lebensunterhalt mit der Musik verdienen zu können. Wir hätten wahrscheinlich Ideen und Projekte genug, um erst mal eine ganze Weile alles andere abzusagen, ohne Gefahr zu laufen, nichts mehr zu tun zu haben.

Auf der anderen Seite: Ich befürchte, durch so eine einseitige Fixierung würde irgendwann einfach der Bezug zur restlichen Welt flöten gehen. Songs wie "Mein Weg zum Proberaum", "Demokratie ist keine Lösung (für meine Rockband)" oder "Potzblitz: Schon wieder ein Auftritt " /müssen/ ja nicht unbedingt geschrieben werden...

Lou: Solche Songperlen hätte ich durchaus gerne von euch gehört! Apropos Songperlen: Mit "Wir sind eins" habt ihr aus aktuellem Anlass einen WM-Song aufgenommen, den man sich auf eurer Seite anhören kann - aber es gibt keine direkte Download-Möglichkeit. Viele Bands taktieren mittlerweile dazu, einen Teil ihrer Songs kostenlos rauszugeben, um schneller berühmt zu werden. Oder sie tun einfach aus Überzeugung und Freundlichkeit. Warum haltet ihr euch mit Gratis-Downloads eher zurück?

Lennart: Zunächst kann ich mit einer erfreulichen Botschaft aufwarten: Wir haben uns dazu entschlossen, den WM-Song jetzt auch zum Download freizugeben, und unter eine Creative Commons-Lizenz gestellt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Titel folgen, allerdings ist das für uns noch ein Promo-Experiment, verbunden mit der Möglichkeit, an anderer Stelle im Internet Aufmerksamkeit für uns zu erregen. Grundsätzlich finde ich aber, dass Musik auch Geld kosten darf - und das nicht nur bei Konzerten. Wenn man sich auf die Rechnung einlässt, kostenlose Downloads automatisch mit mehr Fans gleichzusetzen, läuft man meiner Meinung nach Gefahr, sich unter Wert zu verkaufen - vielleicht ist es idealistisch, aber ich denke, dass das wichtigste Argument für Musik sollte sein, dass sie so einzigartig und begeisternd ist, dass niemand sagen kann "Bei Band xy kriege ich das aber für umsonst!". Abgesehen davon haben wir auch schon häufiger kostenlose Bonus-Downloads für Newsletterempfänger bereitgestellt - das belohnt treue Fans und stellt natürlich auch einen Anreiz dar, dabeizubleiben.

"Wir sind eins" von den Tonträgern (CC-BY-SA)

Lou: Nunja, wie Du Dir ja denken kannst, würde ich hier zum Teil widersprechen, denn wie kann man sich unter Wert verkaufen, wenn man etwas verschenkt? Einzigartig und begeisternd ist aber ein gutes Stichwort - gerade einzigartige Musik, die man so noch nicht kennt, nuss doch deutlich mehr als einmal gehört werden, um begeistern zu können. Ich finde, das wird deutlich erschwert, wenn Bands gleich zur Begrüßung die Hand aufhalten. Aber das ist nur meine persönliche
Meinung. Freue mich jetzt schon auf euren nächsten Creative Commons Song, der dann vielleicht nicht mehr nur ein Promoexperiment ist. Wär doch toll! :)

Weiter geht's- Ihr habt mehrmals am jährlichen Emergenza-Bandwettbewerb teilgenommen . Mit der Jury seid ihr dort nicht richtig warm geworden, aber das Publikum hat euch immer wieder mit großem Vorsprung in die nächsten Runden gewählt. Was macht euch live so unterhaltsam? Seid ihr einfach... gut?

Lennart: Ein "Ja" wäre dir zu kurz, nehme ich an? Ich glaube es liegt daran, dass wir leiser als die anderen Bänds sind. Viele Clubs und Soundtechniker haben ja die Angewohnheit, dem Publikum mittels unmäßiger, ungesunder und unvorteilhafter Lautstärke überwältigenden Rock vorzugaukeln. Weil das weder den Ohren, noch der Musik noch der Textverständlichkeit zuträglich ist, bemühen wir uns um einen klareren, differenzierteren und - jawohl - leiseren Sound. Abgesehen davon sind wir natürlich unheimlich charismatische, talentierte und musikbegeisterte Genies. Und unsere Songs an sich sind auch nicht übel, unabhängig davon, ob live erlebt oder auf CD.

Lou: Och, kein geheimes Erfolgsrezept? Keine Zoten à la "Wir haben alle bestochen und den anderen Bands die Instrumente verstimmt?". Zu schade! Aber Du hast völlig Recht: Konzerte tendieren dazu, viel zu laut zu sein. Meine Ohren haben jedenfalls schon 'nen Schlag weg (aber nicht von dem Auftritt, den ich von euch gesehen habe - denn ihr seid ja leiser).

Kommen wir langsam zum Abschluss - welche streng geheimen Tonträger-Zukunftspläne kannst Du hier und jetzt ausplaudern?

Lennart: Das ist wohl der geeignete Moment, mysteriöse, verheißungsvolle Andeutungen von sich zu geben, oder?

Lou: Eigentlich wären knallharte Fakten sogar noch besser...

Lennart: Ohne jetzt schon zu viel vorwegnehmen zu wollen: im September werden auf jeden Fall weitere Aufnahmen gemacht. Wann, wie, wo und in welcher Form die nächste Veröffentlichung folgt, wird sowohl noch ausdiskutiert, als auch bekannt gegeben. Aber "Späm" wird definitiv nicht das letzte sein, was man von uns hört!

Lou: Wann ist denn euer nächster Auftritt? Habt ihr Pläne, in Zukunft auch mehr Konzerte außerhalb von Berlin zu spielen, oder konzentriert ihr euch auf die Hauptstadt?

Lennart: Der Vergänglichkeit von Auftrittsterminen zum Trotz (iwir mmerhin ist dieses Interview ja etwas für die Ewigkeit!) verweise ich mal auf Anfang September: Wir spielen am 4.9. mit zum Teil auch schon überregional bekannteren Bands wie Poolstar, Radiopilot oder The Bottrops beim traditionsreichen Rosenrock-Festival in der Weißen Rose in Berlin. Nur ein paar Tage später, am 7.9., sind wir erfreulicherweise Teilnehmer beim Berlin Vision Songcontest im Heimathafen Neukölln in - oh Wunder! - Berlin, wo wir für unseren Bezirk Steglitz-Zehlendorf antreten.

Momentan sind wir hauptsächlich in Berlin unterwegs. Wenn sich Angebote außerhalb ergeben, sagen wir zu, wenn sich daraus nicht unbedingt ein Verlustgeschäft für uns ergibt - in jedem Fall aber wird es weitere Onlinekonzerte geben, die ein jeder in der ganzen Welt live übers Internet verfolgen kann!

Lou: Nun, in dem Fall gibt es für Tonträger-Interessierte wohl wirklich keine Ausreden mehr. Für das Interview hab ich mich ja schon zu Beginn bedankt. Viel Erfolg für die Zukunft!

Die Tonträger im Internet: http://www.tontraegerberlin.de

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Kommentare (4)

Ein herrliches Interview! Wie wäre es mit einer Neuauflage?
(Übrigens gibt es momentan auch einen herrlichen Adventskalender auf Tonträgers Homepage!)

Hallo,
veröffentlichen die Tonträger ihre Musik unter CC ?Auf ihrer Homepage konnte ich keinen Hinweis darüber finden.
Gruß
Vincent

Steht doch im Interview. ;)
Sie sind von dem Konzept der legalen Gratis-Downloads noch nicht wirklich überzeugt, haben aber mit dem WM-Song einen ersten Anlauf gestartet.

[...] zum ändern” hat uns zur Band des Monats Juli erkoren. Deshalb gibt es dort ab jetzt auch ein Interview mit mir zu lesen, das der sagenumwobene Ey Lou Flynn geführt [...]

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