Professor Kliq

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Logo Professor KliqBenannt nach dem Geräusch einer Maus (!) klingt Professor Kliq nach mehr - viel mehr. Irgendwo zwischen Radiohead, Fatboy Slim und The Prodigy siedelt sich der junge US-Amerikaner musikalisch an. Und natürlich veröffentlicht er seine Musik Creative Commons-lizenziert.

Als Anspieltipp gibt es All Control (Harder Than The Hard Version) (cc-by-nc-sa), erschienen bei rec72

Christian: Hi Mike. Stell dich doch bitte mal kurz vor.

Mike: Mein Name ist Mike Else. Ich studiere Musik am Columbia College in Chicago und stehe vor dem Vordiplom. Ich bin 24 Jahre alt und erstelle ab und an Musik als 'Professor Kliq'.

Christian: Was genau ist Professor Kliq? Es gibt mindestens ein Video, das einen Live-Performance mit einer Band zeigt.

Mike: Es sollte davon sogar ein paar geben. Ich habe hier auch noch eins auf meiner externen Festplatte mit mir, meinem Mitbewohner Braydon an den Plattentellern und dem APC40, soweit meinem Freund Whitney am Schlagzeug. Diese Shows stammen aus einer Zeit als ich Angst hatte, in der Chicagoer Musikszene als 1-Mann-Band aufzutreten. Ich wollte damit dem "DJ"-Stigma entkommen. Als Ergebnis wurden wir als "DJ-Band" bezeichnet. In Kürze: Es hat nicht funktioniert und jetzt trete ich alleine live auf. Alles was ich an Musik veröffentlicht habe wurde von mir in meinem Schlafzimmer geschrieben, aufgenommen und produziert.

Christian: Wie würdest du deine Art von Musik bezeichnen?

Mike: Hängt davon ab, wer fragt. Wenn ich mit jemandem rede, der sich in elektronischer Musik auskennt, sage ich, dass ich irgendwo zwischen Big-Beat, Ambient und Trip-Hop liege. Wenn sich derjenige mit den Genres nicht so auskennt, sage ich, dass ich zwischen Radiohead und Fatboy Slim liege (zwei große Einflußquellen…). Und wenn meine Großeltern oder so fragen, sage ich, dass es Computer-Musik ist. Das reicht normalerweise, um weitere Fragen zu unterbinden.

Christian: Eine weise Antwort. :) Wie lange bist du jetzt schon "Professor Klig"? Und welche "echten" Instrumente kannst du spielen?

Mike: Professor Kliq bin ich jetzt seit vielleicht sechs Jahren. Ich hatte vorher verschiedene andere Namen wie 'Sharp Harpsichord', 'Quaziteque' und 'Kid Kranium'. Danach kam dann 'Professor K', nach dem Radio-DJ von 'Jet Grind Radio' auf der Dreamcast. Aber nachdem ich mitbekommen habe, dass Dee-Lite Sega verklagt hat, da Ooh-La-La's zu viel Ähnlichkeit mit ihrem Alter-Ego hatte. Ich dachte also es wäre besser, wenn ich ein wenig mehr Originalität hätte. 'Kliq' ist auch an das Geräusch angelehnt, das Mäuse machen.
An Instrumenten spiele ich seit 14 Jahren Klavier.

Christian: Es gibt einige Songs, in denen du Geräusche von Tieren oder aus der Umwelt verwendest. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Mike: Technologie erlaubt heute viele tolle Dinge. Auch wenn man tief darin eintaucht, ist es nach wie vor erstaunlich. Es ist heute sehr einfach, Feldaufnahmen zu machen. Ich habe mir vor ein paar Jahren ein Zoom H4 gekauft und liebe das Gerät einfach. Der Grund dafür, dass ich die Aufnahme einbaue ist, dass ich die Idee liebe, wenn die Hörer hören was ich hörte, als ich zu einem Song inspiriert wurde. Z.B. wurde ich zu "Overhead" inspiriert, als ich auf einem feld in der Nähe des Hauses meiner Mutter in einem Vorort stand (da habe ich zu der Zeit gelebt) und einfach das Mikrofon für 20 Minuten nach oben gerichtet habe. Der Park dort ist mir sehr wichtig, er prägte meine Kindheit. Die Tatsache, dass ich einfach Leute dort hin bringen kann, indem sie den Song hören, gefällt mir. Sie können genau hören, was ich gehört zu dieser Zeit an diesem Ort gehört habe. Ich denke, das ist brilliant. Ich bin sehr dankbar in der Zeit zu leben, in der ich lebe - auch wenn ich nicht am exakt richtigen Ort lebe.

Christian: Was meinst du mit "nicht am richtigen Ort leben?

Mike: Elektronische Musik boomt zur Zeit extrem, auch die dafür genutzten Technologie wird immer schneller weiter entwickelt. Das Internet hat sich als ein gangbarer Weg bewiesen, um meine Musik in die richtigen Ohren zu bekommen. Aber was Live-Shows angeht - etwas das mich seit langer Zeit sehr interessiert - ist es wirklich sehr schwer eine vernünftige Fanbasis aufzubauen. Elektronische Musik wird auch im Musikbusiness nicht für voll genommen. Es ist schwer, "draussen" ernst genommen zu werden. Die meisten Studenten sehen sie als eine Art anti-musikalisches Hexenwerk an, das nur von denen ohne Talent ausgeübt wird. Wie du dir vorstellen kannst, bin ich da natürlich ganz anderer Meinung.

Christian: Und zwar zu recht! Aber kommen wir zu ein paar Standard-Fragen: Wieso gibst du deine Musik kostenlos weg? Ist sie nicht gut genug, um verkauft zu werden?

Mike: Es gibt dafür einige Gründe. Unglücklicherweise sind ein paar davon von Haus aus gegensätzlich. Creative Commons ist einfach der beste Weg, um deine Kunst "nach draussen" zu bekommen. Egal ob es Musik, Texte, Photographien oder einfach nur Ideen sind. Mein guter Freund Dan Costalis aht mir davon erzählt, und ich habe "Ja" gesagt, bevor er überhaupt fertig war. Ich verdiene aber auch ein wenig Geld damit, meine Musik über Jamendo zu lizensieren, so 100-300 Dollar pro Monat, manchmal aber auch gar nichts. Viel wichtiger aber sind die Kontakte, die ich so geknüpft habe. Ich habe neulich einen Soundtrack für die TV-Serie "Ever Wondered?" aus Neuseeland produziert. Das wäre nie passiert, wenn meine "freie Musik" nicht eines Tages in den Händen des Produzenten gelandet wäre.
Mein Ziel ist aber, eines Tages bei einem Label zu unterschreiben - um genug Geld zu verdienen, um mein Essen und mein Studentendarlehen zurück zu zahlen. Freie Musik wird immer etwas besonderes für mich sein und ich werde immer zumindest Teile frei veröffentlichen. Ich bin sehr glücklich, an so etwas neuem und vorausdenkenden teilnehmen zu können. Ich versuche auch andere Musiker davon zu überzeugen, dass das ist in dem Staaten nicht so einfach. Wir werden da immer locker ein Jahrzehnt hinter euch Europäern hinterherhinken.

Christian: Da hätte ich jetzt das genaue Gegenteil behauptet. Die US-CC-Szene ist meiner Meinung nach professioneller besetzt als sonst wo in der Welt. Ich denke, dass kommt vor allem dadurch, das du eine Mitglied von ASCAP sein kannst, und trotzdem einzelne Werke unter CC veröffentlichen kannst.

Mike: Die US-CC-Szene mag in der Hinsicht professioneller sein. Ich bin kein Mitglied von ASCAP oder BMI. Und ganz ehrlich, ich möchte das auch im jeden Fall vermeiden, da sieht beide direkt im Weg der Creative Commons und der zugrunde liegenden Ideale in einer modernen Welt stehen. Ich denke, wir können zur Zeit das Absterben vieler Teile der Musikindustrie beobachten, aber im gleichen Zug kommt auch neues Leben zustande. Wenn CC der Standard für mediale Inhalte wird, gibt es keine Beyonces, Brittany Spears und Jay-Zs mehr. Damit meine ich nicht, dass wir keine Pop-Stars mehr haben werden. Aber es wird keine wahnsinnig reichen Pop-Stars mehr geben, Menschen die so reich und berühmt sind, dass sie zu einer anderen Klasse von Menschen werden. Mir gefällt die Idee, dass Creative Commons Musik demokratischer macht und sie näher an die "wahre Kunst" heran bringt. Ich würde es lieben, bei einem Label zu sein - Resourcen und Hilfe von anderen zu bekommen und ihr Organisations- und Marketing-Talent. Ein Label wie Ed Banger Records hat das perfekte Geschäftsmodell, denke ich. Keiner der Künstler dort ist wahnsinnig reich, aber sie reisen, performen, arbeiten und spielen zusammen und erschaffen so etwas wunderbares und zeitloses. Pedro Winter und sene Crew machen etwas großartiges und ich denke, wir werden mehr Zusammenarbeit wie diese in der CC-Welt sehen.

Christian: Würdest du aufhören, deine Musik freizugeben, wenn ein Label ansonsten keinen Vertrag rausrücken würde? Was würdest du machen, wenn deine Fans nicht aufhören, deine Musik zu tauschen und dein Label würde anfangen, sie zu verklagen?

Mike: CC hilft sehr bei der Werbung, aber das ist nicht der einzige Zweck. Auch wenn ich bei einem Label unterzeichnen würde, wäre meine alte Musik weiterhin unter CC. Das ist etwas, was man nicht rückgängig machen kann - genau aus dem Grund, den du genannt hast. Wenn ich bei einem Label unterschreiben würde und die Möglichkeit hätte, meine Musik weiterhin freizugeben, ich würde es tun. Girl Talk macht das auch (wenn auch aus anderen Gründen) und er kommt damit gut klar. Mein Ziel ist nicht, reich zu werden. Ich will einigermaßen komfortabel leben und meine Musik machen können. Creative Commons ist etwas, dass ich nie aufgeben werde. Im schlimmsten Fall würde ich es opfern - aber nur temporär. Der Großteil der Welt ist für Creative Commons noch nicht bereit. Die, die das Geld kontrollieren, sind "alte Hunde" und wollen keine neuen Tricks lernen.
Ein Traum von mir ist, als Künstler eine Brücke von Creative Commons in das altmodische Musikgeschäft zu schlagen. Ich denke, das fasst es recht gut zusammen.

Christian: Ein sehr schönes Statement, um das Interview zu beenden. Gibt es sonst noch irgendetwas, dass du der Welt gerne sagen möchtest?

Mike: Vergleiche dich als Musiker niemals mit anderen. Jeder kommt aus einer anderen Zeit und einem anderen Ort, jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Teile deinen Weg mit dem Rest der Welt, während du ihn gehst!

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Kommentare (3)

[...] "Shifting Focus", Einer der Songs auf dem Album, war 2011 einer der Gewinner-Tracks des Free! Music! Contests. Mehr Infos über Professor Kliq gibt es im 2010 erscheinen Interview zur Band des Monats. [...]

[...] Interview mit Professor Kliq [...]

großartiger sound, erster CC artist den ich kenne und musik macht die mir gefällt:)

Sehr schön, klingt sympatisch der Mann. Cooler Track, das letzte Drittel ist IMO am Besten (etwas innovativer).

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