the.princess.and.the.pearl

the.princess.and.the.pearlFür gewöhnlich kann bei der heutigen Dauerbeschallung durch Radio und TV, in Kneipen, Discos und Cafes Musik nicht laut und schrill genug sein, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Anders ist es bei Billows: Ruhig, getragen, introspektiv und total harmonisch. Edda von Eurovision Berlin/ hörte den Song von the.princess.and.the.pearl im Rahmen ihrer Tätigkeit als Mitglied der Jury des Free! Music! Contest und fand es nicht nur schön, sondern auch klug und versuchte herausfinden, wer und was sich hinter dieser Strategie der „sanften Verschwörung“ verbirgt.

Hörtipp: the.princess.and.the.pear - Billows (cc-by-nd

Edda: Beim Versuch, eure Musik einzuordnen, fielen mir Stichworte ein wie Esoterik oder New Age. Aufgrund der teilweise feierlichen und getragenen Stimmung dachte ich auch ein wenig an Kirchenmusik. Auf jeden Fall wirkt so viel Harmonie auf mich sehr entspannend. Habt ihr überhaupt einen Bezug zu solchen Themen? Oder haltet ihr diese Wirkung für individuell, also eher für Zufall?

Sascha: Also, mit Esoterik oder New Age hat das, was wir machen, eigentlich nichts zu tun, uns geht es um Gefühle, Vertonung von Sehnsüchten, Ängsten, Enttäuschung oder auch ganz klassisch um Liebe und Begehren, darum, Bilder zu malen, mit Texten und Klängen, und wir haben keine Angst vor der großen Geste, wenn es sein muss.

Bei der Wirkung kann man ja immer nur von sich selbst ausgehen, denn jeder Mensch sitzt ja irgendwie hinter seinem eigenen Wahrnehmungsapparat. Ich mag es z. B, wenn ich mich in einem Song verlieren kann, wenn man immer wieder kleine Details entdeckt, die man vorher noch nicht bemerkt hat und wenn der Text offen genug ist, um Interpretationen zuzulassen. Unser erstes Album ist ein Konzeptalbum, das vom ersten bis zum letzten Song eine Geschichte erzählt, witzigerweise hab ich immer eine andere Geschichte darin gesehen als Michael. Hat was von impressionistischer Malerei, klar genug um etwas anzudeuten, aber doch traumartig diffus genug um Projektionsfläche zu bieten. Also eher Emotionen als Esotherik (klingt fast wie ein t-shirt spruch) :o)

Edda: Aus welcher "Musiktradition" kommt ihr? Rock, Folk, Klassik...?

Sascha: Ich hab früher mal in der Hardcoreband "Saém" geschrieen und Gitarre gespielt, heute mache ich neben "the.princess.and.the.pearl" noch Postrock und Folk mit "the dead eyes of london" und electro/indie mit meinem soloprojekt "ecoustic".

Michael ist noch bei der Rockband "Patchwork Projekt" und spielt dort Gitarre und singt. Michael und ich machen seit ca. Ende 2006 zusammen Musik. Wir haben uns bei mir im Wohnzimmer ein kleines Heimstudio eingerichtet, in dem wir die Songs aufnehmen und produzieren.

So als Koordinatensystem mal ein paar Bands, die wir so hören : Radiohead, Muse, ólafur arnalds, sigur rós, digitalism, arms & sleepers, Tool, deftones, manchmal auch Klassik ( vorwiegend Chopin), und an seltsamen Tagen Lady Gaga und Justin Timerlake :)

Edda: Könnt ihr von Musik leben?

Sascha: Leben können wir von der Musik bisher nicht, Micha hat einen Bürojob und ich bin letztes Jahr mit meinem Studium (freie Kunst) fertig geworden und versuche mich mit freelance-pixelschubserei und Kunst zu etablieren. Da wir nur zu zweit sind, ist es ziemlich schwer manche Songs live zu spielen (vor allem die, die über 50 Spuren haben). Bisher haben wir ein Konzert in Braunschweig gespielt, hatten uns dann aber entschlossen, erstmal das zweite Album fertig aufzunehmen, damit wir eine flexiblere Songauswahl für kommende Gigs haben. Und ohne Live-Präsenz ist es schwer wahrgenommen zu werden. Nun ja, wir verkaufen hin und wieder ein paar Alben über unsere Seite und versuchen auf Samplern vertreten zu sein (was ja tollerweise mit eurem geklappt hat), damit Leute wissen, dass es uns gibt. Jetzt proben wir parallel zum Aufnehmen wieder etwas und haben vor, demnächst verstärkt auf Konzerte zu setzen.

Edda: Wie arbeitet ihr? Ich frage mich, wie eine solch harmonische Musik entsteht?

Sascha: Meistens jammen wir einfach drauf los, bis etwas Interessantes entsteht. Auf dieser Grundlage wird dann weiter gejammt und herumprobiert, bis das intstrumental einigermaßen steht. Anschließend fragen wir uns, was für Bilder der Song bis dahin malt, klingt es eher nach "September-Regen in der Stadt" oder „Sepiafarben“ etc. Und nach so blumigen Assoziationen geht dann das Getexte los, was eigentlich immer der zeitintensivste Teil des ganzen Prozesses ist. Wir lassen das Ganze dann eine Zeit lang sacken und schauen, ob das Lied nach ein paar Tagen immer noch so funktioniert, z. B. ist die Delaygitarre zu weit gepant?, passt der Telefonfilter noch auf die Stimme?, sind die Electrobeats noch originell, oder einfach nur nervig...?

Wenn es noch passt, wird feingeschliffen, wenn nicht umgeräumt. Wir haben auch schon komplette Songs verworfen oder umgekrempelt, an denen wir ewig gearbeitet haben, weil sich dieses spezielle Gefühl nicht eingestellt hat.

Edda: Hat euer Bandname eine Bedeutung?

Sascha: Unser Bandname sollte Assoziationen an Märchen wecken und gleichzeitig nicht "cool" oder witzig klingen, eher nach verdrehten Tim-Burton-Bäumen, Sehnsucht und Sepia. Also so gesehen hat er keine spezielle Bedeutung, außer dass man im besten Fall Bilder im Kopf hat. Und, ja, wir werden oft gefragt wer von uns beiden denn nun die Prinzessin und wer die Perle ist :o) (Hätten wir beim Bandnamenaussuchen eigentlich drauf kommen können)

Edda: Mit CC-Lizenz verbindet sich die Idee des freien Kulturaustausches, ein Modell also, das das vorherrschende Musikbusiness ablehnt und oder in Frage stellt. Glaubt ihr, dass sich diese unterschiedlichen Ausrichtungen/Modelle auf das musikalische Schaffen auswirken?

Sascha: Ich finde generell, dass Medien den Menschen weiterbringen, und dass es nicht sein kann, dass mein Kontostand darüber bestimmt, wie gebildet ich sein soll. Jedes Lied, das ich höre, bringt mich als Musiker weiter, jeder neue Gedanke, den mir ein Medium vermittelt, hilft mir als Mensch mich zu entwicklen, indem er bestenfalls meinen Horizont erweitert.

Es müssen legale Wege geschaffen werden, wie jeder Mensch an jedes Wissen kommen kann. Auf der anderen Seite müssen aber Menschen, die etwas produzieren, additional zur eigenen Befriedigung, auch einen Gegenwert bekommen: sonst kann er das nicht für immer weitermachen. Auch Künstler müssen essen. Zusammengefasst finde ich also schon, dass Kultur bezahlt werden muss, allerdings nicht so, wie dies bisher der Fall ist. Ich finde die Idee von einer Kulturflatrate z. B sehr interessant, habe aber generell zu wenig Überblick um da jetzt eine fachkundige Aussage treffen zu können.

Edda: Zum Schluss eine etwas provokative Frage: Musik und Musikbusiness, die sich gegen den neoliberalen Hegemonialdiskurs stellen, haben - zumindest in Deutschland - oftmals eine akustische Protestnote, so als wolle man aufrütteln. Unter diesem Gesichtspunkt müssten Kritiker eigentlich vor eurer Musik warnen: Zu harmonisch, zu entspannend, Opium fürs Volk. Euer Ansatz ist aber - wenn ich es richtig verstehe - sehr eigenwillig.

Sascha: Ich habe in meinen damaligen Bands viel Rabbatz gemacht, viel geschrieen: Ist also nicht so, als ob uns das komplett fremd wäre, aber mit the.princess.and.the.pearl gehen wir einen anderen Weg. Es geht eher um das Innen als das Außen. Um Gefühlswelten, um Reflektion, um Träume, ums Verlorensein und um Hoffnung.

Wenn man sich mit unseren Texten auseinandersetzt wird man feststellen, dass es dort auch Kritik und Zweifel gibt, aber halt ohne Parole und Zeigefinger. Wir empfinden unsere Musik auch nicht unbedingt als entspannend und einlullend, sondern eher nachdenklich, inspirierend und melancholisch. Ich denke, man muss nicht immer auf die Trommel schlagen um auf sich aufmerksam zu machen, der lauteste Redner ist nicht unbedingt der Inhaltsvollste.

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Ein Kommentar

[...] bemerkbar gemacht. Nach der Veröffentlichung auf dem Free! Music! Sampler und dem Featuring als Band des Monats Oktober geht es also Schritt für Schritt [...]

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