/'angstalt/

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/'angstalt//'angstalt/ haben vor kurzem ihre aktuelle EP "museon" veröffentlicht. Da der Song "das blaue Zimmer" auf dem letzten Free! Music! Sampler war, haben wir M.eik ein paar Fragen zur Band gestellt. Wer immer auf dem laufenden bleiben möchte, dem seien der Newsletter und bzw. das Blog ans Herz gelegt. Dort werden auch alle Konzerttermine bekanntgegeben. Und da wir schon das blaue Zimmer erwähnt haben, hier das Making Of: http://www.youtube.com/watch?v=dEWUf7bBnd4

Christian: Hi M.eik, stell doch bitte mal kurz ich und /'angstalt/ vor.

M.eik: /'angstalt/ wurde 1995 nach einer ersten gemeinsamen "Probe" gegründet. Wir, d.h. Stefan, Norman und ich, hatten uns auf einem Cranes-Konzert kennengelernt und spontan zum Musikmachen verabredet, obwohl wir voneinander nicht mal wussten, ob der andere überhaupt ein Instrument spielt. Die Chemie hat einfach gestimmt. Heute besteht die Band aus Stefan an Keyboards und Bass, Norman am Schlagzeug, Rettich an Schlagzeug, Bass und Keyboards und mir, an Gitarre, Bass und Mikrofon.

Christian: Was hat es mit dem Namen von /'angstalt/ auf sich?

M.eik: Die ersten ein-zwei Jahre hatten wir gar keinen Namen. Wir haben uns im Proberaum vergraben und getreu dem Motto "Lärm ist Liebe" herum experimentiert. Irgendwann stieß Alex zu uns, ein Schulfreund von mir, der zur zweiten Probe wieder kam, weil ihn die Musik das erste Mal so verwirrt hat, dass er sie nochmal hören wollte. Er blieb von da an ein wichtiges Mitglied unserer ersten Phase, bis er 2002 als Bassist ganz zu Sometree wechselte. Jedenfalls suchten wir in dieser Zeit nach einem Wort, das es noch nicht gab, und das so assoziativ wirkt wie unsere Musik. Tatsächlich entstand der Name aus Lautschriftsymbolen heraus.

Christian: Wieso verbreitet ihr euer Musik unter Creative Commons?

M.eik: Wir haben sogar schon freie Lizenzen verwendet, als es CC noch gar nicht gab. Unser Debut "ex." stand schon Ende der 1990er im Internet. Wenn wir den Aufwand betreiben, Musik aufzunehmen, dann vor allem, damit das auch gehört wird. Wir hätten alle nur einen Bruchteil unserer Plattensammlungen, wenn wir uns nicht gegenseitig ständig neue Entdeckungen empfehlen würden. Es wäre doch geradezu absurd, das mit der eigenen Musik verhindern zu wollen. Musik lieben heißt Musik teilen.

Christian: Eure aktuelle EP ist auf Vinyl erschienen. Wieso habt ihr da so ein "archaisches" Format gewählt?

M.eik: Wir kaufen Neuerscheinungen selbst auch noch auf Vinyl, für uns ist das gar nicht so archaisch. Wir dachten uns, wenn wir schon etwas zum Kauf anbieten, dann etwas für echte Sammler. Es ging uns nicht um maximalen Absatz oder praktische Erwägungen. Die Platte ist eher ein Statement, was uns Musik bedeutet.

Christian: Verdient einer von euch als Profi-Musiker seinen Lebensunterhalt?

M.eik: Nein. Wir haben uns sehr früh von dieser Idee verabschiedet. Wir wollten nicht finanziell davon abhängig sein, dass anderen gefällt was wir veröffentlichen. Für uns ist Musik nicht "gute Unterhaltung". Wir haben keine Lust, Musik aus Verkaufserwägungen glattzufeilen, künstlich spektakulär zu machen oder ständig etwas Neues rausbringen zu müssen.

Christian: Manch einer würde jetzt behaupten, dass ihr also einfach nur Amateure währt. Was entgegnet ihr so jemandem?
Ob uns jemand als "Profis" oder "Amateure" sieht ist uns egal. Interessant ist doch nur, ob jemand mit der Musik etwas anfangen kann oder nicht. Die Vorstellung, daß jemand nur dann weiß was er tut, wenn er damit auch Geld verdient, gehört doch nicht mehr in unsere Zeit.

Christian: Und können nicht "Entertainer" auch gute Musiker und Künstler sein?

M.eik: Natürlich, aber wenn du dein Geld als Entertainer verdienst überlegst du dir vielleicht zweimal, ob du dir auch erlauben kannst, mit einer experimentellen Lärmcollage deine Ernährer zu vergraulen. Das ist etwas überspitzt, aber künstlerische Freiheit und stabile Einnahmen sind ohne Kompromisse schwer zu vereinen. Unser Kompromiss besteht darin, daß wir unseren Lebensunterhalt anders bestreiten und dafür musikalisch alles machen können was und wann wir wollen.

Christian: Hofft ihr, irgendwann von eurer Musik leben zu können?

M.eik: Nein. Wir würden mit /'angstalt/ in Zukunft gerne mehr Konzerte geben und denken schon an die nächste Veröffentlichung, aber wir wollen unbedingt autonom in allen kreativen Entscheidungen bleiben. Wir würden sonst einen ganz wichtigen Teil unseres Lebens verkaufen. Wir investieren alle Einnahmen eh wieder in die Band, also Instrumente, Produktionen, etc.

Christian: Was würdet ihr machen, wenn ihr plötzlich doch groß rauskommen würdet? Würdet ihr ein Major-Label wegschicken, oder vielleicht doch unterschreiben - künstlerische Freiheit vorausgesetzt?

M.eik: Wir hätten nichts dagegen, viel bekannter zu sein. Wir möchten nur nicht bekannt sein müssen. Wir würden niemanden wegschicken, der unsere Musik verbreiten möchte, ohne unsere Autonomie einzuschränken. Der entscheidende Punkt ist aber, dass wir gar keinen Major *brauchen*. "museon" erschien jetzt auf Weisser Herbst, einem wenn du willst "Old School Indie-Label", und zu jedem Zeitpunkt war diese Kooperation von der spürbaren Leidenschaft für Musik bestimmt. So zu arbeiten baut einfach auf.

Christian: Immerhin hättet ihr dann professionelle Unterstützung bei der Bewerbung eurer Werke und auch der Produktion eurer Musik.
Erst einmal wurden wir von Weisser Herbst schon jetzt professionell unterstützt. Aber du meinst das sicher in anderen Dimensionen. Dabei stiege doch unweigerlich der Druck, auch etwas gut Verkäufliches zu produzieren. Denn diese Form "professioneller Unterstützung" kostet erst einmal viel Geld, das wieder reinkommen muss. Wenn die Rechnung nicht aufgeht, betrachtet dich der Major als Flop und lässt dich fallen. Dann geht es plötzlich gar nicht mehr um Musik. Dafür komponieren wir nicht jahrelang im Proberaum an unseren Stücken herum.

Christian: Wo wir die ganze Zeit von eurer Musik reden: Wie beschreibt ihr euren Stil?

M.eik: Wenn es sein muss, nennen wir es Sezierpop. Aber das sagt natürlich nichts. Es ist ernste, manchmal melancholische Musik ohne feste Grenzen. In einer Ausgabe des Orkus stand mal "in keine Schubladen und/oder Klischees einzuordnende Formation" mit "fast durchgängig in deutscher Sprache verfassten, vertonten, gesungenen Gedichten", und wir gingen "in Anti-Song-Strukturen förmlich auf". Wie würdest du es denn nennen?

Christian: Ich ziehe mich ganz elegant aus der Debatte und spiele ein paar Takte Musik. :)
"für eine hand voll zucker"CC-BY-NC-SA

/'angstalt/ im Netz: Homepage | Jamendo

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Ein Kommentar

jut... ich bin gespannt auf heut abend ;)

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