Bundesvision Song Contest - Nachbetrachtung

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Ist der Bundesvision Song Contest besser und anspruchsvoller als der Free! Music! Contest!? NEIN.

Die Idee eines BuViSoCo finde ich gut, aber man merkte schon beim Zuschauen, dass der Anlass zu dieser Idee, nämlich einfach nur mal gegen den altehrwürdigen Eurovision Song Contest anzustinken, nicht 8 Jahre wiederholbar ist. Ergebnis ist, dass Raab sich selber, seine kreischenden Claqueure und die gesamten Musiker an die Werbewirtschaft und die Musikindustrie verkauft.

Alle müssen sich wie Mallorca-Animateure ins Zeug legen, um für die Autoverlosung, das Tefefonspektakel und die unendlich langen Werbepausen einen vordergründig spaßigen Rahmen zu bieten. Dadurch wirkt die unfreie deutsche Musikszene wie von einem Gemeindevorsteher auf einer Provinz-Kirmes vorgeführte Gymnasial-Abschlussklasse. Das wirkt unprofessionell, bedrückend, wird aber unterschwellig immer als alternativlos dargestellt, und genau das ist der Erfolg und die viel beschworene Cleverness eines Stefan Raab - Geschmiert.

Die Idee, 16 Acts spaßeshalber auf verschiedene Bundesländer zu verteilen und gegeneinander antreten zu lassen, finde ich nach wie vor unterhaltsam. Aber etwas mehr Abwechslung in der Musik und ihrer Präsentation könnte nicht schaden. Um nicht nur schiefe Töne und schlechten Gesang zu bieten, sollten sich einige Bundesländer ruhig Verstärkung aus anderen Genres oder dem „europäischen“ Ausland holen. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, und die hier präsentierten Musiker wurden entweder schlecht ausgesteuert oder scheinen nicht zu wissen was Singen ist.

Die Abstimmung ist natürlich eine Farce. Länder können für sich selber abstimmen und bekannte Stars stehen ohnehin über dem Wettbewerb, da sie aus Gründen der Industrielogik einfach nicht abstürzen dürfen und deswegen als Zugpferde für Promo benötigt werden. Nur reicht es dann nicht völlig aus, nur die 12, 10 und 8 Punkte öffentlich anzuzeigen? Wer bei so einer Abstimmung hinten landet, muss man nicht wissen.

Dass dann schließlich Zugpferde wie Xavas gewinnen, ist im Zusammenhang mit dieser Geschäftslogik nachvollziehbar, ja auch ok. Immerhin haben sich Kool Savas und Xavier Naidoo schon für die deutsche Musikszene verdient gemacht, zudem fand ich ihren Vortrag gelungen.

Man merkt aber auch beim Bundesvision Song Contest, dass die Musikindustrie, hier insbesondere mal wieder Universal Music, das TV mit seinen Contesten, Casting-Shows und abgerichteten Moderatoren wie Bohlen und Raab nur noch als letzten Strohhalm begreift. Von ihnen kommen musikalisch noch marketingtechnisch keine Impulse mehr. Die Musik im TV führt aber ins NICHTS. Dadurch erklärt sich mir zumindest das schwer zu formulierende Unbehagen beim Zuschauen. Fazit: Ohne unabhängige Förderung gibt es keine Kultur.

Mal ehrlich: Der antikommerzielle Free! Music! Contest war abwechslungsreicher und kann einen Vergleich mit diesem TV-Wettbewerb gut standhalten.

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