Eurovision Song Contest - Estland auf dem richtigen Weg: Malcolm Lincoln & Manpower4

Malcom Lincoln
Nach bereits 15 Teilnahmen und einem Sieg im Jahr 2001 ist Estland auch dieses Jahr wieder dabei. Musikalisch gesehen als Außenseiter, denn der estnische Beitrag wird wohl das modernste sein, was man bisher beim Contest gehört hat.

Dabei wirkt das Musikstück überhaupt nicht aufgesetzt schrill oder gewaltwitzig, sondern ragt für mich gerade wegen seiner Nonchalance hervor: Eine wenig markante Melodie, ständige Tempowechsel, ein Chor, der mehr auf Soundbereicherung setzt, untermalt mit elektronischen Klangstrukturen, das alles gibt dem Stück eine angenehm räumliche Weite.

It's time to make it clear what is lost and what is found,
My life has been oh lame, has been oh lame so far
I wasted years, I wasted time trying to reach the stars.

Hier hat sich mal schlicht der gute musikalische Geschmack gegen jedes Contest-Kalkül durchgesetzt. Ähnliches lässt sich von der Performance bei der Vorentscheidung sagen: Auf so etwas Einfaches muss man erst mal kommen!

Malcolm Lincoln & Manpower4 ist ein Projekt von Robin Juhkental, von ihm ist auch das Stück "Siren". Robin ist studierter Straßenbauingenieur und macht seit ungefähr sechs Jahren Musik. Sein Contest-Stück ist aber nicht repräsentativ für seine sonstige Musik.

Von einer internen Jury zunächst abgelehnt, durfte er wegen der Disqualifizierung eines Teilnehmers nachrücken und gewann dann bei der Publikumsabstimmung prompt die Vorentscheidung. Damit setzt Estland dieses Jahr auf die Kreativität und den Eigensinn junger Musiker, diese sind dann allerdings für ihre Contest-Teilnahme und die Promotion selber verantwortlich. "Kein Problem", wie Robin signalisiert. Gute Musik wirbt für sich, und Robin profitiert bereits jetzt von seinem Erfolg. Wer Robin gerne im Finale sehen möchte, kann beim 1. Semifinale am 25.05.2010 für ihn anrufen.

Weil mich diese Musik freut und fasziniert, habe ich Malcom Lincoln ein paar Fragen geschickt, hier sind seine Antworten:

Edda: Als ich das erste mal dein Stück "Siren" gehört habe, was als Künstler noch Robin Juhkental genannt. Jetzt steht dort Malcom Lincoln. Ist das ein spezielles Project für den Eurovision Song Contest?

Robin: Ich hatte vergessen, in dem Anmeldeformular einen Namen für das Projekt anzuegeben, als ich meine Demo für die estnische Vorauswahl eingeschickt habe, also haben sie einfach den Namen des Urhebers genommen. Malcom Lincoln ist ein Projekt, das schon vor dem Eurovision Brimborium gestartet wurde.

Edda: Als ich den Song das erste mal gehört habe, dachte ich "Wow, das ist Brit-Style". Was für mich hörst du? Gibt es bei Einflüsse von anderen Bands?

Robin: Ich höre alles an Musik: Elektro, Jazz, Rock'n'Roll, und so weiter. Siren habe ich vor vier Jahren geschrieben, als ich unter starkem Britpop-Einfluss stand.

Edda: Bist du ein Profi-Musiker?

Robin: Nein, bin ich nicht. Aber der Eurovision Song Contest hast uns in Estland ziemlich bekannt gemacht, und ich kann zur Zeit von meiner Musik leben.

Edda: Wann hast du angefangen, Musik zu machen?

Robin: Ich habe meine erste Gitarre gekauft, als ich 15 war, vor knapp sechs Jahren.

Edda: Gibt es schon irgendwelche Alben zu kaufen?

Robin: Malcolm Lincolns erstes Album wird Ende April veröffentlicht.

Edda: Dein Song ist nicht sehr typisch für den ESC. Ich wage zu behaupten, dass es der modernste ESC-Song aler Zeiten ist. Willst du den ESC modernisieren?

Robin: Estland hat die Richtung geändert - nicht einen Song auszuwählen, der den Wettbewerb gewinnen könnten sondern den, den sie Esten am meisten mögen.

Edda: ESC-Fans sind üblicherweise eher konservativ. Ich hoffe, dass sie deinen modernen Stil trotzdem schätzen werden. Bekommst du eigentlich irgendwelche Unterstützung?

Robin: Ich kümmere mich nicht sehr darum, einen guten Platz beim Contest zu erreichen und ich kann nicht behaupten, dass ich den Song groß promoten würde. Wir werden sehen, wie er ankommt.

Edda: Hast du schon die anderen Songs gehört?

Robin: Nein, kein einziges. Ich hoffe aber, dass ein paar wirklich gute Stücke in der Auswahl sind.

Übrigens hat Robin mit Hanna Samoson auch den diesjährigen interessantesten Preview-Clip gemacht: http://www.youtube.com/watch?v=KEcNfmuF4YA

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