Eurovision Song Contest 2013 - Pleiten, Pech und Pannen

Das weltweit größte Musikspektakel, der Eurovision Song Contest, war dieses Jahr ernüchternd zweitklassig, und das ausgerechnet im ESC-Land Schweden. Nett fand ich die eingespielten Filmchen, professionell und witzig die ironische Moderatorin Petra Mede. Aber schon der Beginn mit der Abba-Hymne wirkte wie der Introitus zur Heiligen Messe, der darauf folgende Fahnen-Aufmarsch der Nationen fiel wie eine Schulaufführung in einer Aula dahinter zurück.

Bei ziemlich viel Widerspruch zwischen monumentalem Anspruch und kleinbürgerlicher Umsetzung hat sich mir der Sinn des schwedischen „Sparkurses“ nicht erschlossen. Die geschrumpfte Halle, die kleine Bühne, vor allem der Pausenact im Finale, machten aus den Popstars Varietékünstler. Die eng zusammen gepferchten, stehenden Fans taten mir während der vielen Balladen leid. Die kleinen Pannen bei der Übertragung (Niederländer waren zwischendurch abgeschnitten, Bulgarien kam nicht durch) wurden von der Moderatorin charmant aufgefangen. Dass aber der Sieger schon gefeiert wurde, bevor alle ihre Punkte durchgegeben hatten, war zum Kopfschütteln.

Bringen wir's endlich hinter uns
Das Gefühl von Euphorie kam zu keiner Zeit auf. Und Überraschungen hält dieses abgekaterte Spiel schon längst nicht mehr bereit. Wettbewerb und Fairness scheinen Begriffe, die in der Satzung zur Eurovision nicht vorkommen: Schon um den 08. Mai kam von Malmö-Reisenden das „Gerücht“, dass die Dänen bereits mit der Planung und Vorbereitung des ESC 2014 beschäftigt seien. Anstatt hier mal nachzuhaken oder gegen zu wirken, wurde diese Info hämisch gedeckelt. Betrügen tun doch immer nur die Osteuropäer... und die wurden in den Semifinalen zum größten Teil rausgekickt.

Trotz guter Interpreten war die Menge an schlechten Liedern selten so groß. Man hatte Mühe, die Songs durchzustehen. Besonders die total stylish oder politisch korrekten Beiträge wirkten wie Anbiederei an den schlechten Geschmack des westeuropäischen Spießbürgers. Nur die Griechen fielen noch aus dem Rahmen. Und wegen mir hätte der schrille Countertenor Cezar aus Rumänien gewinnen müssen. Mit seinem banalen Text, der theatralischen Frivolität seiner Performance und dem Hang zum Überzogenen sprengte er alle Geschmackstabus und stellte selbst den Kitsch auf die Probe.

Nicht Cascada, sondern Deutschland hat schlecht abgeschnitten
Und mit Deutschland alle die Länder, die sich seit Jahren als sog. Big-4 einen Finalplatz „kaufen“: Spanien (Platz 25), Großbritannien (Platz 19) und Frankreich (Platz 23). Ausnahme ist Italien (Platz 7), aber die sind erst seit 2011 wieder dabei und werden wahrscheinlich von der Jury begünstigt, weil sie bleiben sollen. In der internationalen Fan-Kommunikation ist sehr wohl festzustellen, dass auf Grund dieser korrupten Regelung die Big-5-Länder als Wettbewerbsteilnehmer nicht Ernst genommen werden. Im Gegenteil: Schneidet eines dieser Länder gut ab, ist eher Zweifel geboten.

Der Versprecher der Jury-Präsidentin Lena Meyer-Landrut sah nach inkompetentem Herumfeilschen mit Punkten aus.

Die Politik ist schuld
So wird es u. a. im Stern angedeutet, wobei die deutschen ESC-Verantwortlichen als Opfer der deutschen Sparpolitik dargestellt werden. Dabei ist längst bekannt, dass sie den ESC selber schon zum Instrument der Politik gemacht haben.

International nicht unbemerkt und fast zum Erbrechen, wie manche deutsche ESC-Experten (Medien, Organisatoren und Fans) unter Vortäuschung spießbürgerlicher Anständigkeit mit ihren Forderungen nach Menschenrechten, Schwulenbefreiung und Demokratie „Etikettenschwindel“ betreiben. Im Rahmen der Eurovisions-Bespaßung missbrauchen sie diese Forderungen regelmäßig als verbale Keule, um von sich selber abzulenken und auf Osteuropa und islamisch geprägte Länder einzuhauen. Ob Fanforen, Twitter, Facebook oder auch der NDR: Immer die gleichen Vorurteile und immer noch mal eben nachgetreten... und dann gleichzeitig 12 Punkte Belohnung an die Schnarchnummer aus Ungarn? Das nenne ich mal Koketterie mit dem Neofaschismus. Angemessener wären dieses Jahr aus mehreren Gründen 12 Punkte von Deutschland an den Nachbar Niederlande gewesen.

Das Outfit der dänischen Sieger-Truppe verbuche ich übrigens auch unter Nazi-Chic. Mich wundert es nicht, dass diese Leute schon in SS-Waffen-Uniform gesichtet wurden. Aus Dummheit, na klar.

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