Finale USFD 2014 – Du hast keine Chance, aber nutze sie

Ein weiteres Mal mussten sich Musiker, die sich bereits für die deutsche Musikszene verdient gemacht haben, gemeinsam mit ihren treuen Fans wegen kruder Strategien geschlagen geben. Vorsichtshalber bevor überhaupt das Produkt des Internetcastings bekannt war, habe ich schon am 13.02.2014 dessen Sieg vorausgesehen. Das ist allerdings im Rahmen der Eurovision keine besondere Leistung. Immer der gleiche Männerstammtisch, immer die gleiche Masche.

Wenn ich vor diesem Hintergrund Titel-Schlagzeilen der deutschen Medien lese, in denen Verblüffung oder gar Freude über einen Überraschungssieg zum Ausdruck gebracht wird, beispielsweise Frankfurter Rundschau oder Süddeutsche , gibt das nur wenig Aufschluss über einen Wettbewerb, sondern mehr über den desolaten Zustand unseres Journalismus. Aus diesem Blickwinkel ist seit 2010 auch jede andere Jubelmeldung zu beurteilen. Wer soll das alles glauben?

Mit den Major Label schlecht beraten
Es ist frustrierend mitzuverfolgen, dass hier bewusst Musiker verbrannt werden. Man ließ beispielsweise MarieMarie mit nachweislich regelwidrigem Song an den Start gehen – seien wir ehrlich - weil man wusste, dass sie sowieso nicht gewinnen würde. Im Saal soll es zum Schluss Buhrufe gegen Unheilig gegeben haben. Waren das bezahlte Claquere des Internetcasting-Produktes? Wenn mir ein Major Label solche Wettbewerbe und Situationen zumutet, würde ich den Vertrag auflösen.

Nehmt Gesangsunterricht und vergesst die deutsche Vorentscheidung
Das Frauentrio ELAIZA ist ok, aber man sie hätte sie mit diesem einen Lied auch ohne Wettbewerbssimulation nominieren können. Schon bei der Präsentation ihres zweiten Songs bemerkte man die Schwächen der Newcomer. Und so können unsere Sieger mal wieder nur ein Lied.

Bezüglich der Songs war das im Vergleich zu anderen europäischen Ländern die bislang beste Musikshow. Es haperte allerdings bei allen am Gesang. Nur die in den USA lebende Oceana war wirklich stimmsicher. Liegt das vielleicht daran, dass sich Deutsche von Hochstaplern und Boulevardmedien auf die falsche Fährte führen lassen? Auch der Auftritt der Vorjahressiegerin sprach Bände: Mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte sie die Töne zu erreichen und konnte ihr Siegerlied noch immer nicht richtig singen.

Für den mit Abstand größten Überraschungseffekt sorgte unter europäischen Fans in den Facebook-Gruppen MarieMarie. Sie wuchs mit jedem Takt über sich selbst hinaus. Und Haarfrisur, Harfe, Song und cooler Auftritt beeindruckten nachhaltig.

Eine weitere Frontfrau, die ihre Sache gut machte, war Barabara Schöneberger. Sie passte nicht nur hervorragend ins Konzept, sondern führte zwischendurch sogar das vor, was den meisten fehlte: eine kräftige Stimme. „Ich frage mich, warum man nicht einfach auf mich aufmerksam wird. Schauen Sie mich mal an: Mein Visagist hat mich heute wieder gestylt zu einer umwerfenden Mischung aus Agnetha von ABBA und Guildo Horn. Aber es kommt einfach nicht, dieses Angebot.“ Leider beleidigte sie sich bei jeder Anmoderation selber...

Deine Bewertung: Keine Durchschnitt: 3 (4 votes)

Kommentare (0)

Ich verstehe hier so einiges nicht: (Zitate z.T. sinngemäß)
1. "Erfahrene Musiker haben bei dem Konzept keine Chance gegen junge Newcomer."
Komisch, hat vorher jeder anders behauptet und der Bundesvision Song Contest lädt auch nicht zu diesem Schluss ein. Aber sie haben bestimmt die Belege, die mich noch überzeugen werden.
2. "Und so können unsere Sieger mal wieder nur ein Lied."
Was ist denn die Aufgabe eines ESC-Teilnehmers? Es geht darum EINEN Song zu haben und diesen im Finale so aufzuführen, dass die Leute es mögen und dafür anrufen. Von einem Teilnehmer zu verlangen, dass sie 5 potenzielle Siegertitel haben ist genauso sinnvoll, wie von einem Fußballer zu erwarten, dass er zudem noch ein guter Badminton-Spieler sein sollte.
3. "Emmelie de Forrest konnte ihr Siegerlied noch immer nicht richtig singen."
Wenn die Leistungen von EdF 2013 oder Lena 2010 doch erfolgreicher nicht hätten sein können, warum halten Sie dann eine bessere Stimme für notwendig? Schonmal drüber nachgedacht, dass ggf. nicht Emmelies Stimme sondern Ihre/deine Ansprüche daran das Problem sind?
4. "Waren das bezahlte Claquere des Internetcasting-Produktes?"
Ich antworte Ihnen gerne: Nein. Es waren Leute, die mit der Musik bzw. den vorgetragenen Liedern von Unheilig nichts anfangen konnten. Also Fans von anderen Gruppen oder mit anderem Musikgeschmack. Das Buhen fand ich zwar ungehörig, aber eine Verschwörung war es wohl weniger.

Wenn Sie sich also mit erfahreneren Künstlern beim ESC besser vertreten fühlen würden, empfehle ich Ihnen gerne die ESC-Finals der Jahre 1956-2002, 2004 bis 2009 sowie 2013. Gut waren die deutschen Auftritte deshalb noch lange nicht - vom Erfolg beim ESC und am dt. Plattenmarkt mal ganz zu schweigen.

Artikel

Projekte

Interviews

Informationen