Großartige Darbietungen beim Junior Eurovision Song Contest 2014 in Malta

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Am 15.11.2014 fand in Malta der 13. Junior Eurovision Song Contest statt, 16 Länder nahmen diesmal teil. Die Kinder haben die Erwachsenen in jeder Hinsicht überboten, vielleicht sogar vorgeführt. Bessere Songs, angemessenere Kostüme, besserer Gesang. Aber auch das Voting konnte mithalten mit dem, was man bislang an Diaspora-, Nachbarschafts- und Blockvoting erlebt hat. In Facebook-Gruppen zeigten sich so manche ältere ESC-Fans darüber ziemlich verärgert.

Da ich dem Voting ohnehin nicht traue, schenkte ich dem kaum Beachtung. Schon als der kleine Vincenzo Cantiello aus Neapel sein Lied "Tu primo grande amore" vortrug, war mir klar, dass er gewinnen würde. Mit lauter und klarer Jungenstimme besang der 14jährige inbrünstig im R&B-Stil die erste große Liebe. Er unterstrich seinen Vortrag mit Gesten der Hingabe und warf dem Publikum zwischendurch charmante Handküsse zu. Bei der ESC-Hymne mit eingängiger Melodie und satten Akkorden wurde bestimmt manch älterem Fan warm ums Herz.

Fast Punktegleichstand bei Platz 2 und 3. Während Betty aus Armenien (Platz 3) mit einer tollen Performance und wirkungsvollem Outfit punktete, konnte mich die 10jährige Krisia Todorova aus Bulgarien (Platz 2) etwas mehr bezaubern. In einem hübschen langen Kleid und Diadem im Haar sang sie ein ähnliches Lied wie ihr italienischer Konkurrent, nur mit weniger Emotionalität, dafür saßen aber die Töne perfekter. Sie ließ sich bei ihre Erwachsenenballade "Planet der Kinder" von zwei jungen Pianisten begleiten, die beim Klavierspiel schon sehr gut in Szene zu setzen wussten, worauf es im TV optisch ankommt. Beide, Team Krisia und Sieger Vincenzo, performenten mit einer Professionalität, von dem sich der Erwachsenencontest eine Scheibe abschneiden kann.

Standing Ovation gab es nach dem Auftritt der 11jährigen Federica Falzon aus Malta, und das hatte nur bedingt mit Heimvorteil zu tun. Sie beeindruckte mit einer klassischen Alt-Stimme und einem operettenhaften Song, der den Titel "Diamonds" trug. Eine mehr als nur beeindruckende Leistung, die Übung, Talent, Mut und Risikobereitschaft voraussetzt. Aber der Opernstil scheint weder beim ESC noch beim JESC den Geschmack 100%ig zu treffen. Immerhin Platz 4.

Während wir Erwachsenen also mit schiefem Gesang von Lykke Lis, Larys und Lenas maltretiert werden, konnte man beim JESC verfolgen, dass Kinder an sich und ihren musikalischen Fähigkeiten wesentlich höhere Anforderungen stellen als die Erwachsenen. Das finde ich aufschlussreich, und es gefällt mir besser als verdummende Kindertümelei.

Am „kindgerechtesten“ empfand ich die Lieder aus den Niederlanden und aus Slovenien, aber nach dieser Ausgabe des JESC weiss ich, dass ich das Wort „kindgerecht“ neu interpretieren muss. Denn ausgerechnet das, was “kindgerecht” klang, hätte beim Erwachsenencontest wahrscheinlich besser gepasst.

Die 15 Jahre alte Teenagerin Julia van Bergen aus den Niederlanden sang einen unbeschwerten Popsong, unterstützt wurde sie von einer Tanzgruppe junger Männer. Das lustige eh-eh-eh-oh-oh-oh-Motiv in ihrem Song "Around" erinnerte allerdings stark an Loreen's Euphoria, wofür dann auch prompt 12 Punkte aus Schweden kamen. Julia landete im Mittelfeld.

Die 12 Jahre alte Ula Lozar aus Slovenien ging mit dem modernsten Lied des Abends "Nise Sam" (Your Light) an den Start, trug diesen mit einer kindlichen Stimme und relativ unauffälligem Outfit vor, kam aber beim JESC leider nur auf Platz 12. Ula Lozar repräsentierte genau den Stil, mit dem derzeit viele erwachsene Pop-Sängerinnen auf infantile Weise kokettieren.

Teilnehmerliste und Endergebnis des JESC 2014.

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