I'm sorry for the time, that I killed your dreams - Die Niederländer entlarven ein weiteres ESC-Märchen

Nachdem vor kurzem durch die Niederländer Infos über kleine technische Sabotage-Akte beim Eurovision Song Contest an die Öffentlichkeit drangen, entlarven sie mit einer neuen Schlagzeile ein weiteres ESC-Märchen:

Jahrelang wird dem Publikum erzählt, dass bekannte Stars zu feige seien, um sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Deshalb müsse man auf Castingstars zurückgreifen oder sich mit weniger erfolgreichen Sängern begnügen. Dass das so nicht ganz stimmt, hat jetzt ein Vorfall in den Niederlanden bewiesen.

Kein geringerer als John de Mol hat sich auch für 2013 bereit erklärt, den niederländischen ESC-Beitrag zu produzieren, diesmal mit einer genauen Vorstellung von Erfolg. Seine Entscheidung fiel auf diese Musikerin:

http://www.youtube.com/watch?v=58mT8BSTxsI

ANOUK! Es stellte sich sogar heraus, dass Anouk bereits für den ESC 2012 in Baku einen „Killer-Song“ fertig gehabt hätte. Einziges Hindernis ist seitdem die verantwortliche TV-Anstalt TROS, die auf eine Vorentscheidungsshow besteht. Die TROS will also eine Strategie, mit der sie nachweislich seit 1998 erfolglos Geld aus dem Fenster wirft – und weist somit John de Mol und Anouk zurück. Diese wollen keine Vorentscheidung- oder Castingshow, sondern verweisen auf die 17-jährige internationale Karriere Anouks, die den Rahmen nationaler Vorentscheidungen und Castingshows sprengen würde und völlig andere Marketingstrategien erfordere.

Es sind zwar schon vereinzelt große Stars beim ESC aufgetreten, z. B. Patricia Kaas, Andrew Lloyd Webber oder Engelbert, aber erst nach Einladung und zu Bedingungen ihrer jeweiligen verantwortlichen Rundfunkanstalten, weswegen sie dann auch scheiterten. Die Bedingungen der Rundfunkanstalten scheinen einen Erfolg oder gar Sieg nicht vorzusehen, denn dann müssten sie nämlich den nächsten Contest austragen. Feige und faul sind also nicht die Stars, sondern die unmusikalischen Krämerseelen in den TV-Stationen. Wenn diese sich überhaupt mal zum Gewinnen bereit erklären, dann ist in der Tat das Brimborium um die Abgreifer aus Rundfunkanstalt, Musikindustrie, Wirtschaft, Politik und Presse wichtiger als der musikalische Act, der nach seinem Wahnsinnserfolg möglichst schnell wieder eingestampft werden muss, um Platz zu schaffen für die nächste Runde.

Das Neuartige und Sensationelle ist diesmal, dass Anouk und John de Mol die Rundfunkanstalt umgehen und Anouk ihre musikalische Selbstbestimmung öffentlich in der Presse einfordert: "Ik doe graag mee aan het songfestival, maar ik ga niet meedoen aan een soort talentenjacht of voorrondes. Niet om arrogant te doen, maar ik vind dat ik na zeventien jaar wel genoeg bewezen heb wat betreft mijn kwaliteiten als zangeres en songwriter.“

Sensationell finde ich allerdings auch, dass ausgerechnet John de Mol, nachdem er uns so manche abgründige TV-Show mit Publikumsbeteiligung wie z. B. „Big Brother“ oder „Voice of“ erfolgreich verkauft hat, deren Sinn und Zweck jetzt selber untergräbt. Und das deutsche Vorentscheidungskonzept von 2011 mit beispielsweise 25 mal Anouk gegen Anouk – Anouk im roten Kleidchen, Anouk im grünen Röckchen, Anouk mit und ohne Zöpfe, Anouk sitzend, Anouk mit Hüftschwung, Anouk vorwärts, rückwärts und von der Seite – schien für beide Streitparteien keine Option.

Ergebnis: Die TROS bleibt trotzig und de Mol und Anouk haben kein Interesse mehr an einer ESC-Teilnahme. Schade, Anouk hätte den ESC mal auf eine ganze andere Ebene gehoben.

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