Polina Gagarina aus Russland wird mit „A Million Voices“ Siegerin der Herzen

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Da Polina nur zweite wurde, bleiben dem russischen TV-Kanal Channel One die Kosten und Mühen einer Ausrichtung des ESC in 2016 erspart. Diese Aufgabe haben nach 3 Jahren schon wieder die Schweden, und es dürfte nicht einfach werden, den schwedischen Steuerzahler von Sinn und Zweck der Kosten einer schon ins Unbotmäßige aufgemotzten Show zu überzeugen, zumal sich die Euphorie über ihren Siegersong "Heroes" von Mans Zelmerlöw bislang in Grenzen hält.

Euphorische Äußerungen kamen in den sozialen Netzwerken auf jeden Fall für die von Florian Wieder entworfenen Bühnenbilder, und es waren nicht zuletzt spektakuläre Animationseffekte, die dem Sänger Mans Zelmerlöw zum Sieg verhalfen.

Building Bridges
Eröffnung und Pause waren stilvoll wie nie und sorgten mit den Wiener Philharmonikern, dem Radio-Symphonieorchester des ORF, den Wiener Sängerknaben, dem Arnold-Schönberg-Chor, dem Percussion-Künstler Martin Grubinger, dem Rapper Leftboy und Vorjahressiegerin Conchita Wurst mit Anklängen an Gustav Mahler und Arnold Schönberg für Gänsehaut. Sogar die drei Moderatorinnen hatten ihren Gesangspart. Damit setzte sich dieser Contest angenehm von den gewaltwitzigen und zu sehr auf Eurovisionsgeschichten fixierten Austragungen der Skandinavier ab.

Was das Ergebnis betrifft, bleibe ich dabei: Loic Nottet aus Belgien oder Aminata aus Lettland wären würdigere Sieger gewesen. Sie stachen aus der Menge besoffener Balladen und Partysongs heraus. Konzentriert, ruhig und punktgenau setzten sie mit guter Stimmperformance auf Risiko.

Wem gehören die Million Voices?
Wie schon letztes Jahr wurde man als Zuschauer wegen reflexartiger Buh-Rufe gegen Russland während des Votings wieder Zeuge eines kindischen Polit-Spektakels.

Twitter-Zitat: „Wer Intoleranten mit Hass entgegenkommt, hat den Sinn von Toleranz nicht verstanden.“

Facebook-Zitat: „Als die Russin zwischenzeitlich führte, konnte man in der Stadthalle - politisch motivierte - Buhrufe hören. Erst nach einer Aufforderung der Moderatorinnen verstummten die Pfiffe. Erst recht, als Schweden die Führung übernahm. I schähm mich das i a Ösi bin !!! Und des in a Stadt wo schwule Ampeln san.“

Die Anti-Russlandfraktion versuchte offensichtlich zu polarisieren. Und prompt kam es zu sonderbaren Vorfällen. Ich zitiere den Eindruck eines Zuschauers aus Facebook: „Komischerweise brachen bei sicheren Ländern, die Pro Russland waren, die Verbindungen ab. Und dann ging es plötzlich schlagartig bergab [mit Russlands Punkten]. Und als dann die Schweden unaufholbar vorne lagen, wurden die vorher abgebrochenen Verbindungen hinten angehängt und liefen danach problemlos.“ 3 Verbindungsabbrüche und 2 disqualifizierte Jury-Wertungen aus Mazedonien und Montenegro... Ob Zufall oder nicht, dies trägt mal wieder nicht zur Glaubwürdigkeit der Veranstaltung bei.

Und am nächsten Tag geht die Polarisierung auf Twitter weiter: „Eigentlich wäre es doch witzig gewesen, wenn Russland gewinnt. Die ganze Welt schaut denen dann nächstes Jahr auf die Finger. Und alle senden nur Gays dahin.“

0 Punkte für Deutschland aus Europa und 12 Punkte aus Deutschland für „Putins Propagandalied“
Vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen Russland eine Lachnummer und eine Schlappe für die deutschen Mainstream-Medien, die spätestens seit der Ukraine-Krise kein gutes Haar an Russland lassen. Und beim ESC schon gar nicht.

Da bleibt die Musik auf der Strecke. Ann Sophie hat die Vorentscheidung unverdient gewonnen und dann den ESC unverdient verloren.

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