Kulturtanzdemo Frankfurt

Kulturtanzdemo 2012 Frankfurt

Nach dem erstinstanzlichen Urteil in der Klage der GEMA gegen uns, wurde ich von der Initiative Clubs am Main angesprochen, ob ich nicht eine Rede auf der Kulturtanzdemo in Frankfurt halten wollte. Da die Ziele deutlich über "wir finden die Tarifreform doof" hinausgehen habe ich natürlich zugesagt. Spotan wurde die Rede dann von der Zwischenkundgebung auf die Abschlußkundgebung verlagert. Da die Zeit auch etwas vorgerückt war, habe ich sie etwas kürzer gehalten. Der Vollständigkeit halber gebe ich sie aber hier zu Protokoll. :)

Was mich und auch die Veranstalter überrascht hat war, dass es von Seiten der Polizei keine Auflagen gab. Es gab keine Wagenabnahmen, keine Lautstärkekontrollen und die Präsenz bei der Demonstration war gleich Null. Darauf ein großes Danke an die Verantwortlichen!

Hallo!
Mein Name ist Christian Hufgard, ich bin Vorsitzender des Vereins Musikpiraten und werde gerade von der GEMA verklagt.

Wieso? Nun, wir Musikpiraten veranstalten seit vier Jahren einen Wettbewerb für Musiker, die ihre Musik unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlichen. Mit diesen Lizenzen können Urheber allen Menschen gewissen Rechte an ihren Werken einräumen. Was dabei immer erlaubt ist, ist das kostenlose Kopieren. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel für Creative Commons ist die Wikipedia. Alle dort veröffentlichten Artikel stehen unter einer CC-Lizenz.

Letztes Jahr haben wir wieder eine CD pressen lassen. Einer der Songs auf der CD ist Dragonfly von texasradiofish. Texasradiofish kommen auf den USA und sie wollen nicht, dass ihre bürgerliche Identität bekannt wird. Sie haben uns schriftlich versichert, dass sie alle Rechte an dem Werk besitzen. Sie haben uns schriftlich versichert, dass sie keiner Verwertungsgesellschaft angehören. Eigentlich kein Problem, sollte man meinen. Denn Creative Commons-Lizenz und GEMA schließen sich kategorisch aus. Trotzdem will die GEMA von uns Geld kassieren. Klingt komisch? Ist aber so. Das ganze ist vollkommen legal und nennt sich GEMA-Vermutung.

Die GEMA-Vermutung kehrt ein grundlegendes Rechtsprinzip um: Im Zweifel für den Angeklagten. Dieses Prinzip wurde vor mehr als zweitausend Jahren von Aristoteles in Griechenland geprägt. Von den Griechen übernahmen es die Römer. Es überdauerte das finsterste Mittelalter und galt auch in Deutschland. Bis 1985 die GEMA auf die Idee kam, dass ihr Geschäftsmodell viel einfacher wäre, wenn in Zukunft der Beschuldigte seine Unschuld beweisen muss. "Im Zweifel für den Angeklagten" wurde ersetzt durch die GEMA-Vermutung.

Nun, damals, im letzten Jahrtausend, war vieles anders. Dieses Smartphone hier hat mehr Rechenkapazität als der Computer, mit dem Neil Armstrong auf dem Mond gelandet ist. Um ins "Internet" zu gehen, brauchte man einen Akkustikkoppler. Und die coolsten Kids waren die, die ein Doppel-Kassettendeck hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Musik kopiert oder genutzt hat, die nicht in den Klauen der GEMA hing war denkbar gering.

Seitdem hat sich das Rad der Zeit aber weitergedreht. Majorlabels bekommen von Apple gezeigt, wie man Musik im Internet verkauft. Urheber und Musiker brauchen keine Plattendeals mehr, um ihre Musik an Millionen Fans weltweit zu verbreiten. Wer ein Album produzieren will, muss nicht mehr bei einem Label betteln gehen und alle Rechte an seinem Werk bis 70 Jahre nach seinem Tod verkaufen. Über Crowdfunding wird von der kleinen 10.000€-Produktion bis zum Millionen-Dollar-Album alles finanziert. Und die GEMA?

Die GEMA geht wie 1985 davon aus, dass jeder Urheber weltweit nur davon träumt, die Rechte an seiner Musik für immer abzugeben. Die GEMA behauptet bei jeder Gelegenheit, sie wäre ein auf Solidarität aufgebauter Verein. Der nur die Interessen der Urheber vertritt.

Weiss hier jemand, was der Vorstandsvorsitzende der GEMA im Jahr verdient? -- Nun, Harald Heker verdient 40.000€. Mehr als sieben mal so viel wie ein durchschnittliches GEMA-Mitglied, das nicht zu den oberen 10.000 gehört. Oh, und Herr Heker erhält diese Summe jeden Monat.

Zurück zur Musik, denn um die geht es uns allen hier. Hören wir mal ein paar Takte wegen von dem Song, wegen dem uns die GEMA verklagt hat. Er heisst Dragonfly und ist von texasradiofish. Er steht unter einer CC-BY-Lizenz und ist somit so frei, wie ein Song nur sein kann. Zumindest ausserhalb Deutschlands.

Wir Musikpiraten haben in der ersten Instanz hier in Frankfurt vor dem Amtsgericht verloren. Aber wir werden weiterkämpfen. Auf dem neuen Free! Music! Sampler ist wieder ein Song von texasradiofish dabei. Wenn es sein muss, klagen wir uns bis zum Bundesgerichtshof. Denn es geht um mehr als 68€, die die GEMA von uns kassieren will.

Es geht darum, das Machtmonopol der GEMA über die Musik zu brechen.

Es geht darum, dass Musiker das Recht haben, unter Pseudonymen Musik zu veröffentlichen ohne dafür der GEMA Schutzgeld zahlen zu müssen!

Musik ist viel zu wertvoll, um sie einem raffgierigen Verein wie der GEMA zu überlassen!

Free! Music! Sampler - Freedom & Free Beer, by Musikpiraten e.V.

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Kommentare (4)

... Schade, dass der "Gast" anonym bleiben will... Die Argumentationskette klingt nach Fachmann, oder sollte ich in diesem Fall vielleicht besser von einer tief im Thema "Öffentlichkeitsarbeit" steckenden Fachfrau sprechen?

Guten Tag!
In Ihrer Rede schreiben Sie davon, dass Sie Geld für Musik ausgeben müssten, die nicht zum GEMA Repertoire zählt.
Das ist aber nicht der Fall, da Sie die Möglichkeit nutzen könnten, Ihre Informationen offen zu legen. Dann müssten Sie gar kein Geld an die GEMA bezahlen. Mit einer Meldung an die GEMA wird noch lange nicht, wie behauptet, der Name von "Texasradiofish" veröffentlicht.
Wo liegt also Ihr Problem?
Im täglichen Leben haben wir es ständig mit "Vermutungen" zu tun. Ich zahle für mein Gas im Voraus, die Nebenkosten an meinen Vermieter, Strom und vieles andere. Auch das Finanzamt, der Staat, verlangt eine Steuererklärung, damit ich Geld zurück bekomme.
Der GEMA müssen Sie nichts bezahlen, wenn Sie die Künstler offen legen, die auf Ihre Platte kommen. Wer auf Teufel komm raus nicht in die GEMA eintreten möchte, soll es eben lassen. Außer der 3 Cent Faxgebühr an die GEMA entstehen dem Plattenproduzenten dann auch keine Kosten. Wenn Sie es toll finden, dass ihre Urheber dann entsprechend auch kein Geld ausgezahlt bekommen, bitte. Sollte die Platte im Radio oder Fernsehen gesendet werden, umso ärgerlicher für den Urheber. Dass sich Autoren, die nicht in die GEMA eintreten, sich selbst Schaden zufügen, ist ja dann auch eigene Dummheit, aber eine andere Diskussion wert.
Ihre Argumentation, in der es letztlich um 3 Cent geht, vielen Urhebern aber die Sicherheit bringt, dass auf Veröffentlichungen wirklich überprüft wird, ob eines Ihrer Werke womöglich veröffentlicht wird, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Das bizarre an der Diskussion ist, dass Sie den Eindruck erwecken, Sie würden im Interesse der Musiker handeln. Aus ökonomischer Sicht ist dies zumindest nicht so.

Das Problem liegt, wie ja auch in der Rede steht, darin, dass die GEMA einfach behaupten darf, die Musik wäre gemapflichtig. Die Veröffentlichung unter einer CC-Lizenz unter Pseudonym ist darüber hinaus nicht mit der GEMA-Mitgliedschaft vereinbar. Die GEMA unterstellt also, dass die Urheber ihren Wahrnehmungsvertrag vorsätzlich brechen und wollen uns zwingen, das Gegenteil zu beweisen. Damit habe ich ein massives Problem.

Es gibt Urheber, die sind nicht nur auf Kohle aus. Die wollen, dass ihre Werke gehört und geliebt werden, statt bezahlt. Solche Künstler fördern wir. Da müssen wie 3000 ordentlichen Mitglieder der GEMA halt aussen vor bleiben. Aber die haben eh ausgesorgt. Bis 70 Jahre nach ihrem Tod...

Hi!

Schöne Rede. Da haben ein paar obere GEMA-Tiere bestimmt mit den Zähnen geknirscht. Vorallem, weil ihr euren Free! Music! Sampler trotzdem weiter veröffentlicht und das immer wieder schön erwähnt. Die müssen ja schäumen vor Wut! :D

Dass sie jetzt Facebook und co. gestürmt haben, zeugt davon, dass sie langsam kalte Füße kriegen. Ihr habt sie aus der Reserve gelockt: Medienaufmerksamkeit ist das Letzte, was die GEMA gebrauchen kann. Gute Arbeit. Langsam wird absehbar, dass man gegen die GEMA gar nicht unbedingt antreten muss - sie bekämpfen sich ja offensichtlich selbst besser als es andere je tun könnten.

Ich mache keine Musik, aber ich verstehe, warum das Machtmonopol der GEMA unbedingt gebrochen werden muss, damit Musikkultur erblühen kann. Wenn die C3S genug Unterstützer findet und loslegen kann, wird das einschlagen wie eine Bombe.

Liebe Grüße
Dani

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