Lena im ESC-Finale 2010: Live is live? [Update]

Man musste kein Musik-Fan sein, um letztes Jahr die Lena-Manie mitzubekommen. Quasi aus dem Nichts kam sie, sang und siegte. Nur sang sie wirklich? Dieser Frage ging Edda heute auf den Grund. Denn in einem ESC-Fan-Forum wurde jetzt ein Video verlinkt, das zwar schon einige Monate alt ist, aber angeblich erst kürzlich veröffentlicht wurde. Es zeigt die zweite Generalprobe in Oslo, anhand derer auch die Mitglieder der Jury ihre Wertung abgaben. Einen Tag später trat Lena erneut auf und gewann - gloreich.

Lena brachte das Wunder fertig, jeden Ton bei dem Finale genauso (nicht) zu treffen, wie bei der Generalprobe. Jeder Seufzer - auf den Punkt. Jeder Atemzug passt perfekt. Jedes Gekicher sitzt.

Wer das nicht glauben mag, dem sei folgendes Experiment ans Herz gelegt:

Generalprobe und Finale in den YouTube-Mixer werfen. Das Finale mit drei Sekunden Versatz starten und dann zwischen den beiden Live-Versionen hin und her wechseln.

Alternativ kann man auch beide Lieder runterladen und mit dem Audio-Tool der Wahl nebeneinander legen. Als Probe aufs Exempel einfach mal von dem einen Auftritt den linken Kanal nehmen und vom anderen den rechten. Die Übereinstimmungen sind verblüffend. Entweder ist das ein riesengroßer Zufall und mein ungeschultes Ohr erkennt die Unterschiede einfach nicht, oder aber dies ist der größte Skandal in der Geschichte des Playback seit Milli Vanilli. Für den desillusionierten Musikkonsumenten unter uns mag das kein großes Problem sein, aber ein wichtiges Element des ESC-Spektakels sind die Live-Auftritte. Und sollte tatsächlich ausgerechnet bei Lena gemauschelt worden sein, wäre das ein grober Vertrauensbruch.

Update:
Peter hat in einem Kommentar folgendes festgehalten:

Ja, das kann man ausschließen, da die beiden Versionen eindeutig nicht gleich sind und die Playback-Vorwürfe Humbug sind!
Deutlichstes Beispiel:
Vergleicht 2:51 in der Generalprobe und 2:49 im Finale – das »No« ist doch eindeutig höher und energischer in der Generalprobe.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche feine Unterschiede, die aber zugegebenermaßen schwerer zu hören sind.

Er hat Recht. Die "No"s sind eindeutig unterschiedlich. Schade um die schöne VT. :)

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Kommentare (7)

Hört man beide Videos "gleichzeitig", hört man nur eine Version. Zumindest bis zum verstärkten Einsatz des Background-Chores zum Ende des Liedes, ab da gibt es eine Irritation. Aber eine Hüllkurvendiskussion o. ä. würde ich deswegen nicht riskieren. Schließlich könnte es ja live sein, genauso gut aber könnte es sich auch um 2 vorproduzierte Einspielungen handeln (ok, das war jetzt fies ;-).

Ob bei einer solchen Aufdeckung in Deutschland wohl Sektkorken knallen würden? Ich glaube ja. Und warum?

Mir persönlich missfällt die belobhudelte Kooperation mit den Privaten (Pro7), denn sie ist nur die schleichende Rundfunkprivatisierung, mit der letztendlich die Abschaffung der Meinungsfreiheit einhergeht. Wem wie mir der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk noch was bedeutet, der kann an so viel Unausgewogenheit, Lena-Trivialisierung, so viel Opel, Henkel und Bertelsmann keinen Gefallen finden.

Der ESC-Lena-Sieg, die ganzen Lena-Preisverleihungen, die Lena-Titelverteidigung und die überzogene Lena-Darstellung nehmen langsam groteske Züge an. Ein Ablenkungsmanöver? Ich denke, es soll diese Privatisierungskampagne als erfolgreich und wünschenswert darstellen und eine objektive und ausgewogene Berichterstattung darüber unmöglich machen.

Ich hab die beiden Versionen mit Audacity verglichen und muss sagen: Die Ähnlichkeit ist verblüffend.

Die Frage ist: Ist dieses Video von den Generalproben echt? Oder kann man ausschließen, dass jemand die Tonspur vom Finale verwendet hat, um dieses Video zu erstellen?

Ja, das kann man ausschließen, da die beiden Versionen eindeutig nicht gleich sind und die Playback-Vorwürfe Humbug sind!
Deutlichstes Beispiel:
Vergleicht 2:51 in der Generalprobe und 2:49 im Finale – das »No« ist doch eindeutig höher und energischer in der Generalprobe.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche feine Unterschiede, die aber zugegebenermaßen schwerer zu hören sind.

Und ich muss sagen, mich wundert es nicht, dass beide Versionen sehr ähnlich klingen. Für so einen Auftritt war Lena mit Sicherheit top vorbereitet, da erlaubt man sich keine Improvisationen… jeder Ton, jeder Atemzug, jede Bewegung sitzt so wie einstudiert, ist doch klar. Das ist eine Show, da muss alles so perfekt wie nur möglich sein…

Hast Recht - das ist eindeutig ziemlich unterschiedlich. Viele Ohren hören halt doch eindeutig mehr als nur zwei - und wenn dann noch Musiker-Ohren dabei sind... Schade um die schöne VT. :)

Ist doch nichts Neues dass bei solchen Veranstaltungen nichts echt. Wer heute in den Medien, sei es im Radio oder im Fernsehen, noch live singt ist schon eine Besonderheit. Hört euch doch mal Katy Perry an wenn die unplugged irgendwo singt - es klingt zum Kotzen. Singt sie aber live passt alles. Ganz zu schweigen von der CD wo auch jeder Ton sitzt. Musik ist heutzutage einfach nur noch Playback-Gesinge und Tonstudiobearbeitung. Traurig aber wahr. Und da ist auch eine Lena nicht besser.

Ich dachte das wäre eine allgemein anerkannte Tatsache, dass bei der Veranstaltung nichts echt ist. Als z.B. vor vielen Jahren Knorkator im Plüschfell auftraten und ihr Kinderschlagzeug zerdepperten war auch klar, dass an diesem Schlagzeug keine Mikrofone dran waren...

Bei dem Schlagzeug ist das ok - die Musik kommt beim ESC seit 1998 ausschließlich vom Band.

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