Musik für eine bessere Welt

BERICHT und INTERVIEW von Anja Koeseling(Yemalla Prada Berlin)

über den Videodreh in Mosambik Maputo mit Alex O. Silva

Afrika- der vergessene Kontinent

Wegschauen hilft nicht!

Mosambik war Anfang der 90er Jahre das ärmste Land der Welt. Ursachen waren der jahrzehntelange Krieg um die Unabhängigkeit von der alten Kolonialmacht Portugal und dem darauf folgenden Bürgerkrieg, der erst 1993 durch einen Friedensvertrag beendet wurde.
Trotzdem lebt weiterhin ein Großteil der Bevölkerung in extremer Armut, fast drei Viertel der Einwohner müssen mit weniger als 1 USD pro Tag auskommen. Ländliche Regionen sind stark überproportional von der Armut betroffen.Ein schwerwiegendes Entwicklungshemmnis sind Infektionskrankheiten wie HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose. Mehr als 15 Prozent der Bevölkerung sind mit HIV infiziert und Malaria ist der Grund für etwa ein Drittel aller Todesfälle von Kindern. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Mosambik beträgt nur 41 Jahre. Ohne wirksame Maßnahmen gegen die HIV/Aids-Pandemie wird sie in den nächsten Jahren noch weiter sinken. Die Anzahl der Straßenkinder nimmt vehement zu.


Dem Musiker Alex Silva beschäftigte das Thema so sehr, dass er im Januar dieses Jahres einen Song schrieb und produzierte. Kurz darauf drehte er sein Video in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, in einem der ärmsten Länder der Welt.

Yemalla Prada Berlin: Wie kamst du auf die Idee, einen Song über Straßenkinder zu schreiben?

alex o. silva

Alex Silva: Als ich anfing den Text zu schreiben, hatte ich noch keine wirkliche Vorstellung vom Inhalt meines neuen Songs. Ich fing einfach an zu schreiben, und sah afrikanische Kinder vor meinen Augen. So entstand die eigentliche Idee mit einem Lied für Straßenkinder etwas tun zu können. Wir sehen ständig Bilder in den Medien von hungernden Kindern, doch die Realität ist fast unerträglich. Solange es Hunger und Armut auf der Welt gibt, kann sich niemand mit einem guten Gewissen zurücklehnen.....

Nach dem der Text im Januar 2008 fertig war, produzierte ich "Madonna Mia", und nach der Produktion stand die Frage im Raum: "Was nun?"....

Also schrieb ich über 100 Organisationen an, um ihnen mein Konzept anzubieten, es folgten nur Absagen. Es ist schon seltsam, das du helfen willst, doch niemand will deine Hilfe. Jetzt willst du helfen und kannst nicht.

Die Absagen waren immer mit derselben Antwort begründet: "Herr Silva, wir finden ihre Idee sehr gut, aber leider können wir ihnen nicht dabei helfen. Wären sie Herbert Grönemeyer oder Bono, würden wir sie sofort unterstützen."....

Doch gerade wenn es uns gut geht, vergessen wir, dass es anderen Menschen viel schlechter geht als uns. Das Thema hat mich sehr beschäftigt, also beschloss ich einen Videoclip zu Gunsten von Straßenkindern weltweit für meinen Song "Madonna mia" zu drehen. Dann kam der Anruf von dem Kinderhilfswerk "terre des hommes", Insa Schröder, die Projektleiterin der Aktion "Straßenkind für ein Tag", vereinbarte einen Termin mit mir.....

Yemalla Prada Berlin: Und wie ging es dann weiter?

Alex Silva: Wir trafen uns in Kleinheubach, um das Konzept zu besprechen. Die Chemie hat gestimmt, und so arbeiteten wir mein Konzept aus, und es war klar, dass ich mein Video nur vor Ort in Mosambik drehen konnte.

Yemalla Prada Berlin: Warum ausgerechnet Mosambik?

Vorort von Maputo

Vorort von Maputo. Quelle: Amigo Dia, CC by-sa


Alex Silva: Beim Songwriting sah ich afrikanische Kinder, und da Mosambik bis 1977 eine portugiesische Kolonie war, wusste ich, das ich mich vor Ort in meiner Muttersprache verständigen kann, und so die Möglichkeit habe, mich persönlich mit den Einwohner Maputos zu unterhalten.

Mir war es wichtig, nicht nur einzelnen Straßenkindern, sondern allen weltweit mit meinem Videoclip zu helfen, denn dies, ist allein was zählt.....

Ich habe mich persönlich dazu entschlossen, mich zukünftig für die Straßenkinder in Maputo ein zusetzen. Diese Kinder sind mir wirklich ans Herz gewachsen.

Yemalla Prada Berlin: Gab es noch andere, die dein Projekt unterstützen wollten?....

Alex Silva: Ja, ich suchte noch Menschen, die mich finanziell unterstützen wollten, und bereit waren Straßenkinder zu helfen. Heiko Hansen vom "Werbebüro Hansen" aus Kleinheubach, ein sehr guter Freund von mir, Michael Riegel und natürlich das Kinderhilfswerk "terre des hommes", unterstützten mich. Der Kameramann und Cutter Andreas Bramm war bereit mir ehrenamtlich behilflich zu sein. Er drehte schon mein erstes Video „Nur Du“. Nach der endgültigen Einigung mit "terre des hommes" ging die Planung weiter.

Frau Hannelore Book von "terre des hommes", stellte den Kontakt in Mosambik mit der Leiterin des Office, Dona Lea, her. Sie organisierte die Abholung vom Flughafen, die Unterkunft im Hotel, die Drehgenehmigungen und sorgte für die Tagesplanung vor Ort in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks.

Yemalla Prada Berlin: Wann bist Du nach Afrika geflogen?

Alex Silva: Am 7.9.2008 sind der Kameramann Andreas Bramm und ich nach einem sechzehnstündigen Flug in Maputo gelandet, und da ich bereits am 11.9.zurückfliegen musste, da ich Konzerte in Deutschland hatte, blieb uns nicht viel Zeit, und wir mussten sofort mit der Umsetzung unseres Konzeptes beginnen. Dona Lea, die Leiterin des Office in Maputo, holte uns vom Flughafen ab. Die ersten Bilder schockierten mich bereits am Flughafen. Ich spürte die Armut, die in der Luft lag.

Gleich am ersten Tag stellte uns Dona Lea bei den Straßenkindern vor. Das erste Bild, was für mich sehr persönlich war, war ein kleines sechsjähriges Mädchen im Zentrum, das in der Ecke saß und ihren Bleistift mit einer scharfen Rasierklinge anspitzte.

Dieses Bild ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich kaufte noch am gleichen Tag für die Kinder Tischanspitzer in der Stadt und fuhr zurück zum Zentrum, um den Kindern zu erklären, wie diese funktionierten. Mein Vorteil war ganz klar, dass ich Portugiese bin, und so die Möglichkeit zur Verständigung hatte.

Die Reaktion der Kinder ging mir sehr nah, sie freuten sich über einen Gegenstand, den in Deutschland jedes Kind hat, und der manchmal achtlos in die Ecke geworfen wird.

Yemalla Prada Berlin: Was kann man unter einem Zentrum verstehen?

Alex Silva: Nun, das Zentrum in Maputo ist nicht so, wie wir uns ein Zentrum vorstellen. Dieses besteht aus 3 Räumen, die wie Kellerräume aussehen und aus puren Mauerwerken bestehen, unsere Keller dagegen sind Luxus.

Yemalla Prada Berlin: Halten sich die Kinder dort den ganzen Tag auf?

Alex Silva: Die Straßenkinder sind in dem Zentrum von 8-16.00 Uhr, davon haben sie 3 Stunden Unterricht. Aufgeteilt sind die Kinder in drei verschiedenen Altersgruppen, sie bekommen etwas zu essen und sind dann unter Aufsicht. Aber das wichtigste ist, das die Kinder in der ganzen Zeit, während sie sich im Zentrum aufhalten, von der Straße weg sind.

Yemalla Prada Berlin: Gab es einen Moment, der für dich unvergesslich war?

Maputo

Markt in Maputo. Quelle: Amigo Dia, CC by-sa


Alex Silva: Die Eindrücke dort sind alle unvergesslich. Sie sind nicht vergleichbar mit den Bildern aus der Zeitung oder aus dem Fernseher. Es ist etwas ganz anderes, wenn man direkt vor Ort ist, sich dort persönlich ein Bild von der Lage der Menschen und vor allem der Kinder machen kann.

Zum Beispiel sind wir am Straßenrand einer Schnellstraße am Indischen Ozean angehalten, dort stand ein kleiner Junge, weit und breit kein Erwachsener in seiner Nähe zu sehen. Er kam zu uns, hielt seine kleinen Händchen auf, um zu betteln. Dona Lea fragte ihn, wie er heißt, wie alt er ist und ob er in der Schule war. Der achtjährige Antonio reagierte mit einem leisen Nein.

Ich hatte einen Kugelschreiber und beugte mich zu ihm runter, um ihm diesen zu schenken, und sagte auf portugiesisch zu ihm: „Du musst mir versprechen, das du morgen wieder zur Schule gehst.'

Er nickte.

Dann nahm ich seine Hand und bin mit ihm über die Straße in ein Cafe gegangen, um ihm dort etwas zu trinken zu kaufen. Er erzählte mir ein wenig über sein Leben in Afrika.

Ein weiteres Erlebnis hatte ich, als uns Dona Lea danach durch die Slams von Maputo führte. Ich habe so viele Kinder auf der Straße gesehen, die täglich um ihr Leben kämpfen müssen. Das ist einfach nur erschütternd und traurig.

Wir hielten auch an dem Hauptfriedhof von Maputo an, auf dem Dona Lea..s Vater beerdigt wurde, sie wollte uns zeigen, wie die Kinder unter anderem ihren Lebensunterhalt verdienen.

Es kamen gleich 10 Kinder angerannt. Eines hatte Blumen in der Hand, ein anderes trug 5 Liter Flaschen dreckiges Wasser, zum putzen der Gräber. Dona Lea wählte 3 Kinder aus, um das Grab ihres Vaters zu pflegen und erklärte uns, dass auf dem Friedhof 70 % der Toten an Aids und Malaria gestorben sind. In diesem Moment fühlte ich das starke Elend in diesem vergessenen Kontinent, und verstand, warum Afrika diesen Namen trägt.

Ein anderes trauriges Ereignis war, als uns Donna Lea zu den 2 Quadratkilometer großen Müllkippe führte. Dieses kleine Stückchen Erde ist für die Straßenkinder Maputos überlebenswichtig. In Maputo existiert keiner Mülltrennung, wie wir es kennen. Die großen Hotels werfen ihre Reste auf die Müllberge. Die Kinder wiederum durchsuchen alles nach essbarem und sonstigen Gegenständen wie Metall und so weiter, das sie für wenige Dollar-Cents weiter verkaufen.

Yemalla Prada Berlin: Konntest du einen Eindruck über das Leben von Familien gewinnen? ....

Alex Silva: Wenn die Eltern von den Kindern sterben ,kommen sie zu den Angehörigen wie Onkel und Tanten, wenn auch diese sterben, übernimmt das älteste Kind, die Verantwortung über die Familie. Das heißt, das ein 12 jähriges Kind das Oberhaupt ist, und Sorge für alle anderen tragen muss. Es hat keine andere Wahl, außer zu betteln, diverse Kleinarbeiten zu leisten, wie an der Ampel stehende Autos zu reinigen, Gräber waschen und so weiter, um seine Familie zu Ernähren.

Im Durchschnitt hat eine Familie ca. 8 Kinder, und der größte Teil lebt in bitterer Armut.

Eine zehnköpfige Familie muss mit weniger als 1 USD am Tag leben. Mir fiel gleich ein, dass ein Liter Diesel in Maputo 1,05 Euro umgerechnet kostet. Der Tischanspitzer, den ich den Kindern im Zentrum schenkte kostete zw. 3-4 Euro.

Ich war nur an einem Ort auf der Welt, an den so viel Armut herrscht, aber auf der Welt gibt es noch viele andere Orte, in denen Millionen Kinder hungern müssen. Das bekämpfen dieser menschenunwürdigen Tatsache verdient eine sehr große Aufmerksamkeit, und wenn jeder auf dieser Erde nur EINEN Euro spenden würde, das würde reichen, um diesen Kindern eine Schulausbildung und ein besseres Leben zu ermöglichen.

HELFE MIT! und sende das Video 'Madonna mia' an all deine Freunde, Bekannte und Verwandte weiter, und spende nur ein paar Euros um Straßenkinder weltweit zu helfen.

Danke für Deine Unterstützung



Hier geht es zum Videoclip auf MySpace.com.

Besonderen Dank geht an :

Insa Schröder und Hannelore Book von "terre des hommes" /// Michael Riegel aus Bürgstadt /// Heiko Hansen vom Werbebüro Hansen /// Kameramann und Cutter Andreas Bramm



Spende nur ein paar Euros und helfe damit Straßenkinder weltweit

terre des hommes Deutschland e.V.
Spendenkonto: 700 800 700
BLZ: 265 900 25
Stichwort: Madonna Mia
Volksbank Osnabrück Eg


Für Auslandsüberweisung

BIC: GENODEF1OSV
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