Netlabelnights

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Netlabelnights
Am 26.03.2009 fand die zweite Netlabelnight statt. Im gemütlicher Atmosphäre im Pretty Vacant fanden Netzaktivisten, Musiker, Bürgerrechtler und Partyfreunde zusammen, um bis spät in die Nacht gemeinsam zu feiern und zu quatschen. Mit gutem Gewissen kann der Autor jetzt wirklich jedem raten, dort vorbeizuschauen - es lohnt sich. Und wenn es nur um der Cola-Auswahl zuliebe ist. ;)

Im Anschluss an die Party war einer der Organisatoren, Florian Kuhlmann, so nett, ein paar Fragen zu beantworten.

Christian: Hi Florian, du bist einer der Macher der Partyreihe "Netlabelnights". Ausser dir ist da eine ganze Reihe von Netlabels, CC-Musikern, Netzkünstlern, Datenschutzaktiven und Bloggern. Wie kommt's, dass sich so eine bunte Truppe zusammenfindet, um Parties zu feiern?

Florian: Die Party ist eigentlich nur der Aufhänger um sich mit einem Thema zu beschäftigen, dass
mich schon lange beschäftigt:
Open Access und in dem Zusammenhang Creative Commons. Im vergangenen Jahr haben wir - d.h. hauptsächlich Leute die sich über den AK-Vorrat zusammgefunden haben - uns primär mit der Vorratsdatenspeicherung beschäftigt. In diesem Zusammehang haben wir Vorträge und Podiumsdiskussionen organisiert und an den bundesweiten Aktionen des AK teilgenommen.
Wer sich jetzt etwas näher mit dem Thema beschäftigt, stellt recht schnell fest, dass immer dann, wenn es um die Forderungen nach Kontrolle des Netzes geht, auch die Contentmafia nicht weit entfernt ist. Die Grundlage des Geschäftsmodells der Kulturindustrie ist nun einmal der restriktive Umgang mit geistigem Eigentum. Dem wollten wir mit der Netlabelnights-Reihe etwas entgegensetzen und zeigen, dass Kultur eben auch anders funktionieren kann. Wenn wir diese Idee der freien Verfügbarkeit von Ideen breiter verankern können, würden wir auch den eben genannten politischen Kräften naturgemäß Boden entziehen.

Christian: Vorletzten Monat habt ihr die erste Party gefeiert. Wie ist es gelaufen? War das Haus voll?

Florian: Was wir machen ist natürlich erst einmal eine Veranstaltung für ein Nischenpublikum. Aber in Anbetracht dieser Tatsache, war es ein Erfolg. Wir hoffen, die Netlabelnights auch über Düsseldorf hinaus bekannter zu machen. Ein wirklicher Erfolg wäre es, wenn aus dem Partyevent ein Treffpunkt für Künstler, Netlabels, CC-Anhängern, Bloggern und Aktivisten aus der Region werden würde. Dafür ist
Düsseldorf mit seiner Nähe zum Ruhrgebiet und Städten wie Köln, Bonn und Wuppertal eigentlich sehr gut geeignet. Vielleicht werden wir die Veranstaltung auch mal mit einer Diskussionsrunde zum Thema kombinieren. Ich würde das sehr gerne weiter ausbauen.

Netlabelnights
Hessischer Pirat in Düsseldorf

Christian: Wieso habt ihr euch entschieden, an einem Donnerstag zu feiern? Und dann auch noch so "spät" abends. Wer ist eure Zielgruppe?

Florian: Donnerstag Abend ist ein gut frequentierter Ausgehabend in der Düsseldorfer Altstadt.
Den Termin zu bekommen, war super. Wir arbeiten aber natürlich auf die erste Wochenendveranstaltung hin. Mal sehen, wann es soweit ist.

Christian: Es war ja auch eine Übertragung bei Shout.fm geplant, die dann doch abgebrochen wurde. Wieso das?

Florian: Das war sehr schade. Aleks ( haushaltsware.org ) hat früher viel mit denen gemacht.
Mittlerweile wird das Programm aber etwas anders gefahren, wohl auch restriktiver mit einem Fokus auf Minimal-Techno. Da passte unsere Musik nicht ganz rein, deswegen haben sie uns dann aus dem Channel gekickt. Ich fand das etwas schwach, es ließ sich aber nicht ändern. Jetzt lassen wir den Stream um den eigenen Streamingserver der schallwelle.org
laufen, das geht auch.

Christian: Einer der großen Partner von euch ist der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Wenn er jetzt feiern geht, ist die Vorratsdatenspeicherung abgefrühstückt? Oder nutzt er die Parties als
Informationsveranstaltung um Leute zu erreichen, an die er sonst nicht kommen würde?

Florian: Nein, die Vorratsdatenspeicherung ist noch nicht abgefrühstückt. aber wie eingangs bereits gesagt, wir verfolgen dieses Jahr einfach mal einen etwas anderen Ansatz. Das ist natürlich nicht ganz einfach, da Politik immer auch ein etwas mühseliges Geschäft ist,
worüber eine Party schnell mal hinwegtäuscht. Andererseits müssen wir es uns und dem Publikum ja auch nicht zu schwer machen.
Wir würden die Parties gerne nutzen, um Infos zum Thema CC, Netzzensur/Netzneutralität, VDS und Datenschutz zu streuen, wissen aber noch nicht so genau wie, ohne den entspannten Charakter der Abende zu gefährden. Wenn aber, wie etwa bei der letzten Veranstaltung wieder verschiedene, interessierte Leute zusammen kommen, um sich in entspannter Atmosphäre zu den Themen auszutauschen ist ja auch schon viel erreicht.

Christian: Wie finanziert ihr die Parties?

Florian: Bisher alle Beteiligten gemeinsam durch ihre Arbeitsleistung. Bei der Flyergestaltung hat meine Freundin tatkräftig mitgewirkt, die Webseite habe ich gemacht, Kosten für Flyer oder auch die Fahrtkosten trägt derzeit jeder selbst. Da es sich glücklicherweise um keine all zu hohen Beträge handelt, können wir das noch verkraften. Langfristig wäre es aber schon Llasse, wenn zumindest die beteiligten DJs
eine Aufwandsentschädigung, im besten Fall eine Gage, bekommen würden. So langsam werden wir uns mal nach einem Sponsor umsehen.

Christian: Dich kennt man ja eigentlich als Schaffer von Bildern fast schon epischer Größe, jetzt hast du dich der Musik zugewandt. Besteht für dich zwischen Grafiken und Musik ein Zusammenhang?

Florian: Meine Bilder stehen genauso wie die Musik, die wir spielen, frei unter cc-Lizenz im Netz. Musik und Bild sind also abgesehen von den jeweiligen Ideen die hinter den Arbeiten stehen immer auch Trägermedium der Creative-Commons-Idee. Ich würde sagen, das ist die Verbindung des Ganzen.

Netlabelnights
Marlene Magnoli an den Reglern

Christian: Was reizt dich an freier Musik? Müsstest nicht gerade du als Künstler ein Interesse daran haben, für deine Arbeit bezahlt zu werden? Deine Kunstwerke stellst du aber auch kostenlos zur Verfügung.

Florian: Natürlich müssen wir uns überlegen, wie wir die Künstler für ihre Arbeit entlohnen, überhaupt keine frage. Das derzeitige Modell ist aber ist in meinen Augen dafür nur bedingt geeignet. Egal ob in der Musik oder in der bildenden Kunst, es gibt in beiden bereichen eine sehr kleine Gruppe von Leuten die recht gut verdienen und einen großen Rest, der nur sehr schlecht oder überhaupt nicht durch seine künstlerische Arbeit überleben kann. Dafür verdienen dann die Distributoren trotz ständigem Gejammere der Contentmafia nach wie vor Unsummen.
Hier müssen wir uns Konzepte für die Zukunft überlegen.

Christian: Creative Commons findet nicht nur Zustimmung. Kritiker unterstellen dem Modell, dass es Kunst nicht wirklich befreit, sondern ihr nur ein lockerere Fesseln anlegt. Vor allem die Einschränkung "nc" verhindert eine der von Stallmann definierten Freiheiten. Dennoch wird die Lizenz oft "frei" genannt. Wie stehst du dazu?

Florian: Sehr schwierig. NC ist in der Praxis nicht ganz einfach zu handhaben. Die Netlabelnights z.B. finden in einem Club statt. Das bedeutet natürlich, dass dort Getränke verkauft werden, eventuell sogar mal Eintritt genommen wird. Ein CC-purist würde das, nicht völlig zu Unrecht, kritisieren.

Andererseits leben wir in einem schon fast totalitären Konsumkapitalismus, in dem immer mehr Bereiche des Lebens nach marktwirtschaftlichen, also auch kommerziellen Gesichtspunkten geregelt werden. Die NC-Einschränkung kollidiert da natürlich immer wieder bei wortgenauer Auslegung. Das ist ein Problem. Aus diesem Grunde stelle ich meine Bilder im Übrigen ohne die NC-Einschränkung ins Netz. Ich kann aber nicht sagen, wie ich es am Ende finden würde, wenn wirklich mal jemand damit ein paar Euro verdient, etwa weil er ein Poster draus macht. Da es mir als Künstler aber primär darum geht, dass meine Arbeiten wahrgenommen werden, nehme ich dieses Risiko in kauf.

Der ganze Bereich rund um das Urheberrecht und geistiges Eigentum ist derzeit einer unglaublichen Dynamik ausgesetzt. Die Lösungen dafür können wir nur gemeinsam erarbeiten. Ich bin optimistisch, dass wir Lösungen finden werden, aber der Weg dorthin ist eine spannende Sache, die uns, glaube ich, noch viele Jahre begleiten wird.

Christian: Eine sehr entspannte Haltung. Möge sie dir immer genug Butter für dein Brot einbringen. :)
Eure nächste Party findet am 28.5. statt. Wer wird dann die Location zum Beben bringen?

Florian: Alex:ketzer, bok.boolek und flur sowie blend werden am Start sein. Das wird wieder richtig gut werden.
Vorbeikommen!

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