Creative Commons wird sieben Jahre alt

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Kuchen
Orginalbild: tm22
Lizenz: cc-by-nc-sa

Vor genau sieben Jahren war es so weit: Die Creative Commons-Lizenzen erblickten das Licht der Welt. Seitdem haben sie sich rasend schnell verbreitet, zwar gibt es auch andere Lizenzen die eine freiere Nutzung von Werken erlauben, diese sind aber kaum erwähnenswert verbreitet. Am 15.12.2002 wurde Version 1.0 der Lizenzen ins Netz gestellt (übrigens hat am 15.12. "Last Christmas" seinen 25. Geburtstag gefeiert...).

Federführend war bei der Entwicklung der Creative Commons war Lawrence Lessig, Rechtsprofessor an der Stanford Law School. Ziel war es, den traditionellenm sehr restriktiven Urheberrechten ein Modell gegenüber zu stellen, das sich an den Grundwerten von Offenheit und Teilhabe orientiert.

Kreativen, Kultur- und Medienschaffenden sowie Wissenschaftlern wird damit ein Werkzeug zur Verfügung gestellt, um selbst bestimmen zu können, was sie mit ihren Werken machen und wie sie diese verwerten wollen. Mit modulartigen Lizenzen unter dem Motto „some rights reserved“, angesiedelt zwischen „all rights reserved“ und der public domain mit „no rights reserved“, können Urheber bestimmen, unter welchen rechtlichen Bedingungen sie ihre Werke veröffentlichen und weiter verwendbar machen wollen.

In Deutschland liegt die Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit und das Communitybuilding (Public Project Lead) bei der Berliner Agentur newthinking communications, konkrekt Markus Beckedahl. Markus ist auch der führende Kopf hinter dem bekannten Blog netzpolitik.org. Wir haben den Anlass genutzt, ihn ein paar Fragen zu stellen:

Christian: Hi Markus, sieben Jahre Creative Commons liegen jetzt hinter uns. Wie bist du auf dieses Lizenzmodell gestossen?

Markus: Wahrscheinlich bin ich im Internet das erste Mal über Creative Commons gestolpert. Ich beschäftige mich schon länger mit Freier Software und Open Source Communities und so fand ich Creative Commons von Anfang an überzeugend und notwendig.

Christian: Seit 2007 bist du für die Öffentlichkeitsarbeit der Creative Commons in Deutschland zuständig. Wieso wurde ausgerechnet dir dieser Posten übergeben?

Markus: Ausschlagebend war sich nicht nur, dass ich die größte Sammlung an CC-T-Shirts in Deutschland habe. Wir haben uns seit der Gründung von newthinking im Jahre 2003 intensiv mit Creative Commons und Open Source Strategien auseinandergesetzt. Und gleichzeitig schon viel Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit für Creative Commons in Deutschland gemacht. Als die Zeit reif für einen Public Project Lead für Deutschland war, wurden wir von Creative Commons International angesprochen, ob wir dieses Engagament institutionalisieren wollen.

Christian: Einer der größten Erfolge der Creative Commons dürfte sein, dass dieses Jahr alle Wikipedia-Inhalte unter Creative Commons gestellt wurden. Was denkst du, wieso hat sich die CC unter den freien Lizenzen so stark durchsetzen können? Es gab ja zahlreiche andere Versuche, Lizenzmodelle aufzubauen, aber kaum eine davon ist von signifikanter Bedeutung.

Markus: Die Einfachheit war sicher ausschlaggebend. Die Idee war ja nicht einzigartig, schon der LInuxTag hatte Anfang dieses Jahrzehnts ein ähnliches Modell entwickelt, was Lizenzen nach Farben sortierte. Aber Creative Commons hat es von Anfang an geschafft, die Idee mit Einfachheit und Design zu übrmitteln. Und gleichzeitig standen bekannte Personen wie Lawrence Lessig dahinter, die CC bekannt machten.

Christian: Gibt es irgendein CC-Projekt, dass dir besonders am Herzen liegt?

Markus: Ich finde die Vielzahl an kleinen Projekten schön, wo man sehen kann, wie Creative Commons Lizenzen den Kreativen die Zusammenarbeit erleichtern. Von der Strahlwirkung her sind sicherlich die Nine Inch Nails Veröffentlichungen und die Wikimedia Commons am Besten.

Christian: Wie sieht dein persönlicher Medienkonsum aus? Nutzt du eher freie oder unfreie Werke?

Markus: Das ist durchaus gemischt.

Christian: Wer sind deine Lieblings-CC-Künstler?

Markus: Aus politischen Gründen fand ich diese beiden Videos großartig:
Trusted Computing
Planet unter Beobachtung

Christian: Worin siehst du den Vorteil von CC-lizenzierten Inhalten gegenüber "normalen" Inhalten?

Markus: CC-lizenzierte Inhalte können besser von Netzwerk-Effekten profitieren und mit Remix-fähigen Lizenzen können viel mehr Menschen diese weiterentwickeln, ohne ständig um Erlaubnis zu fragen.

Christian: Sehr viele Musiker verwenden die nc bzw die nd Option, ohne zu wissen, dass damit ihre Musik damit strenggenommen nicht mehr mehr im Radio gespielt werden kann und dass Fans keine Musikvideos damit mehr unterlegen dürfen. Wird hier schon an Lizenzen gearbeitet, um dieses Dilemma etwas abzumildern? Oder genereller gefragt: Wie sieht zur Zeit die Weiterentwicklung der Creative Commons-Lizenzen aus?

Markus: In den letzten Jahren wurde die Internationalität verbessert und auch die Kompatiblität mit anderen freien Lizenzen. Die Version 3.0 der Lizenzen zeugt davon. Viele kleine Details können aber noch verbessert werden. Dazu laufen globale Diskussionen, die sicher noch einige Zeit brauchen werden. z.B. die Frag, wie man NC besser definieren kann. Es ist zu früh, um hier zu sagen, was genau passieren wird. Viele Augen schauen aber darauf.

Christian: Wieso wurden eigentlich die Lizenztypen "Sampling Plus", "NonCommercial Sampling Plus" und "Music Sharing" eingeführt? Inwiefern unterscheiden diese sich konkret von cc-by bzw cc-by-nc? Diese Typen erlauben ja auch das ableiten von Werken, und das Verbreiten ist doch generell erlaubt?

Markus: Das waren Testlizenzen, um CC in den USA Musikern schmackhaft zu machen. Die "Privatkopie" war immer eingebaut. In Europa wurde auf diese Lizenzen verzichtet, um CC nicht noch komplizierter zu machen, als es durch das Urheberrecht eh schon ist.

Christian: Was denkst du, wie sich die CC in sieben Jahren weiterentwickelt haben wird?

Markus: Creative Commons Lizenzen werden bekannter und viel verbreiteter sein. Ich hoffe mal, dass in naher Zukunft auch mal Verwertungsgesellschaften wie die GEMA CC für ihre Mitglieder frei gibt und bekannte Künstler in Deutschland endlich CC nutzen können.

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