Kain Schwarz und bruder data blasen zum Sturm auf die GEMA

Kurz-URL: http://mkzä.de/211

GEMA hackenDas zweitgrößte Problem der GEMA, nach der für die meinsten Künstler (und auch Nicht-Künstler) vollkommen undurchschaubaren Verteilung der eingenommenen Gelder ist der exklusive Vertretungsanspruch. GEMA-Mitglieder ist es unmöglich, ihre Werke z.B. auf ihrer Webseite zum kostenlosen Download anzubieten, oder sie unter einer Creative Commons-Lizenz zu veröffentlichen.

Die Creative Commons-Lizenzen wurden bereits verbindlich in die deutsche Sprache übersetzt und an das deutsche Recht angepasst, sie bieten also eine juristisch tragfähige Grundlage für Verträge. Dennoch verweigert die GEMA denen, die sie vorgeblich vertritt, das Recht, ihre Werke unter einer entsprechenden Lizenz frei zu verbreiten. Dadurch, dass sie ein staatlich gewährtes Monopol auf der Eintreiben von Geldern aus urheberrechtlich geschützten vergütungspflichtigen Kopien besitzt, hat sie hier eine sehr starke Machtposition.

In Frankreich existiert dieses Problem ebenfalls. Dort entschloss sich vor kurzem die Band Ghostown, ab jetzt keine freien Werke mehr zu produzieren, da sie sonst nicht an den den gesammelten Vergütungen profitieren können. In der Tat ist dies eine der Schwachstellen der CC-Lizenzen, dass unter non-commercial-lizenzierte Inhalte, und diese Lizenz wird in extrem vielen Fällen gewählt, nicht ohne größere Aufwände z.B. von Radio- und Fernsehanstalten verwendet werden können.

Bei unfreien Werken zieht die GEMA hierfür Gebühren ein, die dann mehr oder weniger gerecht verteilt werden. Bei der Vertretung von CC-Lizenzen stellt die GEMA sich (noch) komplett quer, wie man im GEMA-Newlstter "GEMA-Brief 59" nachlesen kann:

Aus Sicht der GEMA ist es wichtig, Autoren darauf hinzuweisen, dass das Creative Commons-System keine Alternative zum gewachsenen und bewährten System der Rechtewahrnehmung durch die Verwertungsgesellschaften darstellt. Insbesondere hat der Schöpfer geistiger Werke in diesem System keine Aussicht, von seiner Kreativität leben zu können, da er keine Vergütung für die Nutzung seiner Werke erhält.

Dass diese Behauptung nicht nur merkwürdig sondern vollkommen falsch ist, beweisen z.B. Nine Inch Nails immer wieder.

Das im System Creative Commons verankerte Prinzip der individuellen Rechtewahrnehmung dagegen setzt den einzelnen Musikautor der Marktmacht der Lizenznehmer schutzlos aus.

Während die GEMA ihm jegliche Macht aus der Hand nimmt, und in seinem Namen verhandelt, ihm im Gegenzug dafür aber keinerlei Rechte gewährt, wie Barbara Clear feststellen musste. Dank der Hilfe ihrer Fans kann sie weiterhin gegen die GEMA gerichtlich vorgehen.

Auch gibt es im CC-Bereich zahllose Netlabels, die ein Gegengewicht gegen eine vermeintliche Marktmacht darstellen können und für die von ihnen vertretenen Künstler verhandeln. Magnatune ist ein Beispiel für ein in diesem Bereich durchaus erfolgreiches Portal und auch Jamendo bietet seit kurzem kommerzielle Verwertungsmöglichkeiten an.

Bruder Data hat nun beschlossen, zusammen mit Kain Schwarz, der GEMA den Kampf anzusagen. In seinem Blog erklärt er:

Dieser Starrsinn und die Zukunftsunfähigkeit, welche die Art und Weise der Rechtewahrnehmung durch die Gema (und auch anderer Verwertungsgesellschaften wie z.B. die GVL…) kennzeichnet, werden letztlich zu deren (ohnehin stetig zunehmender) Bedeutungslosigkeit beitragen.

Der Musikmarkt hat sich radikal verändert. Das klassische Urheberrecht stößt zunehmend an seine Grenzen. Es gibt Alternativen, auch wenn das gerne geleugnet wird. Um die GEMA einem anständigen Update zu unterziehen, werde ich eine Pressekonferenz abhalten, zu der Vertreter der GEMA, der Medien und Creative Commons Deutschland, sowie Musiker und Interessierte aus allen Bereichen eingeladen sein werden.
Ziel ist es, der GEMA zu zeigen, daß es an der Zeit ist, den Entwicklungen in der Kulturbranche Rechnung zu tragen.

GEMA-Mitglieder und solche die es nie werden wollen:
laßt uns die überholten Strukturen ersetzen und gemeinsam die GEMA reformieren!

Sein Ziel dafür: 100 Unterstützer, die nicht mehr machen müssen, als ihre Unterstützung zu erklären.

Dazu passend hat Kain Schwarz die Aktion GEMA hacken ins Leben gerufen. Wenn sich bis zum 31. August 2009 10 Leute gefunden haben die versuchen werden, die GEMA dazu zu bringen, Creative Commons-Lizenzen zu akzeptieren, wird auch er auf kreative Art und Weise tätig werden.

Dass es nicht unmöglich ist, CC-Lizenzen und gleichzeitig pauschale Vergütungen zu ermöglichen, zeigte neulich das schwedische GEMA-Pendant STIM. Ebenso wie die niederlandische BUMA/STEMRA und die dänische KODA erlauben sie den Urhebern, einzelne Werke frei zu veröffentlichen.

Was genau Kain vorhat, wird später auf dieser Seite einem Interview zu lesen sein.

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Kommentare (6)

[...] die Aktion liest sich total holprig, und zwar hier und [...]

[...] Gehör), sondern man muss wirklich aktiv werden um etwas zu erreichen und zu verändern! Wie die Musikpiraten berichteten blasen Kain Schwarz und bruder data zum Sturm auf die [...]

[...] vor Wochen hatten wir hier eine Ankündigung zu einer Aktion von Kain Schwarz und bruder data gebracht. Kurze Zeit später dann auch ein [...]

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