Kreidler: Compression Sound Art

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Wie weit erstreckt sich der Schutz auf Informationen? Ist ein Musikstück auch urheberrechtlich geschützt, wenn es schneller abgespielt wird? Wie sieht es mit einem Pornofilm aus? Diese Fragen ist Johannes Kreidler in seinem aktuellen Werk "Compression Sound Art" auf den Grund gegangen.

Musikalische Zip-Files. Kommentierte Klänge, Hören zum Mitlesen.

In seinem Werk verwendet er - in komprimierter Form, alle Symphonien von Beethoven, alle Stücke der Beatles, Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", den Soundtrack von Rambo 3, die Audio-Spur eines Pornos, Brittney Spears "Baby one more time" und "Gimme more", den MP3-Codec, DeCSS, die Bibel, den Koran und die Tora, Börsenkurse, und vieles mehr. Verlustbehaftet komprimiert - und für den Menschen definitiv nicht mehr erkennbar.

Die heiligsten Kühe sind kleine Zahlenpäckchen. Großes Kulturgut (Beethoven), Schlachtrösser der Musikindustrie (Beatles), dicke Literaturschinken (Proust), die Schriften der Weltreligionen, sie alle sind heute Daten auf einem winzigen Chip, ihre Icons nur ein paar Pixel nebeneinander. Es gibt nichts mehr allein und neutral, alles hat seine Beschreibung und seinen wandelnden Kontext. Und ein Icon, eine Zusammenfassung genügen für’s Vokabular des Informationsmenschen, wie die französischen Philosophen schon länger wissen: Das Zeichen wird wichtiger als das Bezeichnete, den Rest kann man sich denken bzw. schenken („Filesharing“) oder bei Bedarf einsehen, in der großen Bibliothek da hinterm Ortsschild Google.

Provokant ist definitiv auch die Ostermesse des Papstes - gespielt mit einem Kondom als Membran. Kreidler greift aber auch seine eigenen Werke wieder auf, z.b. findet auch Charts Music Eingang in seine Arbeit - das Stück mit dem er den Anspruch auf urheberrechtlichen Schutz von Börsenkursen kritisierte.

Zur Zeit ist seine Webseite leider nicht erreichbar, auf der er die Aktion selber erklärt, das Stück an sich kann aber auf YouTube betrachtet werden.

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