Schwedische Schrifstellerin verschenkt Hörbuch

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Die schwedische Bestseller-Autorin Unni Drougge hat als Reaktion auf das Pirate-Bay-Urteil und eine Musterklage mehrere Zunftkollegen gegen einen Internetnutzer ihr neuestes Hörbuch direkt bei The Pirate Bay veröffentlicht.

"Boven i Mitt Drama Kallas Kärlek" ("Der Übeltäter in meinem Drama heißt Liebe") wird nicht, wie ihre anderen Hörbücher, bei einem entsprechenden Verlag erscheinen sondern wurde von ihr selber bei The Pirate Bay eingestellt. Mit dieser Aktion möchte sie gegen die Kriminalisierung von Filesharer protestieren:

Ich fordere meine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, meinem Beispiel zu folgen, um sich gegen die völlig verständnislose und entgeisterte Unterhaltungsindustrie zur Wehr zu setzen. Wir alle müssen auf irgendeine Weise dazu beitragen, dass die größte demokratische Plattform unserer Zeit in Schutz genommen wird und sein verdientes Recht behaupten kann. Filesharer sind nicht unsere Feinde. Filesharer sind unsere Fans und unsere Kunden.

Drougge befürchtet, dass die profitorientierte Industrie das Internet ersticken wird, anstatt es konstruktiv zu nutzen. Die Hörbuchfassung ihres Buchs produzierte Unni Drougge ohne Verlagshilfe zusammen mit Freunden. Natürlich hofft sie, auch mit dieser Form der Veröffentlichung die Kosten für die Produktion zu decken. In einem PS zu ihrem Torrent-Link auf Pirate-Bay teilt Drougge ihr Paypal-Konto mit.

Es scheint sich gelohnt zu haben. Schon achtundvierzig Stunden, nachdem sie das Buch ins Internet gestellt hatte, waren umgerechnet rund 2.500 Euro auf ihrem Konto eingegangen. "Ich wollte sehen, ob es eine Zahlungsbereitschaft gibt", sagt Drougge: "Und mit dem Ergebnis bin ich hoch zufrieden." Hundertprozentig ist sie aber von diesem Modell dann doch noch nicht davon überzeugt. Laut TAZ sagt sie:

Das Modell sei nicht der Weisheit letzter Schluss. Vielleicht sei Filesharing nur ein Übergangsphänomen. Bis es einmal gigantische "Kultur- und Wissensbanken" im Internet geben werde, auf die jeder zugreifen kann." Für die Kulturschaffenden werden diese einmal die Möglichkeit bereitstellen, sich aus unterschiedlichen Quellen zu finanzieren. Man muss den Schritt ins Neue wagen. Das Geschwätz von Filesharing als Diebstahl verstelle die Wege dahin nur.

In ihrem Blog, in dem sie auch das Urteil gegen TPB und die darauf folgenden Proteste kommentierte, schreibt sie weiter:

Meine Leser sind nicht so wohlhabend. Viele von ihnen sind jung, haben Kinder, sind Singles, usw. Meine Hörbücher werden oft gekauft und dann weitergereicht. Ich habe das schon immer gewusst und gefördert. Man kann also sagen, dass ich schon immer "Piraten jagen" war. Es war nie eine Selbstverständlichkeit für mich, von meinem Beruf zu leben. Manchmal muss ich andere Tätigkeiten aufnehmen, um meine Miete zahlen zu können. Aber es vergeht nicht ein Tag, ohne dass ich von einem meiner Leser kontaktiert werde. Dies ist ein Privileg.

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