Tausende Fans unterstützen Barbara Clear

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barbara clear
In erster Instanz hatte Barbara Clear gegen die GEMA verloren. Sie wandte sich daraufhin an ihre Fans und bat um Spenden, da ihre das Geld für den weiteren Prozessweg fehlte. Tausende Fans schickten ihr Geld zu, so dass sie ihren Kampf weiterführen kann.

Barbara Clear veranstaltet pro Jahr bis zu 120 Konzerte und ist in Personalunion Produzentin ihrer CDs und ihre eigene Managerin. Auf der anderen Seite ist sie Kompononistin, Texterin, Musikerin - und deshalb auch GEMA-Mitglied. In dieser Position steht sie mit der GEMA im heftigen Rechtstreit, den ersten Prozess vor dem Landgericht München hat sie verloren, jetzt geht sie in die nächste Instanz.

Sie klagt gegen die Ausschüttungmodalitäten der GEMA an Komponisten und Texter. Barbara Clear spielt bei ihren Konzerten überwiegend eigene Lieder, also müsste sie, ihrer Meinung nach, mindestens die Hälfte dessen, was an Gebühren für ihre Konzerte eingezahlt wird, abzüglich Bearbeitungsgebühren, zurückerhalten. Von 2004 bis 2007 wurden bei Konzerten von ihr über 65.000 Euro eingenommen, davon wurden ihr gerade mal 5.000 Euro ausgezahlt. Dies begründet die GEMA mit ihrem Verrechnungsschlüssel und ihren Ausschüttungsrichtlinien.

Clear sieht damit ihren Verdacht bestätigt, daß die über 50.000 angeschlossene Mitglieder und alle anderen, die aufgrund öffentlicher Musikdarbietung jeglicher Art in die GEMA einbezahlen, "anschaffen" und wenige Auserwählte profitieren. Mehr Geld erhalten aufgrund des komplexen Verteilungsschlüssels die 3.000 sogenannten ordentlichen Mitglieder, dies zumindest vermutet sie - und auch viele andere.

Ordentliches Mitglied der GEMA wird nur, wer über mehrere Jahre hinweg bestimmte Umsätze erzielt hat und gewisse Bürokratismen hinter sich brachte. Aufgrund diesen Mißstandes hatte Clear bereits vor zweieinhalb Jahren der GEMA die Butter vom Brot gestrichen: Seit 2007 spielt sie ihre Konzerte nur noch mit freiem Eintritt, allein in 190 eigenveranstalteten Konzerten 2007 und 2008 betrugen die GEMA-Gebühren bei freiem Eintritt 16.000 Euro - hätte Barbara Clear einen Eintrittspreis von zehn bis zwanzig Euro verlangt, wären rund 72.000 Euro fällig gewesen - eine Differenz von 56.000 Euro.

Meine Konzertbesucher und meine Musik sind mir zu schade, als daß ich sie an die Gema und ihre Kumpels verfüttere - lieber gehe ich das Risiko ein, aufgrund der Hallenmiete und anderer Kosten auch mal draufzuzahlen.

Mit ihrer umfangreichen Dokumentation trat sie nun vor dem Landgericht in München an, am 10. Juni (AZ.: 7 O 18297/07) wurde das Urteil verkündet. Fazit: Barbara Clear hat keinerlei Anspruch auf den von ihr geforderten Betrag, genauer: überhaupt keinen Anspruch!

Dies begründet das Gericht damit dass sich ein sich ein "etwaiger Zahlungsanspruch [...] nicht aus den zwischen den Parteien geschlossenen Berechtigungsvertrag" ergebe. Barbara Clear habe für ihre eigenen Werke nichts zu fordern und zu wollen, dafür gebe es keine rechtliche Grundlage. Auch ginge es sie nichts an, wenn ein Veranstalter oder sie selbst für ein Clear-Konzert und ihre Musik Gebühren an die GEMA bezahlt. Das Gericht schreibt: "Das Rechtsverhältnis zwischen der GEMA und dem jeweiligen Veranstalter ist streng von dem Rechtsverhältnis zwischen Barbara Clear und der GEMA zu trennen. Eine Vermischung dieser Rechtsverhältnisse entsteht auch nicht dadurch, daß Barbara Clear auf Veranstaltungen aufgetreten ist bzw. auf der Veranstaltung Musikwerke von Barbara Clear gespielt wurden."

Was für die Clear zutrifft, muß nach dem Urteil auch für alle der GEMA angeschlossenen Künstler mit einem Standard-Berechtigungsvertrag gelten: Die Veranstalter und Musiknutzer laden Geld über Geld in die GEMA-Kasse, wohlgemerkt in die Kasse, die für die Rechte der Komponisten und Texter gefüllt werden soll, und der Künstler, Komponist und Texter bekommt aus dieser Kasse das, was die GEMA für richtig befindet - nichts, wenig, viel - das ist Sache der GEMA, einen Anspruch hat der Künstler nicht.

Dieses Urteil ist ein Skandal, aber es zeigt auch, wie clever sich die GEMA in den letzten Jahrzehnten unbemerkt aufgestellt hat. Alle bezahlen Unsummen in den Topf, und ein paar tausend Mitglieder teilen sich rund zwei Drittel des Geldtopfes auf, der permanent und automatisiert gefüllt wird - ein Schlaraffenland auf Kosten anderer. Ich kann gut verstehen, daß die Petition einen so starken Zulauf hatte, vor allem, daß sich so viele Musiker und Musikfreunde dieser Petition angeschlossen haben. Der Frust gegenüber dem rigorosen Geldeintreiber GEMA und seinen willkürlichen Verteilungsmodalitäten ist groß."

Die von Clear hier angesprochene Petition hat die Mitzeichnungsphase mit 106.575 Mitzeichner abgeschlossen. Sie will aber trotz dieses Erfolgs trotzdem weiter auf dem juristischen Weg eine Offenlegung und Änderung der Geldverteilung erzwingen:

Die Gema ist ein Verein mit dem Schutzmantel eines staatlichen Auftrages. Wie die Gema agiert, kann in einem Staat wie Deutschland nicht toleriert werden. Die Menschen sind mittlerweile sehr sensibel geworden für Abzockerei auf breiter Front zugunsten weniger.

Durch Spenden von tausenden von Fans kann sie es sich nun leisten, vor dem Oberlandesgericht weiterzuprozessieren - wenn es sein muss bis vor den Bundesgerichtshof.

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Kommentare (4)

Hier zeigt es sich wieder, für Leute die es immer noch nicht wahrhaben wollen:

Deutschland ist, schon länger, eine Bananen-Republik geworden!

Vorratsdatenspeicherung, Urheberrecht + -> GEMA, IHK, und und und ...

Zeit zum Ändern:
Wähle die Piratenpartei!!!
Der Wuppi

das stinkt zum Himmel, die GEMA ist ein MOLOCH

Meine Güte, wie korrupt sind unsere Gerichte eigentlich mittlerweile?
Würde eine Firma aus der Privatwirtschaft so mit ihren Kunden umspringen hätten sie schon den Staatsanwalt im Haus wegen Betrug.

Mal eine Frage, warum sind die Leute denn bei der GEMA, wenn es anscheinend keinen vorteil bietet? Ist diese dennnicht freiwillig?

der Gastgeber muss jeden am abend gespielten Titel der GEMA melden, und die sagt ja oder nein dazu

PS es gibt ein schönes lied dazu von MEINE MÜTTER

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