Zu viel Erfolg? Ghostown treten dem GEMA-Pendant SACEM bei

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Ghosttown
Die französische Electro/Hip-Hop-Combo Ghostown hat beschlossen, der Welt freier Musik den Rücken zuzukehren. Sie begründen ihren Schritt damit, dass sie durch den Beitritt zum GEMA-Pendant SACEM mehr Geld verdienen würden.

Diese traurige Nachrichte flatterte ihren Fans bei Jamendo in die Postfächer. Durch die freie Verbreitung ihrer Musik hatten sie offensichtlich so viel Erfolg, dass durch zahlreiche Gigs, Radiosendungen und öffentliche Aufführungen ihrer Musik viel Geld durch SACEM reinkommt,

An ihre Fans haben sie eine klar Ansage:

Von jetzt an müsst ihr unsere Musik klauen, wenn ihr die CDs oder MP3s nicht kaufen wollt.

Die aktuelle CD "Reflectionz" wurde in Frankreich veröffentlicht, wird aber auch ins Ausland verschickt, die MP3s gibt es bei den einschlägigen Online-Shops.

Aber sie zeigen sich auch von ihrer großzügigen Seite. Bei MySpace darf man weiterhin 10 Songs anhören. Auch bei Facebook ist es gestattet, ihnen zu folgen. (Anm. des Autors: Sollte hier Sarkasmus durchklingen, ist dies durchaus beabsichtigt.)

Ob sich dieser Schritt für sie wirklich lohnen wird, muss sich zeigen. Die bisher unter Creative Commons veröffentlichte Musik wird weiterhin frei bleiben, aber neue Stücke dürfen nicht mehr legal verbreitet werden.

Es ist traurig, dass eine Band sich so von der Community trennt, die dabei geholfen hat, sie bekanntzumachen. Die Gelder aus Pauschalabgaben sind defintiv eine große Verlockung für Acts, die erfolgreich sind. Sie versprechen ein leichtes Einkommen einfach dadurch, dass die ihre Musik gespielt wird. Hier müssen die Creative Commons-Lizenzen auf lange Sicht eine Brücke schaffen,

Die NC-Einschränkung sorgt dafür, dass kommerzielle Radiosender entsprechende Werke nicht spielen können, ohne einzeln die Bands um Erlaubnis zu fragen bzw. die entsprechenden Rechte zu kaufen. Alternativ könnten die Sender natürlich auf Angebote wie Jamendo Pro zurückgreifen, dabei erhalten sie aber nur einen Bruchteil dessen, was an freier Musik verfügbar ist. Eine Möglichkeit wäre, dass Verwertungsgesellschaften wie die GEMA in Zukunft sich um die kommerziellen Verwertungsrechte kümmern und die nicht-kommerzielle Weitergabe dulden.

Es bleibt zu hoffen, dass dies eines Tages möglich wird. Künstler könnten so weiterhin von den Vorteilen des Internets profitieren, was die einfache Verbreitung ihrer Werke angeht und andererseits leichter "offline" im Radio, TV und natürlich auch ins Clubs und Diskotheken gespielt werden.

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