©oPirates

©oPiratesIn München wird am Freitag das Werk ©oPirates des Choreographen Richard Siegal in der Muffathalle uraufgeführt - mit dabei ist unter anderem die Piratenpartei. Die Veranstaltung dient auch als Eröffnung der Biennale DANCE, dem Internationalen Festival des zeitgenössischen Tanzes der Landeshauptstadt München. Jede der Aufführungen Siegals wird so einzigartig sein, dass man sie ebenfalls eine Uraufführung nennen könnte. ©oPirates versucht auszuloten, wo die Grenzen zwischen Austausch und Diebstahl liegen und fragt provokant: Wo beginnt das Phänomen der "Piraterie"? Der Eintritt beträgt 20€, ermäßigt 12€.

©oPirates bindet das Publikum in die Performances von Tänzern, Künstlern und Gruppen wie Green City, ParkourOne, dem Attac-Chor und sogar die Piratenpartei ein. In diesem energiegeladenen Umfeld treibt die Sopranistin Yvonne Madrid das Geschehen voran, unterstützt wird sie dabei vom Münchner Performancekünstler Alexeij Sagerer.

Was ist eine Gemeinschaft, und wodurch entsteht sie? Zeitgenössische Ansätze in der Philosophie haben das Wesen von Gemeinschaft in den letzten Jahren neu formuliert und einige provokante Überlegungen ins Spiel gebracht: Gemeinschaft besitzt kein gemeinsames Wesen. Sie stellt sich weder als stabile Totalität, noch als zu erreichender sozialer Zustand dar. Sie geht weder aus einem fixen Ursprung hervor, noch definiert sie sich durch Abgrenzung nach außen und Homogenität im Inneren. Gemeinschaft heute ist unabgeschlossen und nicht institutionalisierbar. Sie entzieht sich der Repräsentation. Gemeinschaft heute existiert allein im Prozess ihres Entstehens, als ein provisorisches Zusammen-Sein oder Mit-Sein unterschiedlicher Akteure. Es handelt sich um ein "Mit-ein-ander-sein", ein "singulär-plural-sein". In den Buchtiteln zeitgenössischer Philosophen artikulieren sich diese Auffassungen von Gemeinschaft: Giorgio Agamben spricht von der "kommenden" Gemeinschaft, Jean-Luc Nancy von der "entwerkten" Gemeinschaft und Maurice Blanchot von der "uneingestehbaren" Gemeinschaft.
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Im Verlauf seiner dreijährigen Residenz im Muffatwerk München wird sich der Choreograph Richard Siegal intensiv und aus verschiedenen Perspektiven mit der Idee von Gemeinschaft auseinandersetzen. Ziel ist, dass sich das Münchner Publikum an seinem Projekt genauso aktiv beteiligen wie lokalen Gruppen aus den Bereichen Kunst, Musik, Tanz, Performance und Politik, die von ihm eingeladen wurden, das Phänomen „Gemeinschaft“ kreativ zu erkunden.

Im Gegensatz zu den traditionellen Disziplinen, die sich mit dem Konzept menschlicher Kollektivität beschäftigen, wie Philosophie oder Politik, wird Gemeinschaft von Siegal auf dem Weg der Performance durchleuchtet. Damit stellen sich auch verschiedene Fragen neu oder anders, etwa: Auf welche Art und Weise bewohnt der Körper die Gemeinschaft? Wie verhält sich der Körper zum Politischen? Welche Sprache/n kreiert der Körper, sobald er in Kontakt mit dem/den Anderen kommt?
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©oPirates wird, wie bereits angedeutet, keine Aufführung im klassischen Sinne sein, denn das Publikum wird in die Performance eingebunden. Jeder ist eingeladen, sich frei im Raum zu bewegen. Die Tänzer interagieren in dem energiegeladenen Umfeld menschlicher Aktivität, während die Sopranistin Yvonne Madrid das Geschehen vorantreibt. Sie wird mit dem Publikum kommunizieren und verschiedene Lieder aus Oper, Musical, Pop und Folklore vortragen, die Teil unseres gemeinsamen musikalischen Gedächtnisses sind.

Einen kleinen Einblick darauf, was ©oPirates enthalten könnte, gibt diese kleine Einlage von Parkour München.

Wer nicht nach München zur Vorstellung kommen kann, kann sie per Pirate Pad und per Twitter verfolgen - und beeinflussen. Denn die dort erstellten Inhalte werden in die Performance eingewoben.

Zusätzlich wird es zwei Streams geben: Der erste ist ab 22.Oct.2010 20:15 verfügbar, der zweite ab 23.Oct.2010 20:15.

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