Sei solidarisch zu Rechteinhabern - finanziere ihnen ein Gefängnis!

Kurz-URL: http://mkzä.de/58

Logo des PPP
Wer kennt sie nicht, die Nachrichten, dass Internetpiraten auf ihren Barken, Fregatten und Schnellboten wieder einen Supertanker voller MP3s gekapert und die Besatzung gefesselt haben, um dann den Besitzer des Tankers voller Musik zu erpressen.

Völlig ungewöhnt: das Justizminsterium hat dieser Gefahr noch nicht hinreichend Bedeutung zugemessen, weshalb sich die Rechteinhaber jetzt selber zur Wehr setzen. Modern und Shareholder-bewusst.

Alternative Vorschläge gehen zur Zeit hinreichend durch die Medien. Vom französischen Modell des Three-Strikes-Acts, in Europa zwar schon Rückschläge hinnehmen musste, in anderen Ländern wie Neuseeland dagegen entwickelt es sich prächtig und nimmt teils absurde Züge an: Je nach Interpretation muss ein des Filesharings verdächtiger seine Unschuld beweisen, um wieder ins Netz zu dürfen.

Nun, die Rechteinhaber hatten die Sch*ze voll. Am 7.1.2009 wurde in Paris das "Pirates Prisons Project" (PPP) ins Leben gerufen. Dieses bietet investitionsfreudigen Interessenten die Gelegenheit in ein einmaliges Immobilienprojekt zu investieren: Gefängnisse für die Millionen von Internetnutzern, die sich des illegalen Austauschs von Daten strafbar gemacht haben.

Das PPP hat es sich zum Ziel gesetzt, an der andauernden Jagd auf Filesharer zu profitieren und möchte zu diesem Zweck Gefängnisse speziell für Internetpiraten errichten. Dabei kann sich jeder an den zu erwartenden Gewinnen beteiligen, indem er Aktien erwirbt. Das Investitionsprogramm des Projektes sieht vor, dass für einen Ausgabepreis von 100€ pro Aktie Anteile erworben werden können.

Hier ein Bild einer Aktie, natürlich ungültig gemacht:
Beispielaktie

Sollte jemanden das schlechte Gewissen überkommen und er möchte sich selber anzeigen, ist der Betreiber großzügig. Es gibt in diesem Fall die Wahl zwischen verschiedenen Zelle: die Standardzelle (2.5 x 2.5 Meter), die mittlere Zelle (4×4 Meter) mit Kabelfernsehen und Radio und die Premiumzelle (6×6 Meter) mit Breitbandinternetanschluss. Das denunzieren von Freunden und Bekannten wird nahegelegt, um so den Gewinn zu erhöhen.

Klingt bescheuert genug, um wahr zu sein? (Ich möchte da nur an die Geschichte mit den Bankdaten und dem Christstollen erinnern...)

Tief durchatmen. Das ganze ist natürlich nur eine Satire-Aktion, die passenderweise auf der Midem 2008, einer Messe der Musikindustrie in Cannes, entstanden ist. Unterstützt wird das Pirates Prisons Project vom Creative Commons Musikportal VIPeers und dem französische Musikmagazin Hitmuse.com.

Im Blog von Jamendo heisst es zu der Aktion:

Das Pirates Prisons Project wird von Hitmuse, VIPeers und Jamendo unterstützt um die Absurdität des Kampfes aufzuzeigen, der gegen die Weitergabe von Dateien und Werken im Internet geführt wird. Absurd deshalb, weil die Weitergabe von Daten eine der Hauptnutzungsweisen des Internet ist. Der Kern der Sache ist die Forderung nach einer Kulturflatrate und einer Lockerung der Urheberrechtsbedingungen.

Nun, über die Kulturflatrate kann man geteilter Meinung sein, die Aktion an sich ist trotzdem sehr gut gelungen. Wer mehr darüber wissen möchte, findet auf www.piratesprisons.com diverse Videos und ausführliche Texte.

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