Popcuts

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Popcuts-LogoMusik kaufen, und dabei noch Geld verdienen? Klingt irgendwie absurd, ist aber die Idee, die hinter Popcuts steckt. Jeder der ein Musikstück kauft wird automatisch an allen Folgeverkäufen des Stücks beteiligt. Vollkommen unabhängig, ob er es aktiv bewirbt und weiterempfiehlt, oder sich einfach nur zurücklehnt und abwartet.

Popcuts ist ein Projekt des Deutschen Hannes Hesse (der übrigens auch der Erfinder des Bubblegum-Sequencers ist..) und den beiden US-Amerikanern Kevin Mateo Lim und Yiming Liu. Die drei kamen an der Universität Berkley in Kontakt. Die Idee zu Popcuts entstand dann in einer Diskussion um die Probleme der Musikindustrie: Auf der einen Seite das iTunes-Modell mit klassischem Musikvertrieb nur aufs Internet übertragen und auf der anderen Seite illegale Downloads. Ökonomisch gesehen ist die Entscheidung für viele Fans einfach - die Kosten von Filesharing sind in erster Linie moralische, während bei iTunes lange Zeit 99 Cent fällig waren, bis auch hier Apple das von der Industrie diktierte Preismodell aufbrechen konnte.

Ein anderes Extrem für Vertrieb sind dagegen Multilevel-Marketing-Konzepte für digitale Güter: Ein Kunde kauft einen Song, und versucht, diesen dann für Provision weiterzuvertreiben. Eine Umsetzungsbeispiel hierfür wäre das Potato System. Dies wiederum ist mit viel Arbeit verbunden und der Lohn ist meistens eher gering. Wer sich noch an die Anfänge der Werbung im Internet mit Toolbars und den darauf folgenden Überzeugungsversuchen von Freunden erinnert kann, weiss wovon die Rede ist. Tupperware-Parties gehen auch in diese Richtung...

Popcuts wiederum kombiniert beide Ansätze: Der Kauf ist genauso einfach wie in einem klassischen Online-Shop und danach fliesst Geld zurück - wenn alles gut läuft. Wer mehr Werbung machen will tut dies, wer nicht, der lässt es. Da die Stücke alle als DRM-freie MP3 ausgeliefert werden, kann man sie auch so an Freunde weitergeben. In absehbarer Zeit wird in den Files dann auch das Album-Cover angezeigt werden, dies ist momentan noch nicht implementiert. Je schneller nach Release ein Kunde ein Stück kauft, um so höher ist dann auch sein Anteil an der Rückvergütung.

Die Philosophie hinter Popcuts ist, den Musikvertrieb gerechter zu gestalten. Künstler und Fans sitzen bei Popcuts im selben Boot: Beide wollen, dass "ihr" Song zum Hit wird. Wir verstehen uns damit als ökonomische Antwort auf das Problem von Filesharing und illegalen Downloads.
Hannes Hesse, Popcuts-Gründer

Mindestens genauso wichtig wie der monetäre Rückfluß, der zur Zeit nicht ausgezahlt sondern nur gutgeschrieben wird, ist aber die soziale Komponente: Man kann anderen Nutzern folgen, deren Musikgeschmack den eigenen trifft und wird informiert, sobald diese neue Musik kaufen. Es bilden sich also automatisch Trendsetter heraus, die dann neben Ruhm und Ehre frische Guthaben zum Erwerb neuer Songs erhalten. Die drei "Spitzenverdiener“ haben bereits um die $30 rückvergütet bekommen, die drei "smartesten" Nutzer haben im Schnitt über $1,50 mit ihren gekauften Musikstücken zurückerhalten.

Musikalisch gesehen ist auch dieses Angebot weitab vom Mainstream - von den Namen her, nicht von der Qualität. Für Freunde der Indie-Welt gilt es, aus mehreren tausend Künstlern zu wählen. Darunter sind durchaus einige Prominente der Szene zu finden. Neben Carla Bruni, der Frau des französischen Ministerpräsidenten, sind auch Alexa Ray Joel, die Tochter von Billy Joel, und das Multitalent Jason Schwartzman, dem ein oder anderen vielleicht bekannt aus dem Film "Marie Antoinette" oder vom Spiderman 3 Soundtrack, für den er zusammen mit Kirsten Dunst "Summer Day" einspielte. Die Bandbreite der vorhandenen Stücke ist ebenfalls riesig: Von 2-Step über Gospel bis hin zu Western-Swing ist alles vorhanden.

Einziger Wermutstropfen an der Seite ist, dass es keine Creative Commons-lizenzierte Musik gibt, bzw diese nicht ausgezeichnet ist. Hier besteht bisher vor allem von Seiten der Künstler keine Nachfrage. Ebenfalls schade ist, dass die meisten Künstler die voreingestellte Zeit für das Vorhören von 30 Sekunden pro Song nicht ändern. Wer aber weiss, was er kauft und eine Alternative zu iTunes und co. sucht, sollte auf jeden Fall einen Klick riskieren.

GREAT site and a most wonderful place to share our music.
George and Marguerite, Popcuts Artists

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Kommentare (7)

Naja, das hörst sich aber sehr nach einem klassischen Schneeballsystem an, nach deutschem Recht nicht ohne Grund verboten.

Bei Schneeballsystemen gibt es ja immer den persönlichen Gewinn - und vor allem den persönlichen Einsatz. Das hast du hier nicht. Du kannst mit einem gekauften Stück (virtueller) Millionär werden. :)

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