SellYourRights

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In einer Zeit in der man von allen Richtungen hört "Internetzensur", "Nutzung überwachen", "Internet, ein rechtsfreier Raum" will SellYourRights zeigen, dass eine effiziente und lukrative Ökonomie digitaler Medien im Internet auch ohne Verschärfung von Urheberrechten und Einführung grenzwertiger Überwachungsmethoden möglich ist. Ziel des Ansatzes ist es die freie und unkontrollierte Nutzung digitaler Medien zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die kreativen Köpfe hinter diesen Medien angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden. Ein Paradoxon? Nicht für die Macher des Projekts.

Seit Ende des 20. Jahrhunderts stellen Internet und Digitalisierung die Welt auf den Kopf. Heute ist es die Information, die plötzlich transportabel und einfach verarbeitbar wird. Genauso wie die industrielle Revolution neue Ansprüche an Produktions- und Distributionsansätze realer Güter stellte und sie dadurch grundlegend verändert hat, stellt die heutige informative Revolution vollkommen neue Ansprüche an Produktions- und Distributionsansätze digitaler Produkte.

Über SellYourRights werden digitale Produkte gleichzeitig an den gesamten Markt verkauft. Der Urheber sichert sein finanzielles Interesse am Produkt direkt bei dessen Veröffentlichung und räumt gleichzeitig allen Marktteilnehmern umfangreiche Nutzungsrechte an seinem Produkt ein. Dieses Spin-Off von Studenten der Frankfurter Goethe-Universität ist auch insofern interessant, das es ein von der Modell umsetzt, über das innerhalb der Piratenpartei nachgedacht wird, das sogenannte Pre-Release-Portal.

Die größte Herausforderung des digitalen Vertriebs ist es laut den Machern, dass digitalisierbare Produkte – egal ob Musik, Software, Filme, oder literarische Werke – zwei besondere Eigenschaften aufweisen, durch die sie sich von jedem physischen Produkt fundamental unterscheiden.

1) Nicht-Ausschließbarkeit: Eigentumsrechte sind nicht Durchsetzbar (aus technischen, ökonomischen und normativen Gründen)

2) Nicht-Rivalität: Ein Produkt kann von verschiedenen Individuen gleichzeitig und ohne Qualitätsverlust konsumiert werden

Diese beiden Eigenschaften sind nach ihrer Aussage der Grund dafür, dass die klassische Musikindustrie zur Zeit taumelt. Eigenschaft Nummer eins lässt sie einen aussichtslosen, unökonomischen und unverhältnismäßigen Kampf gegen all diese "Piraten" führen, von denen sie annehmen, sie würden jedes Produkt kaufen, dass sie jetzt herunterladen. Eigenschaft Nummer zwei sei der Grund warum auf jeden legalen Download 20 illegale kommen und warum heute mehr Musik konsumiert wird als jemals zuvor. Es sind genau diese beiden Eigenschaften, die aus einem digitalen Produkt, per Definition, ein öffentliches Gut machen.

Dabei heißt öffentliches Gut nicht, dass es nichts kostet und das jeder es einfach so nutzen sollte oder dürfte, sondern, dass es einfach nur diese beiden Eigenschaften erfüllt. Hat man das verstanden ist man einen Schritt weiter. Denn dann wird klar, dass man die Herausforderungen, denen die Medienindustrie derzeit gegenüber steht, nur auf zwei Wege zu lösen seien werden:

1) Man macht aus dem öffentlichen Gut per Gesetz ein privates Gut dessen Eigentumsrechte sich durchsetzen lassen

2) Man entwickelt Vertriebsansätze die den Ansprüchen öffentlicher Güter genügen

Den zweiten Weg versucht SellYourRights zu beschreiten.

Konkreter Ablauf

Der Urheber eines digitalen Produktes bestimmt einen Digital-Buy-Out Betrag, zu dem er sein Produkt unter einer von ihm bestimmten Creative Commons Lizenz frei verfügbar macht. SellYourRights lässt daraufhin einen virtuellen Klingelbeutel bei seinen Fans zirkulieren, in den jeder einen beliebigen Betrag per PayPal werfen kann. Wird am Ende der Zielbetrag erreicht, wird das Produkt frei. Wenn nicht, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Der Urheber beschliesst, sein Werk nicht freizugeben und alle Spender erhalten ihr Geld zurück, oder aber er gibt es dennoch frei und ist mit dem weniger an Geld zufrieden.

Um nicht die Katze im Sack vorzufinanzieren, können die eingestellten Stücke in einem komfortablem Player angehört werden.

SellYourRights befindet sich seit kurzer Zeit in der geschlossenen Beta-Test Phase. Vorerst wird nur Musik angenommen, andere digitale Medien sollen abed bald folgen. Laut dem Menü werden dies Software, Filme, Literatur und Bilder sein. Bis Ende Oktober werden 500 Test-Accounts an interessierte Musiker, Bands und Labels vergeben. Die Anmeldung hierfür ist kostenlos möglich, dafür winken Geld, Ruhm und natürlich die Chance, als erster an diesem Projekt mitgewirkt zu haben.

Erste erfolgreiche Befreiung

Ein erstes Album wurde am 1.4.2009 erfolgreich "befreit", wie es auf der Seite heisst. Bob V's Album “Passion and Elegance” erreichte die angepeilte Marke von 500€ und ist ab jetzt frei hier verfügbar. Das eingenommene Geld würde übrigens an die italienische Hilfsorganisation VIDAS gespendet.

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Kommentare (5)

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